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Mike Josef spricht vor dem Haus Grüne Straße 30 im Ostend. Ein Kameramann hält alles fest.

Wohnraum

Objekt der Spekulation im Frankfurter Ostend

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Im Kampf um das Haus Grüne Straße 30 gibt das Gericht den Mietern recht.

Es ist ein Fall, der Aufsehen erregt. Entsprechend groß ist der Andrang der Medienvertreter in der stillen Wohnstraße nahe dem Zoologischen Garten. Andererseits beschreibt das Geschehen auch Alltag in Frankfurt, der Stadt, in der Wohnraum schon lange zum Spekulationsobjekt geworden ist. Zwei Kaufleute erwarben im Dezember 2017 das Haus Grüne Straße 30 – ein schönes Wohngebäude aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Hier scheint die Welt noch in Ordnung: Die Mieten liegen zwischen sieben und acht Euro pro Quadratmeter.

Doch schon im Januar 2018 meldete einer der neuen Besitzer Eigenbedarf an. Er will angeblich seine Verlobte heiraten. Weitreichende Pläne wurden verkündet: Zwei Wohnungen sollten zu einer Einheit von 140 Quadratmetern zusammengelegt, die Decken durchbrochen werden für eine große Maisonette. Doch die Investoren hatten übersehen, dass neuerdings in diesem Teil des Frankfurter Ostends eine städtische Milieuschutzsatzung galt. Sie besagt unter anderem, dass Wohnungen nur bis zu einer Größe von 130 Quadratmetern addiert werden dürfen. Das Ganze eskalierte bis zur Räumungsklage. Das Amtsgericht entschied für die Mieter. Und stützte sich ausdrücklich auf die neue Milieuschutzsatzung.

Mike Josef: „Klassisches Beispiel für Mieterverdrängung“

Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD) ist gekommen, spricht von einem „klassischen Beispiel für Mieterverdrängung“. Das Haus sei „zum Spekulationsobjekt“ geworden. Der Sozialdemokrat berichtet aus seinem Alltag. „Teilweise junge Typen so alt wie ich“ – Josef ist 36 –, kauften sich Häuser, um zu spekulieren.

Und die Geschichte ist nicht zu Ende. Bei der zweiten Wohnung haben die Eigentümer die Eigenbedarfskündigung mittlerweile zurückgezogen. Doch sie wollen das Haus, das sie angeblich für 950.000 Euro erworben haben, angeblich für 1,5 Millionen Euro weiterverkaufen. Der Wohnungsdezernent kündigt an: Wenn das Haus weiterveräußert wird, „wird die Stadt ihr Vorkaufsrecht ausüben“.

Beifall im Rund. Der Stadtrat macht deutlich: Die Kommune brauche juristische Unterstützung der schwarz-grünen Landesregierung. Sie soll die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen künftig an einen Genehmigungsvorbehalt der Stadt knüpfen. Josef berichtet, er habe ein Gespräch mit Hessens Wohnungsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) geführt: „Das Umwandlungsverbot soll sehr schnell kommen.“ Ungläubiges Gemurmel unter den versammelten Initiativen. Josef kündigt an, dass er Anfang 2020 weitere Quartiere für Milieuschutz vorschlagen wird. Er endet mit einem „Der Kampf wird weitergehen!“

Michael Boedecker von der Nachbarschaftsinitiative Nordend/Bornheim/Ostend (NBO) ist das zu wenig. Das Milieuschutzareal im Ostend soll ausgeweitet werden, fordert er: „Die Begrenzung ist nicht nachvollziehbar.“ Großer Applaus.

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