Feine Küchlein stehen in einer Auslage.
+
Auch bei den Kuchen zum Mitnehmen muss man ein Corona-Couvert zahlen.

Gastronomie

Gebühr wegen Corona im Café Siesmayer am Palmengarten Frankfurt - Gäste verärgert

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
    schließen

Wegen erhöhter Kosten für Hygienemaßnahmen in der Corona-Krise erhebt das Café Siesmayer im Palmengarten Frankfurt ein „Corona-Couvert“ zwischen 50 Cent bis 3,50 Euro pro Person.

  • Frankfurter Café erhebt zusätzliche Gebühr wegen Coronavirus-Mehrausgaben.
  • Gäste kritisieren die „Corona-Couvert“ im Frankfurter Westend.
  • Branchenverband stellt sich hinter die Gastronomen am Palmengarten.

Frankfurt – Mit Wut und Unverständnis reagieren Gäste des Café Siesmayers am Frankfurter Palmengarten, weil man dort ein „Corona-Couvert“, also eine Art Corona-Servicegebühr pro Person zahlen muss. „Wir sind gerne ins Siesmayers gegangen, werden uns das in Zukunft aber verkneifen. Ein Corona-Couvert!! Wo gibt es denn so was?“, schreibt beispielsweise eine Dame auf dem Portal Tripadvisor.

Ein anderer Gast schreibt dort: „Vielleicht sollte man einmal in Betracht ziehen, dass auch die Gäste, die die Gastronomie unterstützen möchten, selbst gebeutelt und von Corona in finanzieller Hinsicht betroffen sind?!“ Und auch ein FR-Leser schreibt der Redaktion, dass diese Gebühr kritisch zu betrachten sei. Im Internet steuern die Betreiber den Kommentaren mit erklärenden Antworten entgegen.

Botanischer Garten, Frankfurt am Main, Hessen:Palmengarten
Befindet sich in:Grüneburgpark
Adresse:Palmengarten der Stadt, Siesmayerstraße 63, 60323 Frankfurt am Main
Telefon:069 21233939
Öffnungszeiten:Täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr

Palmengarten Frankfurt: Café erhebt Coronavirus-Gebühr, um die Corona-Maßnahmen zu finanzieren

Das Corona-Couvert im Café Siesmayer kostet zwischen 50 Cent und 3,50 Euro pro Person. 50 Cent für einfache Backwaren. 1,50 Euro, wenn jemand mehrere Stücke Kuchen zum Mitnehmen kauft. 2,50 Euro, wenn man Kuchen am Tisch isst und 3,50 Euro pro Person, wenn man dort ein Menü isst. „In Zeiten der Corona-Pandemie geht Sicherheit vor und unsere Hygienestandards sind sehr hoch. Wir nehmen die Situation und die Auflagen nämlich sehr ernst. Und dadurch entstehen eben auch höhere Kosten“, sagt Robert Mangold, Geschäftsführer der Tiger-Palm-Gruppe, zu der auch das Café Siesmayer gehört. Seit Mai gibt es das Corona-Couvert.

Corona-Couvert im Café: Diese Quittung schickte ein FR-Leser. 

Mangold sagt, das beginne schon damit, dass jeden Morgen bei allen 35 Mitarbeitern in dem Café im Frankfurter Palmengarten mit einem bestimmten Wärme-Scanner die Temperatur gemessen wird. „Jeder Mitarbeiter bekommt täglich von uns vier Mund-Nasenschutz-Masken gestellt, denn gerade in der Hitze sind diese schnell durchnässt und müssen gewechselt werden. Zudem trägt jede unserer Servicekräfte Baumwoll-Handschuhe, zwei Paar pro Mitarbeiter sind das am Tag“, so Mangold. Außerdem gäbe es eine Mitarbeiterin, die alle zweieinhalb Stunden nicht nur den Gastraum, sondern alle Flächen im ganzen Haus genauso wie die Toiletten desinfiziere und auch die Hygienespender würden ständig aufgefüllt.

Ärger im Café Siesmayer am Palmengarten: „Zwei bis drei Gäste in der Woche beleidigen uns!“

Warum erhebt er auch eine Gebühr bei Kuchen zum Mitnehmen? „Weil gerade die Kuchentheke ständig desinfiziert wird“, sagt Mangold. Er wisse, dass er einer der wenigen Gastronomen in Frankfurt sei, die so eine Gebühr erheben. Er selbst ist auch Vorsitzender des Fachbereichs Gastronomie des DEHOGA Hessen und habe dort bei Gesprächen mit seinen Gastro-Kollegen gehört, dass viele Angst vor einem Bashing hätten und sich nicht trauten, ein Corona-Couvert zu fordern. „Einige meiner Kollegen inkludieren lieber ihre Mehrkosten mit einer schleichenden Preiserhöhung in ihren Endpreisen. Aber jeder ist frei, seinen eigenen Weg zu gehen. Sobald die Pandemie vorbei ist, werden wir unser Corona-Couvert von der Rechnung wieder streichen“, so Mangold. „Aber es sind insgesamt gesehen wenige Beschwerden. Zwei bis drei Gäste in der Woche beleidigen uns“, sagt Mangold.

Café Siesmayer beim Palmengarten: Hotel- und Gaststättenverband unterstützt die Corona-Couvert

Aber was sagt eigentlich der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Hessen zu der speziellen Gebühr? „Ein Corona-Couvert zu erheben, ist aufgrund der erhöhten Maßnahmen in der Corona-Zeit nachvollziehbar: Kellner müssen ständig die Masken wechseln, es muss viel mehr desinfiziert werden. Wir als Verband halten diese Gebühr für gerechtfertigt“, sagt Hauptgeschäftsführer Julius Wagner von DEHOGA Hessen.

Deutsche Gastronomen erleben höchste Umsatzeinbrüche seit dem Zweiten Weltkrieg

Wagner betont auch, dass etwa Friseure Corona-Aufschläge von 2,50 bis 5 Euro nähmen, und dass dies kaum Kunden beklagen würden. „Die Handwerkskammer hatte sogar den Friseuren direkt empfohlen, einen Aufschlag zu nehmen, das tun wir nicht, aber wir halten den Aufschlag für vertretbar. Aber mit der Kritik der Gäste müssen die Gastronomen dann eben umgehen“, so Wagner. Wie viele Gastronomen in Hessen ein Corona-Couvert erheben würden, darüber gebe es noch keine Zahlen. „Aus meiner eigenen Erfahrung ist es eine Minderheit.“

Für Gastronomen wie Mangold hat Julius Wagner Verständnis: „Neben dem Mehraufwand für Hygienemaßnahmen muss man auch die beschränkten Kapazitäten wegen der Mindestabstände mit einberechnen. Dadurch sind die Gastronomen wegen der geringeren Einnahmen gebeutelt.“ Seit Anfang März hätten die Betriebe im Vorjahresvergleich Einbußen von 60 Prozent verkraften müssen. Das seien die größten Umsatzeinbrüche im Gastgewerbe seit dem Zweiten Weltkrieg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare