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Das Oberforsthaus verfällt zunehmend.

Stadtentwicklung

Frankfurt: Notdach für das Oberforsthaus

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Die Stadt Frankfurt will ein 290 Jahre altes Kulturdenkmal vor dem Einsturz retten und sucht einen Investor.

Es ist eines der bekanntesten Frankfurter Kulturdenkmale. 290 Jahre haben die Reste schon überdauert. Doch jetzt sind die Gemäuer des Oberforsthauses am Rande des Stadtwalds akut gefährdet. „Wenn nichts geschieht, stürzen die Mauern ein.“ So fasst Planungsdezernent Mike Josef (SPD) gegenüber der FR die Situation zusammen. Die Fachleute des städtischen Denkmalamts hatten nach einem Ortstermin bei ihm Alarm geschlagen.

Die Stadt greift deshalb zum letzten Mittel. Sie will über den Relikten ein „Notdach“ zum Schutz errichten lassen, wie Baudezernent Jan Schneider (CDU) im Gespräch mit der FR ankündigt. Es ist der letzte Versuch, noch etwas von der denkmalgeschützten Substanz zu retten. Konkret geht es um das ehemalige Stallungsgebäude aus dem Jahr 1729. Bis auf diesen großen Reitstall waren die baulichen Überreste des Oberforsthauses bereits Anfang der 60er Jahre beseitigt worden.

Mitten in einem Landschaftsschutzgebiet ist, was noch steht, von Bäumen und Buschwerk überwachsen. Ein halb umgefallener Bauzaun hindert niemanden mehr am Betreten des Grundstücks.

Der Reitende Oberförster Heinrich Carl Baur von Eysseneck war 1729 der erste Hausherr des Oberforsthauses.

Er erhielt die „städtische Schankgerechtigkeit“, um Ausflüglern in den Stadtwald Speis und Trank anzubieten.

1814 stattete Johann Wolfgang von Goethe dem Oberforsthaus seinen ersten Besuch ab. 1829 feierte der Dichterfürst dort seinen 80. Geburtstag.

1944 wurden die Gebäude bei Bombenangriffen beschädigt. jg

Hier wurde Frankfurter Stadtgeschichte geschrieben. Tatsächlich dienten die im Jahre 1729 errichteten Gebäude zunächst als Wohnort für einen Oberförster, dem jedoch ausdrücklich erlaubt war, auch Gäste zu bewirten. So entstand schon im 18. Jahrhundert ein beliebter Gasthof, ein Ausflugsziel insbesondere am Wochenende. Der Zuspruch steigerte sich noch, als 1865 die Galopprennbahn im nahen Niederrad eröffnet worden war. Sie ist kürzlich zugunsten einer Deutschen Fußball-Akademie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) komplett abgebrochen worden.

Auch Frankfurts Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe pflegte im Oberforsthaus einzukehren. Im „Faust“, erster Teil, hat Goethe den Anziehungspunkt verewigt. Die Handwerksburschen rufen da zum Osterspaziergang: „Wir gehen hinaus aufs Jägerhaus.“

Im Gespräch mit der FR erinnert Baudezernent Schneider daran, „dass schon seit Jahrzehnten versucht wird, eine Lösung für das Grundstück zu finden“. Als sich 1963 die letzte Gastronomenfamilie zurückgezogen und den Betrieb aufgegeben hatte, war das Haupthaus abgebrochen worden. Das Gelände unter der Adresse Mörfelder Landstraße 331 lag brach.

1988 hatte der renommierte Frankfurter Architekt Helmut Joos das Grundstück von der Kommune erworben und ein Konzept für ein Viersternehotel und einen Gasthof vorgelegt, der selbstverständlich „Goethe-Stuben“ heißen sollte. Jahrzehntelang versuchte Joos vergeblich, einen Investor zu finden.

2012 kaufte die Stadt das Areal im Rahmen einer Zwangsversteigerung für 700 000 Euro zurück. Zuletzt hatte sich der Projektentwickler OFB an dem Gelände versucht. Auch er wollte ein Viersternehotel errichten und die denkmalgeschützte Bausubstanz sanieren und integrieren. 2017 gab die OFB das Projekt an die Stadt zurück und teilte offiziell mit, die Sache rechne sich nicht.

Bau- und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider zeigt im Gespräch mit der FR durchaus Verständnis für die Investoren. „Das Grundstück hat eine extrem schwierige Lage, es ist von Verkehr umtost.“ Dennoch werde die Stadt weiter versuchen, einen Investor zu finden, der das kulturelle Erbe rettet. „Wir geben nicht auf.“ Deshalb werde man jetzt die historischen Überreste durch eine Überdachung vor dem weiteren Verfall bewahren. Bevor diese Rettungsaktion abgeschlossen sei, werde es allerdings Sommer 2020 werden, sagt Schneider. Das könnte für das Oberforsthaus zu spät sein.

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