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Frankfurt: Ohne Erlaubnis Bäume gefällt

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Von: Thomas Stillbauer

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Blick auf Bäume an der Bahnlinie, die nach Angaben einer Anwohnerin gerettet wurden.
Blick auf Bäume an der Bahnlinie, die nach Angaben einer Anwohnerin gerettet wurden. © privat

Ärger über eigenmächtiges Vorgehen der Bahn in Frankfurt Sachsenhausen. Stadt will über Konsequenzen entscheiden.

Es war ein aufregendes Wochenende im nördlichen Sachsenhausen. Am Freitag ging es los mit der Hiobsbotschaft: Sie fällen Bäume im Gebiet am Bahndamm an der Tiroler Straße. Wer genau, warum genau – alles unklar. Die Deutsche Bahn jedenfalls wusste auf mehrfache Nachfrage von nichts. Die Bevölkerung tappte im Dunkeln. „Das ganze Wochenende über kamen Hinweise“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne).

Am Montag war dann klar: Das Bahn-Infrastrukturunternehmen DB Netze hat nach Informationen der Stadt an den Bäumen gesägt. Verkehrssicherungsmaßnahmen, wie es heißt, also Rückschnitt von Vegetation, auf dass nirgends ein Ast herabfällt und Menschen Schaden zufügt.

Auch Kronen beschnitten

In welchem Ausmaß das geschehen sollte, war auch am Montag noch unklar. Anwohner:innen berichteten der Grünen-Politikerin Ursula auf der Heide, es seien Bäume gefällt und andere zum Teil drastisch in der Krone beschnitten worden – direkt am Rande der Gärten: „Da stehen große, schattenspendende Bäume, die im Sommer für ein viel angenehmeres Klima sorgen als in anderen Teilen Sachsenhausens.“ Ein Mitarbeiter des Umweltdezernats, der sich ein Bild vor Ort machte, sprach von drei gefällten Bäumen und einer nicht genau bezifferten Anzahl, die zurückgeschnitten wurde.

„Es gibt dort einen wunderbaren Wildwuchs, alte Bäume und viel Getier“, schilderte auf der Heide und zählte Silberpappeln und Robinien auf.

Offenbar hatten die Mitarbeiter des Bahnunternehmens vor, weitere Bäume zu fällen – das legte jedenfalls der Bericht eines Anwohners nahe, der die Männer schließlich am Freitag dazu gebracht habe, die Arbeiten ruhen zu lassen.

Genehmigung erforderlich

„Erfreulicherweise hat die Deutsche Bahn AG die Arbeiten auf ihrem Gelände an der Tiroler Straße gestoppt“, informierte Stadträtin Heilig am Montag. „Grundsätzlich ist es aber so, dass die DB wie jeder Vorhabenträger verpflichtet ist, bei derartigen Vorhaben entsprechende Genehmigungen einzuholen. Geschieht dies nicht, können wir Geldstrafen verhängen oder zu Ersatzpflanzungen verpflichten.“ Der Unteren Naturschutzbehörde lägen jedoch keinerlei Anträge zur Baumfällung dort vor. Heilig: „Mit der DB AG führen wir zurzeit Gespräche über das weitere Vorgehen.“

Es sei durchaus plausibel, dass mitunter konsequenter Rückschnitt oder gar Baumfällungen erforderlich seien, um die Sicherheit zu gewährleisten, betonte Heilig im Gespräch mit der FR – aber keinesfalls ohne Rücksprache mit den Behörden. „Einfach loszulegen ist ein Unding.“ Sie sei dankbar für die Hinweise aus der Bevölkerung, hob die Dezernentin hervor.

Anwohnerinnen und Anwohner äußerten sich am Montag enttäuscht darüber, dass die Bahn in unmittelbarer Nähe ihrer Grundstücke Bäume fälle, ohne die Nachbarschaft zu informieren. Die Arbeiten hätten erhebliche Unruhe in die Wohnsiedlung gebracht. Anfangs befürchteten die Menschen, dass bis zu 50 Bäume den Maßnahmen zum Opfer fallen könnten. Eine Angst, die sich nicht bestätigte.

Eine Bahn-Sprecherin kündigte am Montag eine Stellungnahme des Unternehmens an, die jedoch bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht eintraf. So bleibt es vorerst dabei, was die Bahn der FR am Vormittag mitgeteilt hatte: „Trotz aufwendiger Abfrage konnte sich aber keine DB-Aktivität feststellen lassen.“

Ursula auf der Heide hat schon eine Idee, wie der Fall gelöst werden könnte: „Ich finde, die Bahn sollte nachpflanzen.“

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