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Frankfurt: Öl fehlt in Supermärkten

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Öl und Weizenmehl sind das neue Toilettenpapier und werden gehamstert.
Öl und Weizenmehl sind das neue Toilettenpapier und werden gehamstert. © IMAGO/Geisser

Auch in Frankfurter Supermärkten gibt es Hamsterkäufe. Die Handelsverbände betonen, dass die Versorgung sichergestellt ist und Vorratskäufe in dieser Art nicht nötig seien.

Es wird wieder gehamstert. In Frankfurt, aber auch in anderen deutschen Städten fehlen Produkte in den Supermarktregalen. Sonnenblumenöl und Weizenmehl sind dabei besonders gefragt, da diese aus der Ukraine und Russland importiert werden. Die Ukraine sei laut Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland für 51 Prozent, Russland für 27 Prozent des weltweiten Exports von Sonnenblumenöl verantwortlich. Russland gilt zudem als größter Weizenexporteur der Welt. Zwischen dem 15. März und 30. Juni werde der Export eingestellt, sagte die russische Vizeregierungschefin Wiktorija Abramtschenko der Deutschen Presseagentur am Montag.

Zu Lieferengpässen sei es bereits vor Kriegsbeginn durch geringe Ernten und Corona-Einschränkungen gekommen, teilt Stefanie Sabet, die Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) mit. Der Krieg habe die Entwicklung nun noch zusätzlich verschärft. Sie betont jedoch, dass die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln gewährleistet sei.

„Die Verbraucher:innen sollten daher jetzt nicht aus Angst anfangen, Hamsterkäufe zu tätigen. Das erschwert nur den reibungslosen Ablauf der Lieferketten und kann obendrein zu vermeidbaren Lebensmittelabfällen führen.“

Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Hessen bestätigt, dass die Versorgung im Bundesland sichergestellt sei. „Auch wenn heute ein Produkt fehlt, wird es am nächsten Tag wieder da sein. Hamsterkäufe sind nicht notwendig.“ Es gebe keine generelle Knappheit von Öl, sondern lediglich Verteilungsprobleme, schildert er. „Wenn zum Beispiel die LKW-Fahrer aus der Ukraine nicht mehr arbeiten können, führt das natürlich zu Lücken und Lieferengpässen.“ Die Lebensmittelversorgung bleibe aber auch in Zukunft stabil. Rohde appelliert daher an die Menschen, sich solidarisch zu verhalten. „Einfach nur so viel einkaufen, wie man wirklich braucht.“

In der Praxis scheint das jedoch nicht gut zu funktionieren. Das Ölsortiment von Penny und Aldi auf der Mainzer Landstraße in Frankfurt ist leer. Nur zwei Gläser Kokosöl und eine Flasche Bertolli Olivenöl für 5,99 Euro stehen noch auf den Brettern. Beim Mehl sieht es ähnlich aus, einige Packungen Dinkelmehl sind noch zu ergattern, aber Weizenmehl gibt es nicht mehr. Die Discounter Aldi Süd und Penny haben deshalb seit dieser Woche Beschränkungen erlassen.

„Eine Flasche Öl pro Einkauf, das ist die neue Regel“, berichtet Waidullah Noor, Filialleiter bei Penny auf der Mainzer Straße. „Ungefähr eine Woche nach Kriegsbeginn hat es angefangen, dass die Leute mehr gekauft haben. Vor allem Mehl, Nudeln, aber eben auch Öl und Margarine.“ Eigentlich gäbe es genug Produkte in den Lagern, aber die Hamsterkäufe strapazierten die Kapazitäten, erklärt Noor. „Die Menschen sollen in normalen Mengen einkaufen, dann haben wir auch keine leeren Regale.“

Der stellvertretende Filialleiter von Aldi Süd beschreibt eine ähnliche Situation. „Wir bemerken die Hamsterkäufe auf jeden Fall, nur dass dieses Mal ist Öl das neue Toilettenpapier ist.“ Seit Beginn der Pandemie komme es immer wieder zu Lieferengpässen. „Es ist ein grundlegendes Problem. Momentan horten allerdings viele Kund:innen Lebensmittel oder spenden Produkte an Menschen in die Ukraine“, sagt der Aldi-Sprecher. Den Bedarf könne man aktuell nicht abdecken, weswegen die Beschränkungen wichtig seien. „Die Menschen sehen aber auch häufig nur die zwei leeren Stellen im Regal und ignorieren den restlichen gut gefüllten Markt.“

Die Supermarktketten Aldi Süd und Kaufland äußern sich weiterhin optimistisch, dass die grundlegende Versorgung sichergestellt sei. Lediglich bei einzelnen Produkten komme es zu Lieferschwierigkeiten. Das größte Problem seien tatsächlich nicht die Verzögerungen beim Öl oder Mehl, sondern die immensen Kostensteigerungen, unterstreicht Stefanie Sabet vom BVE. Diese werden vor allem die Menschen treffen, die bereits unter steigenden Energie- und Spritpreisen leiden und sich kein teures Leinöl als Alternative leisten können.

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