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SPD-Kandidat Josef zur OB-Wahl in Frankfurt: „Ich kann es und ich will es“

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Von: Christoph Manus

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Mike Josef will Frankfurter Oberbürgermeister werden. Noch muss ihn ein Parteitag nominieren. Doch das gilt als Formsache.
Mike Josef will 2023 Frankfurter Oberbürgermeister werden. Noch muss ihn ein Parteitag nominieren. Doch das gilt als Formsache. © Renate Hoyer

Mike Josef will Frankfurter Oberbürgermeister werden. Seine Kandidatur begründet der Sozialdemokrat, bisher Dezernent für Planen, Wohnen und Sport, sehr persönlich.

Frankfurt - Mike Josef ist nicht als jemand bekannt, der seine Biografie, die eine fast beispiellose Aufstiegsgeschichte ist, vor sich herträgt. Doch als der Sozialdemokrat am Freitagmittag im Gallus-Theater vor die Presse geht, um zu begründen, wieso er Frankfurter Oberbürgermeister werden will, wird der 39-Jährige sehr persönlich und etwas pathetisch. „Ich habe mich entschieden anzutreten, weil ich hier in Frankfurt mein Glück gefunden habe und etwas von diesem Glück zurückgeben möchte“, sagt er etwa.

Dass Mike Josef am 5. März für die SPD ins Rennen um die Nachfolge des am Sonntag abgewählten Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) gehen wird, war alles andere als überraschend. Josef relativiert das, indem er zurückblendet auf seine Zeit in Ulm, wo er, nachdem er mit seinen Eltern aus Syrien floh, seine Kindheit und Jugend verbrachte und zunächst die Hauptschule besuchte. Damals hätte er vieles erwartet oder gedacht – aber nie, „dass ich einmal vor der Frage stehen werde, ob ich Oberbürgermeister der fünftgrößten Stadt Deutschlands werden will“, sagt er.

Frankfurter OB-Kandidat Mike Josef betont, dass er seine Herkunft nicht vergessen habe

Immer wieder macht Josef klar, dass er auch als Dezernent für Planen, Wohnen und Sport nicht vergessen habe, wo er herkommt. Dass er etwa noch genau wisse, wie es ist, wenn eine Familie nicht weiß, wie sie den Mitgliedsbeitrag für den Sportverein ihrer Kinder zahlen soll. Genau das lobt auch der als „Überraschungsgast“ präsentierte Dejvid Ristovski an Josef. Die beiden haben sich in der 5. Klasse kennengelernt, zusammen Fußball gespielt, eine Mannschaft trainiert – und auch Kontakt gehalten, als Josef in Frankfurt zu studieren begann, Diplom-Politologe wurde, im Asta der Goethe-Uni gegen Studiengebühren kämpfte, SPD-Parteichef, später auch Fraktionschef und dann Stadtrat wurde. „Er kann mit allen sozialen Schichten, er kann mit allen auf Augenhöhe reden“, sagt der Industriemechaniker, der noch im Raum Ulm lebt.

Josef formuliert den Anspruch, „konkrete Politik für die Menschen“ zu machen, also etwa für bezahlbaren Wohnraum und soziale Teilhabe für alle zu kämpfen. Ausdrücklich nennt er aber auch Sauberkeit und Sicherheit als Themen. „Es darf in einer Stadt wie Frankfurt keine No-Go-Areas geben“, sagt er etwa. Er präsentiert sich als „Teamplayer“ und zeigt sich sehr selbstbewusst. „Ich kann es und ich will es“, sagt er gleich zweimal. Offiziell nominiert wird Josef erst bei einem Parteitag am 3. Dezember im Zoo-Gesellschaftshaus. Nachdem der Parteibeirat diesen am Donnerstag einstimmig vorgeschlagen hat, ist dies aber letztlich reine Formsache.

Kommentar: „Mike Josef ist die logische Wahl“

Mike Josef gibt mit sofortiger Wirkung den Vorsitz der Frankfurter SPD ab

Fast zehn Jahre lang ist Josef Frankfurter SPD-Chef gewesen. Schon am Donnerstagabend hat er dem Parteibeirat, der ihn einstimmig als Kandidaten nominierte, nun seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Das solle zeigen: „Ich bin für alle da“, sagte Josef am Freitag. Der Frankfurter Unterbezirk wird nun bis zu einem Parteitag im Frühjahr kommendes Jahres von den stellvertretenden Vorsitzenden Ina Hartwig und Kolja Müller geführt.

Die Frankfurter Kulturdezernentin lobte Josef am Mittag als „fantastischen Kandidaten“. Der sei nicht nur ein „stabiler kraftvoller Politiker“, „konzentriert und sachkundig“, sondern könne mit seinem Alter, dem sympathischen Auftreten und seiner Geschichte das Frankfurt von heute repräsentieren. Die SPD schlage nach der von ihr mitbetriebenen Abwahl Feldmanns ein neues Kapitel auf und gehe selbstbewusst in den Wahlkampf, sagte Müller. Es gelte nun, nicht zuletzt für Rahmenbedingungen zu kämpfen, die „ein gutes Leben von Zeilsheim bis nach Fechenheim“ ermöglichten. Müller und Hartwig betonten die große Geschlossenheit der Partei.

Feldmann ist am Freitag kein großes Thema. Auf Fragen, ob der abgewählte Oberbürgermeister Josef und der SPD, der er zumindest noch angehört, nicht schaden könnte, geht Josef nur knapp ein. Die Situation sei nicht einfach, sagt er. Die SPD habe im Umgang mit Feldmann aber den richtigen Weg gewählt. Das habe nicht zuletzt das klare Votum am Sonntag gezeigt. Nun gelte es aber, nach vorne zu schauen. (Christoph Manus)

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