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Palmengarten-Kustodin Hilke Steinecke und die Zitronen.

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Tolle Tricks mit Zitronen: Im Palmengarten beginnt die Citrus-Ausstellung

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Die Ausstellung ist im Palmengarten bis zum 22. September zu sehen. Womöglich hat sich auch eine Schildkröte hineingeschlichen.

Apfelsinenpapier! Wer daran keine Kindheitserinnerungen hat, ist entweder mit einem eklatanten Mangel an Südfrüchten aufgewachsen oder im digitalen Zeitalter. Apfelsinenpapier, was ließ sich damit alles machen!

Dazu später. Zunächst zur Apfelsine als solcher, aber auch zur Zitrone, zur Pampelmuse, kurz: zur Zitrusfrucht, bis September Star einer großen Ausstellung. Sagt man Apfelsine oder Orange? „Beides“, sagt Alexander Becker, Herr über die Citrus-Sammlung des Palmengartens, der die Schau jahrelang plante; „ich bin da flexibel.“ Ober-Botanikerin Hilke Steinecke denkt regional: „Im Norden eher Apfelsine, im Süden eher Orange.“

Aus dem Osten, aus Asien kam sie, die Zitrusfrucht, die man mit Z schreibt, während die botanische Gattung Citrus mit C anfängt. Vor etwa 2000 Jahren erreichte sie Europa und verbreitete sich bei den Betuchten, die Orangerien bauten, um die Götterfrucht auch bei kühler Witterung zu kultivieren. Götterfrucht? Ja – und Heldenfrucht. Die „goldenen Äpfel“ des Altgriechen Herakles: nichts anderes als Zitronen, erläutert die Ausstellung. Und das 500 Jahre, ehe sie in Europa ankamen. Götter und Helden konnten eben schon immer alles besser und früher. Dezernentinnen natürlich auch. Rosemarie Heilig (Grüne), die Frankfurter Umweltstadträtin, bekam einst in Griechenland Zitrusfrüchte geschenkt und war begeistert. Heute ist sie’s im Palmengarten. „Die ist hier gewachsen!“, staunt sie und hält eine Citrus medica Maxima in die Höhe, eine enorme Frucht von zwei Kilo. Früher sei eine Apfelsine auf dem Weihnachtsteller etwas Besonderes gewesen, sagt sie. „Und wer weiß – vielleicht hat Eva im Paradies in Wirklichkeit von einem Apfelsinenbaum genascht?“

„Citrus – zwischen Glanz und Gloria“: Die Ausstellung ist im Palmengarten bis zum 22. September zu sehen. Es geht um Biologie, Kulturgeschichte und Verwendungszwecke der Früchte und ihres Safts.

Information: palmengarten.de.

Hilke Steinecke kennt die tollsten Tricks mit Zitronen. Wie sie Luftballons platzen lassen. Woran man von außen erkennt, wie viele Schnitze eine Zitrusfrucht innen hat. und wie man sogar Strom aus Zitronen gewinnt. Nicht so viel, dass die Energieversorgung der Zukunft gerettet wäre, aber immerhin: Die Birne leuchtet. Auch wenn die Ausstellung da ein wenig übertreibt.

200 Zitrusfrüchte hat der Palmengarten in seiner Gärtnerei, 100 davon aus 80 Arten und Sorten zeigt die Schau. Besucher erfahren, wie sich der Saft für Kosmetik, Haushalt und Arznei verwenden lässt. Eine Station mit Zerstäubern lässt das Publikum schnüffeln: Ist es Parfüm – oder Zitrusreiniger? Historische Darstellungen und lustige Apfelsinen-Werbeplakate mit Donald Duck und dem Weihnachtsmann lockern alles auf. Die grandiosen Fruchtfotografien von Jennifer Markwirth machen die Ausstellung ästhetisch zum Genuss.

Alles Citrus – hier eine Wand mit Fotografien von Jennifer Markwirth.

Aber die schönsten Erinnerungen, wie gesagt, weckt die Sammlung von dünnen, rascheligen Einwickelpapieren. Man brauchte sie, damit die Apfelsinen in der Transportkiste nicht aneinander rieben und faulten. Kinder am Ende der Lieferkette packten die Frucht aus, machten Knoten in die vier Ecken des Papiers, legten es auf die Apfelsine, gaben ihr einen Schubs und ließen sie durchs Zimmer eiern. „Schaut mal – eine Schildkröte!“ Die Erwachsenen fielen aber auch jedes Mal drauf rein.

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