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Frankfurt, Oberrad: Stelldichein der Majestäten

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Von: Sabine Schramek

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Die neue Oberräder Apfelweinprinzessin Sarah I. zusammen mit der Oberräder Apfelweinkönigin Maren I. Sven-Sebastian Sajak
Die neue Oberräder Apfelweinprinzessin Sarah I. zusammen mit der Oberräder Apfelweinkönigin Maren I. Sven-Sebastian Sajak © Sven-Sebastian Sajak

Oberrad Apfelweinkönig Michael Koch und Oberräder Weinprinzessin Sarah I. gekürt

Victor Kouprianoff (83) fachsimpelt gern auf Französisch über Apfelwein und steht bereits zum 14. Mal hinter den langen Tischen, auf denen Bembel stehen, die mit Nummern versehen sind. Kouprianoff stammt aus Brüssel, lebt aber schon seit über 60 Jahren im Gärtnerdorf. „Anfangs habe ich Zucker reingemacht“, erzählt er lachend. Längst ist Apfelwein auch sein Nationalgetränk, „pur und ohne Zucker“. Beim Apfelweinfestival hat er schon mitgemacht, als es von Manfred Wiegand ins Leben gerufen wurde. Nach und nach übernahmen der Männerchor und der Ski-Club.

Michael Koch alias „Euro“ vom Ski-Club Oberrad testet sich durch die 15 Stöffche, nickt, verzieht das Gesicht, schnuppert und hält das Gerippte gegen das Licht. Er glaubt, seinen Äppler herausgeschmeckt zu haben. „Ich habe einige Favoriten“, sagt er und zählt fünf Nummern auf. Welcher sein Tropfen ist, weiß er nicht genau. Ich habe drei Vermutungen“, sagt er.

Auf Karten teilen mehr als 300 Gäste 15 Mal ihre Eindrücke mit, diskutieren, schmecken, schmatzen und überlegen. Bei der Nummer eins sind sich alle einig. „Der ist nichts. Ganz schlecht. Essig“ ist zu hören. Nur wenige Metallscheibchen werden in die Dose vor der Nummer eins geworfen. An den anderen klirrt und scheppert es, alle sind gespannt, wer das Rennen machen wird. Der 1. Vorsitzende vom Ski-Club Oberrad, Roland Hanselmann sitzt am Eingang, verteilt Gerippte und Karten zum Ausfüllen, bis erst die Vorlegescheiben und dann die Gerippten aus sind. „Dass so viele Leute kommen, ist der Hammer“, sagt er und lässt weitere Gerippte und Vorlegescheiben kommen. Die neue alte Oberräder Apfelweinkönigin Maren I. probiert nicht mit, da sie die Ehre hatte, die Nummern für die 15 gekelterten Äppler auszuwählen und daher Herrschaftswissen hat. Die während des Apfelweinfestes frisch gekürte Oberräder Apfelweinprinzessin Sarah I. (21) nippt und testet mit. Die Studentin für Gymnasiallehramt in Mathe und Sport ist im sechsten Semester, „mein ganzes Leben lang beim Ski-Club Oberrad“ und Apfelwein-Liebhaberin. Sie hat gleich vier Favoriten und entscheidet sich spät, welcher Nummer sie am meisten Metallscheibchen zukommen lässt. Die Hoheiten freuen sich, dass 14 Apfelweine „direkt aus Oberrad kommen“. Ein Gastkelterer kommt aus Seckbach. „Da habe ich letzte Woche alles andere als gut abgeschnitten. Ich bin letzter geworden“, gesteht „Euro“.

Wer nicht probiert, stärkt sich mit frisch gebackenem Kuchen oder am Food Truck. Die Leute stehen Schlange und babbeln entspannt zwischen Palmen, Weinstöcken und Olivenbäumen auf dem Hof der Gärtnerei „Hier ist es eine viel schönere Atmosphäre als im Depot“, sind sie sich einig, die an Biertischen sitzen und es sich gut gehen

Kinder toben über den Rasen, Erwachsene rätseln, wer der neue Apfelweinkönig wird. Um 17 Uhr ist es soweit. Die Vorlegescheiben werden gewogen. Am wenigsten Fans hat die Nummer Eins mit 360 Gramm. Die Nummer Zehn bringt ganze 2918 Gramm auf die Waage. Die Spannung steigt, das Gejohle ist laut. Michael Koch, der von allen „Euro“ genannt wird, ist mit mehr als 700 Gramm Vorsprung Sieger. Er ist gerührt, will keine Rede halten. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich habe noch so viel Arbeit. Aber ich bin glücklich. Vielleicht wird Fleiß ja doch belohnt.“ Euro verdrückt ein paar Tränen und schluckt, als ihm die Hoheiten um den Hals fallen. Kouprianoff klopft ihm auf die Schulter. „Du hast es verdient, zum zweiten Mal Apfelweinkönig vom Oberrad zu sein.“

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