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Dietrich Volle, Solist der Oper Frankfurt, im Garten seines Hauses.
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Dietrich Volle, Solist der Oper Frankfurt, im Garten seines Hauses.

Kultur in Frankfurt

Frankfurt: Opern-Genuss für alte Menschen

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Dietrich Volle, Solist an der Frankfurter Oper, singt ehrenamtlich in Alten- und Pflegeheimen. Wegen der Corona-Pandemie sind die Innenhöfe seine Bühne.

Dietrich Volle ist es gewohnt, vor großem Publikum aufzutreten. Der gebürtige Schwarzwälder ist Solist an der Frankfurter Oper. Seit einigen Monaten ist er auf einer besonderen Tournee. Der Bariton besucht Alten- und Pflegeheime in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet, um deren Bewohnerinnen und Bewohner mit seinem Gesang zu erfreuen, ganz ehrenamtlich versteht sich und bei Wind und Wetter. Seine Bühne sind die Innenhöfe.

„Als festangestelltes Ensemblemitglied bin ich dank öffentlicher Gelder existenziell abgesichert. Ich will deshalb der Öffentlichkeit etwas zurückgeben“, sagt Volle. Seit Dezember 2020 singt er, immer wenn es seine Zeit erlaubt, für die Menschen in Alten- und Pflegeheimen, für die die bisher geltenden Besuchsbeschränkungen erst am 15. Mai gelockert werden. Alles, was er für seine Auftritte braucht, hat er in einem Rollkoffer dabei. Wichtigstes Utensil ist ein Verstärker, über den er mit Hilfe seines Smartphones eine Orchesterbegleitung abspielt, und ein Mikrofon. Letzteres braucht er nicht für seinen Gesang, nur für die Einführungen seiner Gesangsbeiträge.

Volle singt für die Menschen in den Alten- und Pflegeheimen, was er am besten kann: bekannte Arien aus Opern wie beispielsweise der „Zauberflöte“ oder Kunstlieder, etwa von Strauß. Der Bariton ist seit 2007 Solist an der Oper. Einer seiner letzten Rollen vor dem zweiten Shutdown im November war die des Mr. Gobineau in „The Medium“, eine Oper von Gian Carlo Menotti.

Berührendes Erlebnis

An der Frankfurter Oper war er mit Unterbrechungen. Er kam 1990 als junger Sänger zum ersten Mal an das Haus. Damals sang er noch im Opernchor. 1992 wechselte er an andere Häuser und trat dann beruflich etwas kürzer, als nacheinander seine vier Töchter geboren wurden. Seine Ehefrau ist Ärztin. Inzwischen ist der 65-Jährige Großvater, er hat vier Enkelkinder. „Das sind auch vier Mädchen“, sagt er. Sein Ruhestand steht bevor. Diese Spielzeit wird die letzte für ihn sein.

In der Zeit der Kurzarbeit hat er drei Videos für den Youtube-Kanal der Oper aufgenommen, in denen er für jeden verständlich in jeweils 20 Minuten die Grundlagen des Singens erläutert. „Singen ist keine Hexerei“, sagt Volle. Jeder Mensch könne beispielsweise durch eine bessere Atemführung seine Stimme optimieren, vielleicht nicht so weit, um danach auf einer Bühne stehen zu können, aber sicherlich genug, um mehr Freude am Singen zu haben. Überhaupt findet der Sänger, dass hierzulande zu wenig gesungen werde. In Ländern wie Italien und Spanien sei der Gesang im Alltag verwurzelt.

Wie wichtig die Musik für alte Menschen ist, erlebte Volle, als er für seine inzwischen verstorbene, über neunzigjährige Mutter, die Frau eines Pfarrers gewesen war, sang. Sie war an Demenz erkrankt. „Sie hat zum Schluss nicht mehr geredet. Aber als ich für sie ,Befiehl du deine Wege’, ein geistliches Lied von Paul Gerhardt, sang, konnte sie noch drei Strophen mitsingen“, erzählt er. Das sei ein sehr berührendes Erlebnis für sie und ihn gewesen.

Mit dieser Erfahrung rief der Opernsänger im Herbst vorigen Jahres Alten- und Pflegeheime in Frankfurt und Umgebung an, um zu fragen, ob er für die Bewohner:innen singen könne, Corona-konform natürlich. Die Heimleitungen nahmen gerne an. Seitdem singt er regelmäßig in Innen- oder Vorhöfen von Einrichtungen, im Winter selbst in eisiger Kälte. „Die Stimme kann einiges aushalten“, sagt er.

Die Bewohner:innen können ihm bislang nur von Fenstern aus zuhören. Nur in der Seniorenwohnanlage der Henry-und-Emma-Budge-Stiftung trat er in einem Saal auf, jedoch alleine. Sein Gesang wurde über eine Anlage zu den Senior:innen übertragen. Die Reaktionen des Publikums konnte er dort nicht wahrnehmen. Feedback kam aber von der Heimleitung. Die Bewohner:innen hätten es sehr genossen.

FOTO TAGESSATZ

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