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Förster Roman Brunner (Mitte) führt die fassungslosen Teilnehmer durch den Wald.

Enkheimer Wald

70 Prozent der Bäume im Enkheimer Wald müssen gefällt werden

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70 Prozent der Nadelbäume im Enkheimer Wald müssen gefällt werden. Auch um die Laubbäume ist es nicht gut bestellt.

Es sind weniger als zehn Bäume in dem Waldstück zwischen der Leuchte und A66, deren Stamm mit pinker Farbe markiert sind. „Das sind die Bäume, die hier stehen bleiben werden“, sagt Förster Roman Brunner. Die Neuigkeit bei der Waldbegehung am Sonntag sorgt für Fassungslosigkeit unter den 30 Teilnehmern: Ein Großteil der Bäume im Fechenheimer und Enkheimer Wald müssen gefällt werden – und das so bald wie möglich.

Der 200 Hektar große Mischwald besteht vor allem aus Kiefern, Douglasien und Buchen, vereinzelt Eichen und Roteichen. Er ist beliebtes Ausflugsziel, aber auch Lebensraum von Rehen und Wildschweinen. Viele Vögel und Fledermäuse haben hier ihr Zuhause. Die gute Nachricht: Für die ansässigen Tiere sieht Peter Rodenfels, stellvertretender Leiter der Abteilung Stadtforst beim Grünflächenamt, keine Probleme. „Durch den lichten Wald erwarten wir mehr Hecken, wie Brombeersträucher. Die Rehe dürfen sich darüber eher freuen. Die Höhenbäume sind Lebensraum für Vögel und deshalb geschützt. Die tasten wir nicht an.“

Der Diplodia-Pilz habe den Kiefern das Ende bereitet, weiß Brunner. „Rund die Hälfte ist schon tot“, sagt der Förster in einem Waldstück aus Nadelbäumen, die größtenteils 100 Jahre alt sind. „Aber auch Kiefern, bei denen das Grün gräulich und die Nadeln kraus sind, müssen gefällt werden.“ Ihre Lebenserwartung läge bei maximal drei weiteren Jahren. „Das heißt: 100 Prozent der Nadelbäume sind betroffen und rund 70 Prozent müssen gefällt werden“, resümiert er. Auch um die Laubbäume stünde es nicht gut. Hier soll das Frühjahr abgewartet werden.

Vom heißen Sommer 2018 geschädigte Kiefern im Fechenheimer Wald.

Vor allem die Hitze 2018 sei Schuld am schlechtem Zustand der Bäume. Zudem gebe es eine Verkettung ungünstiger Umstände, sagt Rodenfels: „Durch die starken Regenfälle im Jahr 2017 ist der Grundwasserspiegel über mehrere Wochen stark erhöht gewesen. In dieser Zeit sind viele Wurzeln abgestorben, die während der Dürre im vergangenen Jahr dann gefehlt haben.“ Es wird vermutet, dass der Effekt durch das Aus des Wasserwerks an der Leuchte verstärkt wurde.

„Wenn wir den Rest der Kiefern erhalten wollen, müssen wir schauen, dass wir die abgestorbenen so schnell wie möglich hier rausbekommen“, sagt der Revierförster. „Sonst breiten sich Borken- und Bockkäfer weiter aus.“ Weil in sich der Jahrhundertsommer auf fast alle Wälder ausgewirkt hat, gebe es überall Engpässe: Rodungs-Unternehmen seien ausgelastet, der Holzmarkt mit dem „zweite Klasse Holz“ Kiefer überlaufen und Setzlinge in Baumschulen ausverkauft.

Zwar breiten sich Eichen und Kiefer auch auf natürlichem Weg aus, trotzdem soll nachgeholfen werden. „Das vergangene Jahr war Mastjahr und wir haben viele Eicheln aus dem eigenen Bestand zur Anzucht gegeben“, sagt Rodenfels.

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