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Frankfurt: Obdachlosenessen der Reisig-Stiftung

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Von: Stefan Behr

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Wer braucht schon einen Oberbürgemeister, wenn es auch so etwas umsonst gibt?
Wer braucht schon einen Oberbürgemeister, wenn es auch so etwas umsonst gibt? © Monika Müller

Grüne Soße und Geschenke gibt es zeitgleich in fünf hessischen Städten. Die Stadtoberhäupter packen mit an, nur Frankfurts OB Peter Feldmann ist nicht zu sehen.

Woanders ist mehr Prominenz beim Oster-Essen für Obdachlose der Bernd-Reisig-Stiftung. Das nämlich findet zeitgleich in fünf hessischen Städten statt, und fast überall lassen sich auch die Bürger- beziehungsweise Oberbürgermeister:innen blicken: In Kassel Christian Geselle und Ilona Friedrich, in Wiesbaden Gert-Uwe Mende, in Darmstadt Jochen Partsch und in Offenbach Felix Schwenke. Nur Oberbürgermeister Peter Feldmann schwänzt die Veranstaltung, obwohl die im Innenhof seines Rathauses stattfindet. Aber vielleicht ist der OB ja auch satt oder hat andere Sorgen, außerdem ist Karfreitag, und die meisten Obdachlosen scheinen zudem der Ansicht zu sein, wenn Feldmann nicht anwesend ist, dann werde ihnen auch keiner etwas wegfuttern.

Dem Feiertage angemessen wird Grüne Soße mit Kartoffeln und Eiern gereicht, wie immer gibt es auch eine Tüte mit Geschenken zum Mitnehmen, diesmal unter anderem Kartoffelchips und Schutzmasken. Die Resonanz der Beschenkten lässt vermuten, dass die Zeit der Schutzmaske sich ihrem Ende neigt, die der Kartoffelchips aber nicht. Da der Verzehr im Römerhof eigentlich verboten ist und ein beachtlich großer Teil der Klientel sich sogar daran hält, haben sich die meisten das Nationaldenkmal auf dem Paulsplatz oder schattige Nischen der Paulskirche als Vesperplatz auserkoren. „Der erste sozialdemokratische Kaiser Deutschlands hat mir einen Platz freigehalten“, freut sich ein Beschenkter lautstark. Er meint aber gar nicht Gerhard Schröder, sondern Friedrich Ebert.

Auch Bernd Reisig sucht man am Freitagmittag in Frankfurt vergebens, der treibt sich lieber in Wiesbaden herum und wird, wenn überhaupt, erst für den späten Nachmittag am Römer erwartet. Julian Lehmann von der Reisig-Stiftung gibt zwar zu, alleine schon von der Statur kein vollwertiger Ersatz für den Chef zu sein, aber immerhin kann er Tröstliches berichten. Nämlich, dass die Stiftung nach wie vor willens und in der Lage sei, den Obdachlosen nicht nur die obligatorische Weihnachtsgans zu kredenzen. Auch wenn das Spendenaufkommen in jüngster Zeit stark abgenommen habe, weil die Spender:innen sich derzeit vor allem auf die Ukraine-Hilfe konzentrierten.

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