Ein Schild zeigt den Weg zur nächsten öffentlichen Toilette an.
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Es ist nicht immer leicht, in Frankfurt zur richtigen Zeit die passende Toilette zu finden.

Politik

Frankfurt: Neues Konzept für öffentliche Toiletten enttäuscht

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Das lang erwartete Toilettenkonzept von Baudezernent Jan Schneider (CDU) fällt laut der Opposition im Frankfurter Römer dürftig aus. Konkrete Standorte für neue Toiletten im Stadtgebiet nennt er nicht.

  • In Frankfurt gibt es gerade ein mal 57 öffentliche Toiletten.
  • Baudezernent Jan Schneider (CDU) will künftig WCs neben Kiosken errichten.
  • Der SPD ist das neue Toilettenkonzept des Baudezernenten zu unkonkret.

Frankfurt - Das Problem ist buchstäblich ein drängendes: Die rasch wachsende Stadt Frankfurt verfügt über viel zu wenig öffentliche Toiletten. Gerade einmal 57 Anlagen sind es, eine für 13 000 Einwohner. Schon vor zweieinhalb Jahren bekam Baudezernent Jan Schneider (CDU) deshalb vom Stadtparlament den Auftrag, Abhilfe zu schaffen: Ein neues städtisches Toilettenkonzept sollte her.

Jetzt hat der CDU-Politiker nach diversen Verschiebungen endlich erste Ergebnisse intern im Römer präsentiert. Und die Enttäuschung ist groß. „Aus Sicht der SPD ist das überhaupt kein Konzept, Schneider sagt überhaupt nicht, was er machen will“, klagt der Vorsitzende des Römer-Planungs- und Bauausschusses, der Sozialdemokrat Holger Tschierschke.

Bauderzenent Schneider: Standardisierte Toilettenmodule neben Frankfurter Wasserhäuschen

Naturgemäß sieht Schneider das ganz anders. Sein Sprecher Günter Murr verweist auf die großen Anstrengungen des städtischen Amts für Bauen und Immobilien (ABI) seit Frühjahr 2018. In einer eigenen Umfrage habe das ABI ermittelt, wie viele Toiletten in öffentlicher und halböffentlicher Trägerschaft es im Stadtgebiet gebe. Dazu wurden neben der Stadt auch öffentliche Gesellschaften wie die Deutsche Bahn AG, aber auch Behörden, Museen und Kaufhäuser einbezogen. Insgesamt habe man auf diese Weise 480 Toiletten in Frankfurt ermittelt.

Parallel sammelte das ABI Vorschläge von Bürgern und Ortsbeiräten für Toilettenstandorte. Insgesamt 232 seien eingegangen, 84 habe das Amt näher untersucht, 23 seien „potenziell geeignet“. Doch was schlägt der Baudezernent nun selbst vor? Eine Idee Schneiders ist es, künftig WCs neben Kiosken aufzubauen, die auf städtischen Pachtflächen stehen. Auf diese Weise könne das Problem der sozialen Kontrolle gelöst werden, sagt Sprecher Murr. Öffentliche Toiletten würden ja oft Opfer von Vandalismus, ständig zerstörten Unbekannte mutwillig die Anlagen. Wenn aber ein Wasserhäuschenpächter ein Auge auf die Anlage habe, könne dieses Problem gelöst werden. Schneider will mit „standardisierten Modulen“ arbeiten, eines koste zwischen 30 000 und 40 000 Euro.

Der Liegenschaftsdezernent denkt aber tatsächlich auch daran, durch entsprechende Verträge die Toiletten von Behörden und städtischen Ämtern, aber auch von privater Gastronomie für die Allgemeinheit zu öffnen. Darüber hinaus werde der Stadtrat den Bau neuer Toilettenanlagen im Stadtgebiet vorschlagen, so sein Sprecher. „Wir werden dafür Vorschläge machen, das Konzept befindet sich noch in der Endabstimmung“, verspricht Murr.

Lage bei Toiletten in Frankfurt keineswegs so dramatisch, sagt die CDU

Im Übrigen sei die Lage in Frankfurt keineswegs so dramatisch: Die Landeshauptstadt Wiesbaden verfüge beispielsweise lediglich über eine WC-Anlage pro 29 000 Einwohner.

Aus der Sicht der SPD sind die bisher präsentierten Ideen Schneiders dürftig. „Nach so langer Vorarbeit hatten wir uns ganz andere Ergebnisse erhofft, wir hatten erwartet, dass der Dezernent 30 bis 40 neue Standorte für öffentliche Toiletten vorstellt“, erklärt SPD-Politiker Tschierschke. Er hält es außerdem für undenkbar, WCs von städtischen Ämtern oder anderen Behörden für die Allgemeinheit zu öffnen: „Die Mitarbeiter dort werden sich bedanken!“

Denkmalschutz verhindert öffentliche Toilette vor dem Frankfurter Dom

Die Sozialdemokraten sähen durchaus das Problem, dass das Geld für große Investitionen in das öffentliche Toilettensystem gerade in Zeiten der Corona-Pandemie knapp bemessen sei. „Wir würden aber Ausgaben mittragen, wenn das Konzept des Dezernenten etwas konkreter wäre.“ Für kritisch hält die SPD nach wie vor die Lage in der neuen Altstadt. Dort gibt es nur ein Dixi-Klo für alle Besucher. Die Aufstellung einer größeren Anlage war am Widerstand der städtischen Denkmalschützer gescheitert, die den Blick auf den Dom nicht verschandelt haben wollten. „Es gibt nach wie vor keine Verständigung mit dem Denkmalamt“, bedauert Murr, tröstet aber mit dem Hinweis: „Die Toilette am Paulsplatz liegt nur in geringer Entfernung.“

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