1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Offensive für mehr Kitapersonal

Erstellt:

Von: Katja Sturm

Kommentare

Kinder gibt es genug in Frankfurter Kitas, Erzieherinnen und Erzieher fehlen aber. Andreas Arnold
Kinder gibt es genug in Frankfurter Kitas, Erzieherinnen und Erzieher fehlen aber. Andreas Arnold © Andreas Arnold

Trägergesellschaften in Frankfurt werben gemeinsam. Stadt gibt Geld für Qualifizierung.

Der Ist-Zustand ist besorgniserregend: 500 Erzieherinnen und Erzieher fehlen in Frankfurt, Untersuchungen der Stadt zufolge. Bei steigenden Geburtenraten und Bevölkerungswachstum, droht sich die Lage dramatisch zu verschlimmern. „Es ist unser erklärtes Ziel, diesem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, betonte Bildungsdezernentin Sylvia Weber am Montag bei einer Pressekonferenz im Römer. Sowohl die Qualität als auch die Quantität des Angebots in allen Altersgruppen solle und müsse nicht nur beibehalten, sondern ausgebaut werden.

„Alle 170 Träger in der Stadt haben das gleiche Problem“, sagt die SPD-Politikerin. Statt gegeneinander arbeite man deshalb seit März 2020 verstärkt miteinander, um eine fruchtende Strategie zu entwickeln.

Zu den dazugehörigen Maßnahmen zählt der Frankfurter Berufsbildungstag am 19. Oktober. Von 9 bis 17 Uhr präsentieren sich mehr als 40 Trägergesellschaften und Berufsschulen im Saalbau Bornheim (Arnsburger Straße 24). Interessierte können dort mit diesen direkt Kontakt aufnehmen, ins Gespräch kommen und sich beraten lassen über verschiedene Ausbildungswege und die Möglichkeiten, die die Berufe bieten.

Als „erfüllend und wertvoll“ bezeichnet Gabriele Bischoff, Betriebsleiterin bei „Kita Frankfurt“, die Arbeit in Kindergärten und -krippen. Es hielten sich allerdings einige Mythen, die mögliche Bewerber abschreckten. So werde „längst nicht mehr so schlecht bezahlt“, wie oft noch verbreitet, und es gebe einen Tarif, der für freie wie für staatliche Einrichtungen gleich sei.

Zudem verdienen auch die Auszubildenden mittlerweile Geld, und ihr Werdegang verlaufe zunehmend dual. Das heißt, auch Berufsschulabsolventen werden unterrichtet und arbeiten dann parallele dazu in den Einrichtungen mit.

Aktuell gibt es für angehende Erzieherinnen und Erzieher drei Berufsschulen in der Stadt, an denen zum neuen Schuljahr 371 Anwärterinnen und Anwärter angefangen haben. Die Berta-Jourdan- Schule ist mit 280 Einsteigenden die größte für das Aufgabenfeld, aber nicht groß genug, um dem Bedarf gerecht zu werden. 200 Bewerberinnen und Bewerber würden jährlich abgewiesen, sagt Weber. Um mehr Platz zu schaffen, befinde man sich derzeit auf der Suche nach einer passenden Liegenschaft. Mehrere kämen infrage; sollte es mit einer davon klappen, befänden sich darin eventuell auch Wohnungen. Die beruflichen Perspektiven sind sehr gut. In Frankfurt gibt es derzeit 55 607 Betreuungsplätze in 148 städtischen und mehreren hundert freien Einrichtungen, die meisten davon für drei bis sechsjährige Kinder (25 938) und die noch Jüngeren (11 093). Doch auch in anderen Altersklassen wird Personal gesucht.

Nur die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen bleibt laut Weber in der Stadt. Viele kehrten in die Region zurück, aus der sie stammen. Es gehe deshalb nicht nur darum, Fachkräfte auszubilden, sondern sie danach zu halten.

„Wir müssen auch das Drumherum organisieren“, sagt Michael Zimmermann-Freitag vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Hessen. Dazu gehöre bezahlbarer Wohnraum. Anzustreben sei internationaleres Personal in den Einrichtungen und ein höherer Anteil von Männern. Zudem benötige man mehr Lehrkräfte. „Wir müssen viele kleine Schritte gehen“, um die Ziele zu erreichen, so Zimmermann-Freitag.

Für Quereinsteigende steht die Möglichkeit offen, die Ausbildung berufsbegleitend zu absolvieren. Vorausgesetzt, sie können einen Studienabschluss und ein erweitertes Führungszeugnis vorweisen. Begleitend zu ihrer Tätigkeit erwerben sie in 160 Unterrichtseinheiten das Rüstzeug für ihre neue berufliche Zukunft. Ansprechpartnerin für derartige Chancen ist die Volkshochschule.

Die Stadt selbst unterstützt die Fachkräfte-Offensive mit zusätzlichen Mitteln. Bis 2025 sind jährlich 50 000 Euro für jeden der zehn größten Trägergesellschaften vorgesehen, mit deren Hilfe diese Qualifizierungs- und andere Maßnahmen angehen können.

Auch interessant

Kommentare