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Geheime Obdachlosen-Studie soll doch erscheinen

Obdachlosigkeit

Frankfurt: Obdachlosen-Studie soll doch erscheinen

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Das Frankfurter Integrationsdezernat will eine Forschungsarbeit über obdachlose EU-Bürger doch veröffentlichen. Ein Grund dafür ist offenbar die Berichterstattung der FR.

Der Frankfurter Magistrat vollzieht eine überraschende Kehrtwende: Die Studie über obdachlose EU-Bürger, die von der Stadtregierung bereits seit Sommer 2018 zurückgehalten wird, soll nun doch veröffentlicht werden. Er gehe davon aus, „dass einer zeitnahen Veröffentlichung im Grunde nicht mehr viel entgegensteht“, sagte Jan Pasternack, Sprecher von Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD), der Frankfurter Rundschau. Einen konkreten Zeitpunkt wollte Pasternack zunächst nicht nennen.

Als Grund für den plötzlichen Sinneswandel in der Stadtregierung gab Pasternack an, dass die Studie, über die die FR das erste Mal Anfang der vergangenen Woche berichtet hatte, in Absprache mit den beiden Autorinnen in letzter Zeit noch einmal überarbeitet und aktualisiert worden sei. Der „Runde Tisch Osteuropäer“, eine im Ordnungsdezernat angesiedelte Arbeitsgruppe mehrerer Dezernate, habe dazu unterschiedliche Vorschläge gemacht. Diese seien in der Folge umgesetzt worden, allerdings ohne dass dabei in die Ergebnisse der Studie eingegriffen worden sei.

Durch die Überarbeitung bestünden aus seiner Sicht keine Hindernisse für eine Veröffentlichung mehr, sagt Pasternack. Er gehe davon aus, dass die Stadt die Forschungsarbeit demnächst sowohl in gebundener Form als auch zum Download im Internet vorlegen werde.

Kritik an Behörden

Hinter vorgehaltener Hand ist aus der Stadtverwaltung derweil zu hören, dass auch die Berichterstattung der Frankfurter Rundschau ein Grund für das Umdenken im Magistrat war. Nach FR-Informationen gab es vor allem Vorbehalte gegen die Veröffentlichung der Studie, weil Teile der Stadtverwaltung ihre Arbeit in dem Papier zu negativ dargestellt sahen. Da die FR, der die Studie vorliegt, die wesentlichen Inhalte mittlerweile öffentlich gemacht hat, wird es zum Teil offenbar einfach nicht mehr für sinnvoll gehalten, das Papier zurückzuhalten.

Für die vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten (Amka) in Auftrag gegebene, nicht repräsentative Studie hatten zwei Sozialwissenschaftlerinnen im Frühjahr 2018 insgesamt 30 in Frankfurt auf der Straße lebende EU-Bürger und zehn Mitarbeiter der Stadt sowie unabhängige Experten interviewt. Ihr Ziel war es, mehr über die Lebenssituation der Menschen in Erfahrung zu bringen und ihren Stimmen und Bedürfnissen mehr Gehör zu verschaffen.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Gruppe der obdachlosen EU-Bürger heterogen ist, sie aber meist zur Arbeitssuche nach Frankfurt kommen und durch Jobverlust oder Krankheit unfreiwillig auf der Straße landen. Trotz prekärer Lage denken die Menschen demnach kaum daran, Frankfurt wieder zu verlassen. Sie selbst wünschen sich vor allem ein Dach über dem Kopf, um Job- und Wohnungssuche organisieren zu können.

Die Arbeit der Frankfurter Behörden kommt in der Studie nicht allzu gut weg. Diese gingen eher restriktiv mit den Betroffenen um und setzten darauf, dass sie die Stadt wieder verließen. Die Autorinnen der Studie geben der Stadt auch Handlungsempfehlungen. Vor allem raten sie dazu, EU-Bürger nicht mehr aus den städtischen Notunterkünften auszuschließen, obwohl sie in der Regel keine Ansprüche auf Sozialleistungen haben.

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