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Die Offenbacher Landstraße ist nun seit fast einem Jahr keine Baustelle mehr.

Oberrad

Die Flaute hält an

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Die Geschäftsleute an der Offenbacher Landstraße hoffen weiter auf mehr Kundschaft - oder geben auf.

„Alles muss raus“ steht an den Schaufenstern von Schuh-Mayer an der Offenbacher Landstraße. Nach 60 Jahre schließt der Familienbetrieb. „Es rentiert sich nicht mehr“, sagt Geschäftsführerin Gabriele Mayer. Seitdem die Bauarbeiten vorbei sind, laufe das Geschäft noch schlechter. Lange wurde die Hauptverkehrsader, die den Stadtteil durchquert, saniert, Tramgleise neu verlegt, die Haltestellen barrierefrei umgebaut, Parkplätze und Radwege neu geordnet. Ende Juni 2018 waren sie endlich beendet.

An vielen Ecken sieht die lange Straße dennoch nicht einladend aus. Heruntergekommene Fassaden, leere Räume hinter Glasscheiben, austauschbare Imbisse und Läden. Aber es gibt auch kleine, feine Geschäfte und Oberräder, die ihre Gewerbetreibenden unterstützen.

Schuh-Mayer hat das nicht geholfen. Durch die Verlegung der Straßenbahn-Haltestellen liefen weniger Kunden am Laden vorbei, sagt Mayer. Sie habe versucht ihre Räume an einen Metzger zu vermieten, der fehle in Oberrad. Doch keiner der Betriebe will im Stadtteil eröffnen. Dabei sei die Miete vergleichsweise günstig. Und ein Mittagstisch würde sicher gut besucht werden. Viele unseriöse Betreiber hätten sich gemeldet, nun wird eine Immobilienfirma ihr Büro dort einrichten. 

Mit den kleinen Geschäften die verschwinden, sterbe auch der Stadtteil, sagt Mayer. Ein Schlüsseldienst und ein Lebensmittelladen hatten sich ebenfalls nicht über die Baustellenzeit retten können. Die Stadt und die Wirtschaftsförderung seien keine Hilfe, ihnen sei egal, wenn Oberrad den Bach runtergehe, ärgert sich Mayer. So gehe auch die soziale und kommunikative Struktur eines einst dörflichen Viertels kaputt, sagt eine Kundin beim Schuhe anprobieren.

Früher hat es zwei Schlecker-Märkte gegeben. Eine Drogerie fehlt vielen im Stadtteil. In den ehemaligen Schlecker-Räumen hat vergangene Woche der Textildiscounter NKD eröffnet. Direkt neben der Bäckerei Eifler, die neue Pächter hat, werden nun günstige Klamotten, Deko-Artikel und Haushaltswaren verkauft.

Gabriele Mayer gibt auf, sie schließt ihr Geschäft.

Manch einer findet, Oberrad brauche solch einen Ramschladen nicht, andere sind froh, dass kein weiteres Wettbüro aufmacht. Und viel besser als Leerstand, sagt ein Anwohner. Martina Heß freut sich über die Neueröffnung. Sie arbeitet in Tommis Laden, der neben Schreibwaren, auch über eine Postannahmestelle verfügt. Die Zeit der Bauarbeiten sei hart und laut gewesen, das habe sich beim Geschäft sehr bemerkbar gemacht. Was sie nun stört, sind die weggefallenen Parkplätze.

„Die Kunden und Paketfahrer haben keine Möglichkeiten mehr zu halten.“ Nicht mal zum Ausladen. Beschwerden bei der Stadt hätten immerhin schon Wirkung gezeigt. Gegenüber wurden zwei Parkplätze zur Haltezone erklärt. Doch das Schild beachte leider kaum jemand.

Kurzzeitparkplätze für Einkäufer fehlen noch, sagt Bernd Neumann vom Gewerbeverein, sonst sei er zufrieden mit der Umgestaltung der Straße. „Langsam wird es wieder belebter.“ Die Meinungen über die neuen Radwege gingen auseinander, einige freuten sich darüber, andere vermissten die Parkplätze. Um eine Drogerie habe sich schon der ehemalige Vorsitzende bemüht, doch Unternehmen wie Rossmann und DM waren die angebotenen Räume wohl zu klein. Als Werbung für den Stadtteil hat der Gewerbeverein vergangenes Jahr eine große Schau veranstaltet. Die soll im September wiederholt werden.

Der Ortsbeirat will Gewerbeverein und Schau weiter unterstützen. „Es gibt noch Handlungsbedarf“, sagt Vorsteher Christian Becker (CDU). Zudem gebe es weiter das Bestreben an der Kreuzung zur Wehrstraße einen großen Einkaufsmarkt zu ermöglichen. Die monatlichen Veranstaltungen während des Wochenmarkts auf dem Buchrainplatz sollen auch mehr Kunden an die Offenbacher Landstraße bringen, sagt Susanne Reichert von der Initiative Oberräder Wochenmarkt.

Karin Stübner ist zufrieden.

Zwei Getränkehandel brauche man jedenfalls nicht, sagt Anwohnerin Margot Springer. Stattdessen wünscht sie sich einen Discounter. Inzwischen sehe die Straße aus wie ein Industriegebiet, beschwert sich die 92-Jährige. Auch der viele Dreck auf dem Boden störe sie.

Seit Abschluss der Bauarbeiten fehle die Laufkundschaft, findet Oliver Münning. „Die Menschen haben sich neue Wege gesucht.“ Der Inhaber des gleichnamigen Optikergeschäfts will aber nicht klagen. Das Schöne sei, dass er Zeit habe seine Kunden gut zu beraten - und für Gespräche.

Immerhin seien einige Bäume gepflanzt worden, sagt Karin Stübner, in ihrem Laden verkauft sie Saris, Schmuck und Damenmode. Sie wünscht sich mehr Grün. Und einen Zuschuss für Vermieter, damit sie ihre Häuser renovieren, sagt sie und zeigt auf eine marode Fassade gegenüber ihres Ladens. Sie habe durch die Baustelle keine großen Einbußen gehabt, ihre Miete sei aber sehr günstig. Mehr unterschiedliche Läden fände sie auch gut, „Konkurrenz belebt das Geschäft.“

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