Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eine Ideenskizze zeigt, wie ein Opernhaus in den Frankfurter Wallanlagen platziert werden könnte. Einen Architektenwettbewerb soll es erst geben, sobald die Standort-Frage entschieden ist.
+
Eine Ideenskizze zeigt, wie ein Opernhaus in den Frankfurter Wallanlagen platziert werden könnte. Einen Architektenwettbewerb soll es erst geben, sobald die Standort-Frage entschieden ist.

Städtische Bühnen

Frankfurt: Oper soll ins Bankenviertel - Debatte um Standort wohl entschieden

  • Christoph Manus
    VonChristoph Manus
    schließen

Immer mehr spricht dafür, dass die neue Frankfurter Oper auf dem Sparkassen-Areal an der Neuen Mainzer Straße entsteht. Noch sind aber auch zwei andere Varianten im Rennen.

Frankfurt - Ein Neubau für die Frankfurter Oper auf dem Sparkassen-Grundstück zwischen der Neuen Mainzer Straße und den Wallanlagen wird immer wahrscheinlicher. Die städtische Stabsstelle zur Zukunft der Städtischen Bühnen hält diese Variante, bei der das Schauspiel ein neues Gebäude im Osten des bisherigen Areals am Willy-Brandt-Platz erhielte, für die finanziell günstigste von fünf untersuchten Möglichkeiten.

Im gut 120-seitigen Untersuchungsbericht, den die Stabsstelle mit externen Fachleuten erstellte, ist von Investitionskosten von 811 Millionen Euro die Rede. Darin sind allerdings Kosten für einen möglichen Erwerb des Grundstücks, das der Hessischen Landesbank gehört, nicht eingerechnet.

Diese Variante 2 schneidet zudem bei den Auswirkungen auf das Stadtklima von allen betrachteten Standorten in der Innenstadt am besten ab, weil sie zu einem Zugewinn an Grün- und Freiflächen führe.

Variante 1) Die Spiegel-Lösung

Am Willy-Brandt-Platz entsteht auf dem bisherigen Gelände der Theaterdoppelanlage ein neues Operngebäude, gegenüber in den Wallanlagen das Schauspielhaus.

Investitionskosten: 859,3 Millionen Euro.

Freiflächenbilanz: Auf dem Bühnen-Areal am Willy-Brandt-Platz könnten 5600 Quadratmeter bebaute Fläche entsiegelt werden. Dafür würden 4400 Quadratmeter Grün in den Wallanlagen verschwinden.
Vorteile: Sehr gut an ÖPNV angebunden, ausreichend Parkplätze, nur ein Interimsgebäude für die Oper erforderlich, beide Spielstätten trotz Trennung in unmittelbarer Nähe.

Nachteile: Innerstädtische Grünflächen werden bebaut, Eingriff in die Wallanlagen, Verschlechterung des Stadtklimas, teure Interimsspielstätte für die Oper erforderlich.

Wahrscheinlichkeit: Kommt als eine Möglichkeit infrage. cm

Frankfurt: Kulturdezernentin Ina Hartwig wirbt für Wallanlagen als Kulturmeile

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zeigte sich bei der Vorstellung des Berichts erfreut, dass die Variante an den Wallanlagen in der Standortfrage so gut abschneide. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), die die Bebauung des Sparkassen-Areals im Sommer 2020 ins Spiel gebracht hatte, warb erneut für ihre Vision einer „Kulturmeile“, die sich vom Jüdischen Museum über das neue Schauspielhaus, das English Theatre, das MMK 2 im Taunusturm bis zum neuen Opernhaus und der Alten Oper erstrecken würde. Denkbar sei ein Opernhaus mit großen Dach- und Besucherterrassen mit Blick in die Wallanlagen und auf die Skyline.

Variante 2: Kulturmeile

Auf dem Sparkassen-Grundstück zwischen Neuer Mainzer Straße und Wallanlagen entsteht die Oper, ein neues Schauspielhaus wird im Osten des bisherigen Bühnen-Areals gebaut.

Investitionskosten: 811,2 Millionen Euro.

Freiflächenbilanz: 600 Quadratmeter Grün in den Wallanlagen werden versiegelt. Dafür könnten 5600 Quadratmeter bisher bebaute Fläche am Willy-Brandt-Platz Grünfläche werden.

Vorteile: Sehr gut an ÖPNV angebunden, genug Parkplätze, nur Interimslösung für Schauspiel nötig, Wallanlagen werden aufgewertet und belebt.

Nachteile: „Leicht verlängerte Projektlaufzeit durch Projektabhängigkeiten“, heißt es in der Untersuchung. Das Grundstück gehört der Helaba. Die Frankfurter Sparkasse müsste umziehen. Was der Stadt an Grundstückskosten entstehen, ist bisher unklar.

Wahrscheinlichkeit: Sehr hoch. cm

Hartwig sprach sich bei einer Pressekonferenz im Historischen Museum aber auch auf Nachfragen nicht explizit dafür aus, nun rasch diese Variante anzugehen. Auch die so genannte Spiegellösung, bei der die Oper auf dem bisherigen Areal am Willy-Brandt-Platz und das Schauspiel in den Wallanlagen entstehen würde (Variante 1), und den Neubau einer Theaterdoppelanlage am bisherigen Standort (Variante 4) hält die Kulturdezernentin für möglicherweise sinnvolle Varianten mit Vor- und Nachteilen.

Gegen Variante 1 spricht nach dem Untersuchungsergebnis etwa die starke Inanspruchnahme der geschützten Wallanlagen, Variante 4 ist mit 891 Millionen Euro am teuersten – nicht zuletzt, weil die Stadt dann Interimslösungen für Schauspiel und Oper suchen müsste.

Variante 3: Schauspielhaus am Opernplatz

Am Willy-Brandt-Platz entsteht ein neues Opernhaus, das Schauspielhaus wird auf einem Grundstück am Opernplatz errichtet.

Investitionskosten: 872,5 Millionen Euro.

Freiflächenbilanz: 5600 Quadratmeter Fläche auf dem Bühnenareal am Willy-Brandt-Platz können entsiegelt werden. Dafür werden 2100 Quadratmeter Grün am Opernplatz bebaut.
Vorteile: Sehr gute ÖPNV-Anbindung, ausreichend Parkplätze, nur eine Interimslösung nötig, neue Grünflächen am Willy-Brandt-Platz, Opernplatz wird zusätzlich belebt.

Nachteile: Grundstück relativ klein und über S-Bahn-Tunnel, Fläche gehört nicht der Stadt, teure Interimslösung für Oper.

Wahrscheinlichkeit: Lösung ist so gut wie vom Tisch. cm

Nicht weiter verfolgt werden dagegen der einst von der CDU vorgeschlagene Bau einer Doppelanlage am Osthafen (Variante 5) und ein Neubau des Schauspielhauses an der Alten Oper (Variante 3). In einem Grundsatz-Beschluss hatte das Stadtparlament zudem bereits im Jahr 2020 eine Sanierung der maroden Theaterdoppelanlage ausgeschlossen.

Der Bau der neuen Oper und des neuen Schauspielhauses für Frankfurt soll mindestens sechs Jahre dauern

Die Stadtverordneten hätten nun eine Grundlage, um zeitnah eine Entscheidung in der Standortfrage zu treffen, sagte Hartwig. Dabei machte sie klar, dass diese Entscheidung nicht nur die Entwicklung der Bühnen, sondern auch der westlichen Innenstadt auf Jahre bestimmen werde. Feldmann sprach gar von einem Jahrhundertprojekt für Frankfurt.

Variante 4: Doppelanlage am alten Standort

Am Willy-Brandt-Platz entsteht an Stelle des maroden Opern- und Schauspielhauses eine neue Theaterdoppelanlage.

Investitionskosten: 891,1 Millionen Euro.

Freiflächenbilanz: Alles bleibt, wie es ist. Keine Versiegelung, keine Entsiegelung.

Vorteile: Oper und Schauspiel bleiben an ihrem angestammten Platz in der Innenstadt, sehr gute ÖPNV-Anbindung, ausreichend Parkplätze vorhanden, beide Spielstätten sind weiterhin in einem Bauwerk.

Nachteile: Zwei Interimsspielstätten für Schauspiel und Oper nötig, daher zeitaufwendig und teuer. Keine Pufferflächen für künftige Erweiterungen, Werkstatt- und Lagerzentrum außerhalb der Innenstadt, dadurch zusätzlicher Verkehr zwischen Spiel- und Werkstätten.

Wahrscheinlichkeit: Kommt als eine Möglichkeit infrage. cm

Hartwig und Feldmann machten keinen Hehl daraus, dass die Stadt angesichts des miserablen baulichen Zustands der Theaterdoppelanlage unter gewaltigem Zeitdruck steht. „Die Situation wird immer brisanter“, sagte Stabsstellen-Leiter Mathias Hölzinger. Man werde Maßnahmen treffen müssen, um den Spielbetrieb aufrechterhalten zu können.

Das Problem mit dem Bestandsgebäude könnte sich durchaus zuspitzen. Zumal es sehr lange dauern wird, bis die neuen Spielstätten stehen. Die Stabsstelle rechnet mit einer Projektlaufzeit von zehn bis zwölf Jahren, davon sechs bis acht Jahre reine Bauzeit. In einem ersten Schritt sollen Architektenwettbewerbe für die Neubauten ausgelobt werden. Das ist allerdings erst sinnvoll, wenn das Stadtparlament in der Standortfrage eine Entscheidung gefällt hat. (Christoph Manus)

Variante 5: Doppelanlage am Osthafen

Auf dem Raab-Karcher-Areal am Osthafen entsteht eine Theaterdoppelanlage für Oper und Schauspiel.

Investitionskosten: 835,6 Millionen Euro.

Grünflächenbilanz: Wird im Bereich der Stabsstelle zur Zukunft der Bühnen nicht beziffert. Die Flächen im Ostend sind bisher versiegelt. Am Willy-Brandt-Platz könnte, je nachdem, was auf dem Bühnen-Grundstück geschieht, neues Grün entstehen oder nicht.
Vorteile: Großes Grundstück mit viel Platz für Oper und Schauspiel, keine Interimslösung nötig, belastet das städtische Klima nicht.

Nachteile: ÖPNV-Anbindung nicht ideal, keine Tiefgarage, Grundstück ungünstig geschnitten, Bodenverunreinigungen zu erwarten, Grundstück bis Ende 2028 vermietet, Lage am Industrie- und Gewerbegebiet.

Wahrscheinlichkeit: Sehr gering. Politisch nicht gewollt. cm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare