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Da die drei Häuser am Oeder Weg 74-78 nicht mehr sicher sind, stehen alle Wohnungen seit Mitte vergangenen Jahres leer. 

Nordend

Frankfurt Nordend: Stadt lehnt Pläne für Neubau ab

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Der Abriss des maroden Wohnblocks im Oeder Weg verschiebt sich. Gewerbetreibende befürchten Einbußen durch die Bauarbeiten.

Der Abriss des Wohnblocks am Oeder Weg 74-78 verzögert sich weiter. Die Stadt habe die Pläne für einen Neubau auf dem Areal zwischen Adlerflycht- und Hermannstraße vor kurzem abgelehnt, teilt der Eigentümer, die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL), in Karlsruhe mit. Seit Mitte vergangenen Jahres stehen alle 30 Wohnungen in den drei Häuser leer.

„Wir haben nun von der Bauaufsicht Frankfurt einen Ablehnungsbescheid unserer Bauvoranfrage erhalten“, sagt VBL-Sprecherin Tina Barth. Begründet habe die Stadt die Ablehnung damit, „dass das Bauvorhaben nicht mit den für das Gebiet geltenden Milieuschutz- und Erhaltungssatzungen sowie dem geltenden Bebauungsplan vereinbar wäre“.

VBL: Nordend-Ergebnis „sehr enttäuschend“

Für die VBL sei das Ergebnis „sehr enttäuschend“, sagt Barth. „Insbesondere deshalb, weil wir nach den Gesprächen und Kontakten mit der Bauaufsicht, die sich bereits über ein Jahr hinziehen, davon ausgegangen waren, dass das eingereichte Bauvorhaben im Ergebnis genehmigungsfähig sei.“ Die Versorgungsanstalt werde die Gründe, die zur Ablehnung geführt haben, „genau analysieren und die für uns in Betracht kommenden Optionen ableiten“.

Hinter den meisten Fenstern der drei Wohnhäuser am Oeder Weg 74-78 sind Hilfsstützen zu sehen. 

Das Unternehmen hatte geplant, am Oeder Weg 55 Wohnungen und 35 Tiefgaragenplätze zu errichten. Davon waren zehn Wohnungen als öffentlich geförderter Wohnraum vorgesehen. Die VBL hatte einen Mix aus vor allem kleineren Wohnungen geplant. Die Pläne sahen einen L-förmigen Baukörper mit fünf Geschossen entlang dem Oeder Weg, vier Geschossen entlang der Hermannstraße und sechs Geschossen im Eckbereich Oeder Weg/Hermannstraße vor.

Damit wäre das Neubauvorhaben – wie auch das vorhandene Gebäude – über die nach dem geltenden B-Plan zulässige Bebauung hinausgegangen. „Das erschien uns nach dem Ergebnis der Besprechungen mit der Bauaufsicht Frankfurt als genehmigungsfähig“, teilt die VBL mit, „nicht zuletzt auch deshalb, weil die vorhandene Bebauung in der Nachbarschaft teilweise höher ist als unser Bestandsgebäude.“

Nordend: Mieter mussten 2016 ausziehen

Da das Verfahren nicht öffentlich sei, wollte sich Mark Gellert vom Planungsdezernat nicht dazu äußern. Er bestätigte jedoch, dass für das Areal eine Satzung gelte, die „den Erhalt der städtebaulichen Eigenart“ zum Inhalt habe. Auch gebe es eine Milieuschutzsatzung, die „den Erhalt der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung“ regulieren soll. Der Bebauungsplan sehe dort eine allgemeines Wohngebiet mit einer Bebauung mit vier Vollgeschossen vor. Der Bestand sei bereits eine Etage höher. Denkbar sei deshalb eine Befreiung, dass der Neubau dieselbe Höhe erhält, so Gellert.

Nach Angaben der VBL kann der Wohnblock nicht erhalten werden. 2016 fand sie in den Häusern statische Mängel, die Mieter mussten ausziehen. Die Gebäude wurden mit Stahlstützen gesichert, die durch die Fenster in fast allen Stockwerken von der Straße aus zu sehen sind. Dadurch sei die Liegenschaft „nicht einsturzgefährdet“, sagt Barth.

Nordend: Einzelhändler fürchten Baustelle

Christoph Ursprung macht sich keine Gedanken, dass die VBL-Gebäude einstürzen könnten. Sein Geschäft Blumen-Ursprung liegt direkt auf der gegenüberliegenden Seite des Oeder Wegs. Er sorgt sich vielmehr, dass seine Kunden während der Bauzeit nicht mehr zu ihm finden könnten.„Unser Geschäft ist seit Ende der 30er Jahre hier, wir haben viele Stammkunden“, sagt Ursprung. Die Straße vor dem Laden dürfe nicht gesperrt werden, „sonst gibt das eine Katastrophe für die Einzelhändler hier“.

Wichtig sei zudem, dass die Parkplätze vor dem Schaufenster erhalten blieben und die Straße nicht „immer näher rückt“. Der Geschäftsmann regt an, den Baustellenverkehr über die Adlerflycht- und Hermannstraße zu leiten.

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