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Frankfurt: Offene Oper für alle - nur wann?

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Von: Stefan Behr

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Singe, wem Gesang gegeben: Nicholas Brownlee ließ das Opernfoyer beben (was man auf dem Bild ja nicht sehen kann). R.Hoyer
Singe, wem Gesang gegeben: Nicholas Brownlee ließ das Opernfoyer beben (was man auf dem Bild ja nicht sehen kann). R.Hoyer © Renate Hoyer

Podiumsdiskussion zur Zukunft der Städtischen Bühnen lässt manche Frage offen

Eigentlich war am Mittwochabend bei der Podiumsdiskussion über die „Zukunft der Städtischen Bühnen“ alles bereits gesagt, bevor es losging. Und auch gesungen: Kelsey Lauritano (Mezzosopran) und Nicholas Brownlee (Bassbariton) beantworteten schon zu Veranstaltungsbeginn die alte Fitzcarraldo-Frage, ob eine Oper Geld und Mühe wert sei, eindeutig mit Ja. Und Opernintendant Bernd Loebe musste die Frage, ob die Frankfurter Oper eine neue Heimstatt brauche, gar nicht beantworten. Die Luft im Opern-Foyer hatte am frühen Abend Temperaturen erreicht, für die man sich auch auf dem grünen Hügel nicht schämen müsste. Und im Orchestergraben, versicherte Loebe, ginge es noch höllischer her. Gut gesprochen, Loebe! Gut gebrüllt, Hitze!

Nun war auch nicht unbedingt zu erwarten, dass die Podiumsdiskussion bahnbrechende neue Erkenntnisse bringen würde. Kulturdezernentin Ina Hartwig erinnerte daran, dass die Mühlen der Politik langsam mahlten, aber immerhin ja auch schon etwas erreicht worden sei. So stünde bereits fest, dass Oper und Schauspiel in der Innenstadt blieben. Nur wie und wo genau, ob getrennt oder zusammen, das sei noch in der Diskussion, und noch würden diverse Modelle geprüft. Nur so viel stehe schon mal fest: Beide Spielstätten sollten etwa durch Bibliotheken oder Cafés für alle zugängliche urbane Orte werden, die man nicht nur besucht, um Holländer fliegen zu hören.

Eben „nicht nur Spielstätten, sondern städtische Orte“, die zudem „24/7 benutzbar“ sein sollten, wie Nicolas Pomränke vom Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner präzisierte.

Andrea Jürges, stellvertretende Direktorin des Deutschen Architekturmuseums, hat neulich die Oper von Oslo besucht und ist immer noch begeistert. Dort dürfe man nicht nur auf dem Dach herumspazieren, man könne drinnen auch einen Kaffee trinken, müsse aber nicht, und dürfe kostenfrei die Toiletten aufsuchen, wenn man müsse.

Mathias Hölzinger, Leiter der Stabsstelle „Zukunft der Städtischen Bühnen“, argumentierte, dass Oper und Schauspiel auch „Standortvorteile für den Finanzplatz Frankfurt“ bedeuteten.

Angesichts dieser Gedankenspiele schien Intendant Loebe kurz die Angst zu packen, die Stätte seines segensreichen Wirkens könnte zu einer Art Kulturlaufhaus mit Eventcharakter umfunktioniert werden. Er erinnerte daran, dass dort auch Menschen arbeiteten und das unter derzeit katastrophalen Bedingungen. Von den Mitdiskutanten ging noch Torsten Becker, Vorsitzender des Frankfurter Städtebaubeirats, auf die Nöte der geschundenen Künstlerseelen, von denen etliche im Publikum saßen, ein: Er sei „entsetzt und erschüttert, was man den Künstlern hier zumutet“.

Ina Hartwig machte deutlich, dass Frankfurt nicht Oslo sei und die neuen Spielstätten optisch zum Charakter Frankfurts passen müssten. Da müsse man sich die Frage stellen: „Was ist das ganz Eigene an dem Ort, wo man bauen möchte?“ Und spätestens da spukte wohl durch so manchen Publikumskopf die grauenhafte Vorstellung eines Frankfurter Musentempels in Gestalt eines gigantischen Harzer Rollers mit einem unschönen Namen wie Handkäs-Arena mit Musik für den Finanzplatz Eschborn/Frankfurt.

Aber so schlimm muss es nicht kommen. Doch egal, was da letztlich komme, so Loebe, die Oper brauche schnell einen bespielbaren neuen Standort - und auf keinen Fall eine Interimslösung.

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