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Auf eine schriftliche Anfrage des Magstrats zur WLAN-Verfügbarkeit antworteten lediglich 18 von 44 Alten- und Pflegeeinrichtungen.

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Frankfurt: Ohne WLAN im Altenheim

In vielen Einrichtungen gibt es keine stabile Internetverbindung, dabei wäre die jetzt sehr nötig.

Keine Besucher mehr. Die Ansage der Hessischen Landesregierung ist eindeutig. Nur in absoluten Ausnahmefällen sind Gäste in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern willkommen. Hinter der Entscheidung steckt die Angst, dass sich das Coronavirus in einer solchen hochsensiblen Einrichtung ausbreiten könnte, wie es in Einzelfällen schon geschehen ist. Die Entscheidung sei für alte und kranke Menschen sehr hart, räumten fast alle Politiker ein.

Gesucht werden nun Alternativen, wie beispielsweise die Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen mit ihren Angehörigen in Kontakt bleiben können. Oft ist dabei von Videotelefonie die Rede oder von anderen Kommunikationsformen, für die es eine stabile Internetverbindung braucht. Doch die ist zumindest in vielen Frankfurter Einrichtungen nicht vorhanden, wie FR-Recherchen ergaben.

Auf eine schriftliche Anfrage des Magstrats zur WLAN-Verfügbarkeit antworteten lediglich 18 von 44 Alten- und Pflegeeinrichtungen – und nur zwei davon offerieren ihren Bewohnerinnen und Bewohnern einen kostenlosen Internetzugang auf den Zimmern. Sieben Häuser verweisen auf erhebliche Investitionskosten, die die Bereitstellung von WLAN verursachen würde. Die anderen neun Einrichtungen planen entweder erst den Ausbau oder erheben eine monatliche Gebühr.

„Wenn eine Einrichtung ein WLAN anbietet, ergeben sich zwei Optionen“, sagt ein IT-Mitarbeiter des Hessischen Beauftragen für Datenschutz und Informationsfreiheit. „Entweder die Installation eines geschlossenen Benutzerkreises, bei dem jeder Benutzer das Passwort ausgestellt bekommt, oder die Verwendung eines Gastnetzes, bei dem der Benutzer sich über eine Landingseite anmeldet.“

Die Anfrage an den Magistrat zur Abfrage der WLAN-Verfügbarkeit in den Alten- und Pflegeheimen kam von der FDP-Fraktion. Man habe den Eindruck gehabt, dass es in diesem Bereich mangele, heißt es auf Nachfrage der FR.

Für viele selbstverständlich

Dass kein Interesse der Bewohnerinnen und Bewohner an einem Internetzugang besteht, kann sich der FDP-Stadtverordnete Yanki Pürsün kaum vorstellen. „Inzwischen ist das Leben so digitalisiert, dass man ohne Mobilfunkgerät auch viele praktische Dinge des Lebens gar nicht mehr bewältigen kann“, sagt er. Außerdem sei das Mobilgerät häufig auch eine gute Verbindung für alleinstehende Personen, die nur wenig Verwandtschaft um sich herum hätten.

„Für viele ältere Menschen, die jetzt in Altenheime kommen, ist es selbstverständlich, dass überall kostenfreies WLAN zur Verfügung steht“, sagt Dagmar Hirche. Sie ist Vorstandsvorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Wege aus der Einsamkeit“. Dieser setzt sich bundesweit für die Verbesserung der Lebensumstände alter Menschen sowie für deren Stellung in der Gesellschaft ein. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Angehörige einen Menschen mit Demenz besuchen, mit dem sie kaum noch reden können. Aber wenn sie ihm über das Internet die alte Heimat zeigen können, ist das auch wieder eine Beschäftigung, die Spaß macht.“

Ähnlich argumentiert der FDP-Politiker Pürsün. Er kritisiert, dass die Heime ohne funktionierendes WLAN ihre Prozesse nicht optimieren und digitalisieren könnten. „Die Einrichtungen per se brauchen WLAN, und wenn sie es sowieso haben, können sie ein Parallelnetz für die Bewohnerinnen und Bewohner einrichten.“

Grundsätzlich sei ein Internetzugang kein Bestandteil der Pflegevereinbarung, heißt es im Magistratsbericht. WLAN lasse sich nur über Drittmittel finanzieren und könne dann gegebenenfalls kostenlos angeboten werden. Pürsün glaubt aber auch nicht, dass es eine ideale Lösung sei, die Kosten über den Pflegesatz zu decken. „Der Staat muss die Einrichtung so fördern, dass WLAN bereitgestellt werden kann – sowohl für die Einrichtung als auch für die Bewohnerinnen und Bewohner“, fordert er.

In den Frankfurter Krankenhäusern zeichnet sich ein ähnlicher Mangel ab. Auf Nachfrage der FR räumten fünf Krankenhäuser eine nicht vorhandene bis schlechte WLAN-Abdeckung ein. Ein Ausbau beziehungsweise eine bauliche Weiterentwicklung sei aber in Planung. In drei weiteren Krankenhäusern sei bereits jetzt ein uneingeschränkter Zugang verfügbar.

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