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Partys im Frankfurter Nordend: Keine Geduld mehr

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Von: Boris Schlepper, George Grodensky

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Stadt wie Anwohnerschaft machen sich vermehrt Gedanken, wie sie den nächtlichen Andrang auf Plätze im Nordend begrenzen können.

Frankfurt – Detlef Hentschel hat resigniert. Wenn er in naher Zukunft in den Ruhestand gehe, werde er wegziehen. Zehn Jahre lang habe er als Anwohner des Friedberger Platzes im Frankfurter Nordend jede pragmatische Lösung der Stadt mitgetragen. Doch gebracht habe es nie etwas, „man hat nur an den Symptomen herumgedoktert“, die wahren Ursachen seien nicht angegangen worden. „Es ist hoffnungslos.“ Das Nordend sei ein Wohnviertel und „nicht für solche Menschenmassen gemacht“.

Feiern auf Plätzen im Frankfurter Nordend: Anwohner:innen haben keine Geduld mehr

Gleich zwei Diskussionsforen in der Stadt widmen sich am Montag dem freitäglichen Partyphänomen. In einer Anhörung des Ortsbeirats 3 (Nordend) am Nachmittag machen viele Anwohnerinnen und Anwohner ihrem Ärger Luft. Sie haben kompetente Ansprechpartner. Die Mitglieder des Ortsbeirats versuchen seit Jahren schon, zwischen Party und Anwohnerschaft zu vermitteln.

Selbst wenn das Wetter durchwachsen ist, kommen unzählige Menschen freitags auf den Friedberger Platz.
Selbst wenn das Wetter durchwachsen ist, kommen unzählige Menschen freitags auf den Friedberger Platz. © ROLF OESER

Zudem sind Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP), die Stabsstelle Sauberes Frankfurt und die Polizei zu Gast. Abends diskutiert die Ordnungsdezernentin dann mit Silke Jungfleisch von der Bürgerinitiative Luisenplatz im Forum des Frankfurter Domkreises im Haus am Dom. Zusammen mit Partymacher Kenzo Römer und Platzbesucher Kay Urban sowie Moderator Florian Leclerc von der FR einigt sich das Podium darauf, dass die Party so nicht weitergehen kann.

Party im Nordend in Frankfurt: Anwohner:innen machen ihrem Ärger Luft

Aber was tun? Die Anwohnerinnen und Anwohner, die noch nicht resigniert haben, sind fast schon in Aufruhr. Viele haben wie Hentschel keine Geduld mehr, darauf zu warten, dass sich die Situation für sie bessert. Im Kern geht es um die Probleme Lärm, Müll, Wildpinkeln, Vandalismus und Sicherheit.

Kenzo Römer wirbt auf der Podiumsdiskussion im Haus am Dom fürs „verantwortungsbewusste Feiern“. Er veranstaltet selbst Partys. Und zwar durchaus unangemeldete Zusammenkünfte. Aber nicht in dicht bewohnten Quartieren, wie etwa dem Nordend. „Ich möchte die Anwohner nicht stören“, sagt er, und das kann im Wohngebiet schnell geschehen. „Wenn ich feiern gehe, will ich feiern.“ Also nicht mit Sperrstunde. Sondern lange laut sein, Musik hören, tanzen. Darum hat Römer die Pop-up-Party mittels Fahrradanhänger perfektioniert. Er trifft sich mit Freunden, radelt zu einem entlegenen Park oder ans Mainufer und lässt batteriebetrieben die Musik laufen. Wer zufällig dazustoße, sei eingeladen mitzufeiern. Nur mit Verantwortung eben. Der Ort des Geschehens soll hinterher sauberer aussehen als vorher. Zum Beispiel. Die Politik sei aber ebenso gefragt, Verantwortung zu übernehmen. Wer die ungezwungenen Zusammenkünfte auf öffentlichen Plätzen eindämmen möchte, sollte an anderer Stelle Angebot schaffen. Um die Kulturstätten der Stadt, besonders die niedrigpreisigen, ist es aber schlecht bestellt. Gentrifizierung und Preissteigerungen dünnen das Angebot mehr und mehr aus. (sky)
Kenzo Römer wirbt auf der Podiumsdiskussion im Haus am Dom fürs „verantwortungsbewusste Feiern“. Er veranstaltet selbst Partys. Und zwar durchaus unangemeldete Zusammenkünfte. Aber nicht in dicht bewohnten Quartieren, wie etwa dem Nordend. „Ich möchte die Anwohner nicht stören“, sagt er, und das kann im Wohngebiet schnell geschehen. „Wenn ich feiern gehe, will ich feiern.“ Also nicht mit Sperrstunde. Sondern lange laut sein, Musik hören, tanzen. Darum hat Römer die Pop-up-Party mittels Fahrradanhänger perfektioniert. Er trifft sich mit Freunden, radelt zu einem entlegenen Park oder ans Mainufer und lässt batteriebetrieben die Musik laufen. Wer zufällig dazustoße, sei eingeladen mitzufeiern. Nur mit Verantwortung eben. Der Ort des Geschehens soll hinterher sauberer aussehen als vorher. Zum Beispiel. Die Politik sei aber ebenso gefragt, Verantwortung zu übernehmen. Wer die ungezwungenen Zusammenkünfte auf öffentlichen Plätzen eindämmen möchte, sollte an anderer Stelle Angebot schaffen. Um die Kulturstätten der Stadt, besonders die niedrigpreisigen, ist es aber schlecht bestellt. Gentrifizierung und Preissteigerungen dünnen das Angebot mehr und mehr aus. sky © Renate Hoyer

In Spitzenzeiten kommen 4000 Menschen auf dem Friedberger Platz zusammen, 1200 auf dem Luisenplatz, sagt Silke Jungfleisch nüchtern. „Das ufert einfach aus.“ Niemand möchte die Plätze verwaist sehen. Es müsse auch nicht unbedingt um 22 Uhr Schluss sei. Aber einen Schluss müsse es schon geben, sei es um 23 oder 24 Uhr. „Es muss Regeln geben.“

Auf den Plätzen im Frankfurter Nordend geht es nach Ansicht von Marco Weller ruhiger zu als in den vergangenen Jahren. „Wir sind derzeit weit weg von der Situation 2020 und 2021“, als die Menschenansammlungen größer gewesen seien und teils durch die Vorschriften zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auch an der Grenze der Legalität. Daher habe es bisher auch keines Einsatzes der Landespolizei in der Art von 2020 und 2021 bedurft, sagte der Leiter des Abteilungsstabs Einsatz in der Anhörung des Ortsbeirats. Damals sei die Landespolizei zum Teil mit einer dreistelligen Zahl an Einsatzkräften vor Ort gewesen. Die Landespolizei habe sich jetzt „auch bewusst zurückgehalten, um dem von uns unterstützten Konzept der Stadt eine Chance auf Wirkung zu geben. Selbstverständlich beurteilen wir die Lage ständig und reagieren, wenn dies erforderlich würde, auch mit einem größeren Kräfteansatz“. Die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger, dass mehr Polizei eine Art Abschreckungseffekt habe und es dadurch gar nicht zu Massenansammlungen komme, sei hingegen ein Trugschluss, sagte Weller. „Das passiert schon deshalb nicht, weil eine rechtsstaatliche Polizei erst bei konkreten Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung eingreifen kann, dies den Anwohnerinnen und Anwohnern aber zu spät erscheint.“ Beschwerden, dass die Polizei, obwohl sie da war, nichts gemacht habe, seien die Folge. bos
Auf den Plätzen im Frankfurter Nordend geht es nach Ansicht von Marco Weller ruhiger zu als in den vergangenen Jahren. „Wir sind derzeit weit weg von der Situation 2020 und 2021“, als die Menschenansammlungen größer gewesen seien und teils durch die Vorschriften zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auch an der Grenze der Legalität. Daher habe es bisher auch keines Einsatzes der Landespolizei in der Art von 2020 und 2021 bedurft, sagte der Leiter des Abteilungsstabs Einsatz in der Anhörung des Ortsbeirats. Damals sei die Landespolizei zum Teil mit einer dreistelligen Zahl an Einsatzkräften vor Ort gewesen. Die Landespolizei habe sich jetzt „auch bewusst zurückgehalten, um dem von uns unterstützten Konzept der Stadt eine Chance auf Wirkung zu geben. Selbstverständlich beurteilen wir die Lage ständig und reagieren, wenn dies erforderlich würde, auch mit einem größeren Kräfteansatz“. Die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger, dass mehr Polizei eine Art Abschreckungseffekt habe und es dadurch gar nicht zu Massenansammlungen komme, sei hingegen ein Trugschluss, sagte Weller. „Das passiert schon deshalb nicht, weil eine rechtsstaatliche Polizei erst bei konkreten Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung eingreifen kann, dies den Anwohnerinnen und Anwohnern aber zu spät erscheint.“ Beschwerden, dass die Polizei, obwohl sie da war, nichts gemacht habe, seien die Folge. (bos) © Renate Hoyer

Plätze im Nordend: Vermittlung zwischen Anwohner:innen und Feiernden

Es solle auch keine Hundertschaft der Polizei die Plätze stürmen. Aber die Stadt müsse prüfen, was ordnungspolitisch gehe, fordert Jungfleisch. Der bestehende Katalog an Möglichkeiten sei ein Anfang, den es auszuweiten gelte. Auf alle Plätze des Nordends, nicht nur auf den Friedberger. Wichtig sei außerdem, die Kioske und Gastronomie in das Konzept einzubeziehen. Schließlich gebe es das Recht auf Nachtruhe, auf Sicherheit und auch eine städtische Grünflächensatzung.

Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP) will die Aktion „Ab in die Mitte“ fortsetzen und weiterentwickeln. Das Projekt sei „die beste Chance“, alternative Orte zum Feiern zu schaffen, um die Situation für die Menschen rund um die Plätze im Nordend zu verbessern. Es handele sich dabei aber keineswegs um ein fertiges Konzept. „Wir probieren Dinge aus.“ An der Hauptwache, überhaupt in der Innenstadt gebe es Optimierungsbedarf. Künftig solle es dort „deutlich attraktiver“ werden, etwa durch mehr Grün und Angebote „auch von anderen Dezernaten“ der Stadt.
Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP) will die Aktion „Ab in die Mitte“ fortsetzen und weiterentwickeln. Das Projekt sei „die beste Chance“, alternative Orte zum Feiern zu schaffen, um die Situation für die Menschen rund um die Plätze im Nordend zu verbessern. Es handele sich dabei aber keineswegs um ein fertiges Konzept. „Wir probieren Dinge aus.“ An der Hauptwache, überhaupt in der Innenstadt gebe es Optimierungsbedarf. Künftig solle es dort „deutlich attraktiver“ werden, etwa durch mehr Grün und Angebote „auch von anderen Dezernaten“ der Stadt. © Renate Hoyer

Frankfurter Nordend: Friedberger Platz, Luisenplatz und Merianplatz betroffen

Ordnungsdezernentin Rinn bittet um Geduld. Ein Phänomen, das 2011 oder sogar schon früher begonnen habe, lasse sich nicht in vier Wochen wieder eindämmen. Los ging das Problem am Friedberger Platz, wo sich freitags nach dem Wochenmarkt zunehmend mehr Menschen bis in die Nacht hinein trafen und feierten. Als die Belastung für die Nachbar:innen ausartete, sorgte die Stadt dafür, dass freitags öffentliche Toiletten auf dem Friedberger Platz aufgestellt werden und Stadtpolizisten die Feiernden gegen 22 Uhr auffordern, den Platz zu räumen. Zusätzlich reinigt die FES das Areal – auch um es ungemütlich zu machen.

Kay Urban wohnt seit acht Jahren in Frankfurt. Und fühlt sich wohl, gerade weil etwas los ist. „Ich komme vom Dorf. Da wird um acht der Bürgersteig hochgeklappt“, sagt er bei der Podiumsdiskussion im Haus am Römer. Dann lieber einfach mal auf den Plätzen im Nordend schauen, ob er wen trifft. Wobei er keineswegs sagen möchte, alles müsse bleiben wie es sei. Er zumindest bleibe abends nie bis tief in die Nacht auf einem der Plätze, sondern gehe zu „gesitteter Uhrzeit“ wieder nach Hause. Gleichwohl hält er die Bemühungen für „unrealistisch“, die Party aus dem Nordend zu verlagern. „Es wird schwer, das aufzulösen.“ Just dort, wo man am meisten Menschen störe, sind gleichzeitig die meisten, die sich treffen wollten. Also der Kiez, auf dem die Cliquen zusammenfinden. Denen gehe es nicht darum, zu tanzen oder laute Musik zu hören. „Man will Leute treffen, das hat was Soziales.“ Die Hauptwache biete weniger Flair und sei auch zu weit von besagtem Kiez entfernt. Schlussendlich gelte es auch, an die Menschen denken, die nicht so gut betucht seien. In seinen Studientagen habe er sich teure Bars und Clubs schlicht nicht leisten können. Sich draußen zu treffen und zu plaudern, mit den eigenen Getränken im Gepäck, das gibt das kleinste Budget her. „Solche Flächen muss es geben, das braucht eine sympathische, offene Stadt.“ (sky)
Kay Urban wohnt seit acht Jahren in Frankfurt. Und fühlt sich wohl, gerade weil etwas los ist. „Ich komme vom Dorf. Da wird um acht der Bürgersteig hochgeklappt“, sagt er bei der Podiumsdiskussion im Haus am Römer. Dann lieber einfach mal auf den Plätzen im Nordend schauen, ob er wen trifft. Wobei er keineswegs sagen möchte, alles müsse bleiben wie es sei. Er zumindest bleibe abends nie bis tief in die Nacht auf einem der Plätze, sondern gehe zu „gesitteter Uhrzeit“ wieder nach Hause. Gleichwohl hält er die Bemühungen für „unrealistisch“, die Party aus dem Nordend zu verlagern. „Es wird schwer, das aufzulösen.“ Just dort, wo man am meisten Menschen störe, sind gleichzeitig die meisten, die sich treffen wollten. Also der Kiez, auf dem die Cliquen zusammenfinden. Denen gehe es nicht darum, zu tanzen oder laute Musik zu hören. „Man will Leute treffen, das hat was Soziales.“ Die Hauptwache biete weniger Flair und sei auch zu weit von besagtem Kiez entfernt. Schlussendlich gelte es auch, an die Menschen denken, die nicht so gut betucht seien. In seinen Studientagen habe er sich teure Bars und Clubs schlicht nicht leisten können. Sich draußen zu treffen und zu plaudern, mit den eigenen Getränken im Gepäck, das gibt das kleinste Budget her. „Solche Flächen muss es geben, das braucht eine sympathische, offene Stadt.“ (sky) © Renate Hoyer

Inzwischen wird auch am Luisenplatz gereinigt. Mit dem Ergebnis, dass viele Feiernde auf den Matthias-Beltz- und Merianplatz ausweichen. Ulla Lorenz, die am Beltzplatz wohnt, wünscht sich deshalb, dass das Konzept der Stadt auch vor ihrer Haustüre umgesetzt wird. Umso mehr, da auf dem kleinen Areal an der Friedberger Landstraße täglich laut gefeiert werde, nicht nur freitags. Er könne deshalb seit Jahren nur noch mit geschlossenem Fenster schlafen, sagt Anwohner Uwe Fritzlen. Hilfreich wären mehr Polizeistreifen, wende er sich selbst an Wildpinkler, bekomme er Schläge angedroht.

Matthias Heinrich, Leiter der Frankfurter Stadtpolizei, hofft, dass mit der Aktion „Ab in die Mitte“ ein Weg gefunden worden ist, die Situation auf den Plätzen im Nordend zu entspannen. Nötig sei dafür jedoch Geduld. „Die Menschen müssen sich bewegen, ihr Verhalten zu ändern.“ Nach wie vor werde die Stadtpolizei freitags am Friedberger Platz sein. Da sich dort bis zu 2000 Personen aufhielten, bestehe dort die größte Dringlichkeit. Für andere Plätze – auch in anderen Stadtteilen – fehle Personal. „Wir müssen Prioritäten setzen“, sagte Heinrich in der Anhörung des Ortsbeirats. Die Feiernden werden nach 22 Uhr durch Ansprache aufgefordert, den Platz zu räumen. In der Regel klappe das gut, eine andere rechtliche Möglichkeit gebe es nicht. Auch gebe es keinen Veranstalter, der in die Pflicht genommen werden könne. Die Plätze könnten nicht einfach gesperrt werden. Beamt:innen könnten nur einschreiten, wenn jemand direkt erwischt werde, der etwa gegen eine Haustüre uriniere – „aber wir können nicht alle Hauseingänge sichern“. Zudem sind nach Heinrichs Beobachtungen die meisten auf den Plätzen friedlich, es gebe keinen Anlass einzuschreiten. So komme etwa der Lärm vor allem dadurch zustande, dass so viele Menschen gleichzeitig redeten, aber „das ist keine Eingriffsgrundlage“. Gegen Personen, die mit Musikboxen unterwegs seien, gehe die Stadtpolizei vor, sie habe bereits Geräte sichergestellt. Im vorigen Jahr habe die Landespolizei helfen müssen, da die Lage etwa am Luisenplatz eskaliert sei. Dazu sei es 2022 noch nicht gekommen. Der Leiter der Stadtpolizei bezweifelt zudem, dass sich die Situation immer mehr zuspitze. So komme es nicht ständig zu Handgreiflichkeiten unter den Besucher:innen, auch würden Anwohnende nicht körperlich attackiert. bos
Matthias Heinrich, Leiter der Frankfurter Stadtpolizei, hofft, dass mit der Aktion „Ab in die Mitte“ ein Weg gefunden worden ist, die Situation auf den Plätzen im Nordend zu entspannen. Nötig sei dafür jedoch Geduld. „Die Menschen müssen sich bewegen, ihr Verhalten zu ändern.“ Nach wie vor werde die Stadtpolizei freitags am Friedberger Platz sein. Da sich dort bis zu 2000 Personen aufhielten, bestehe dort die größte Dringlichkeit. Für andere Plätze – auch in anderen Stadtteilen – fehle Personal. „Wir müssen Prioritäten setzen“, sagte Heinrich in der Anhörung des Ortsbeirats. Die Feiernden werden nach 22 Uhr durch Ansprache aufgefordert, den Platz zu räumen. In der Regel klappe das gut, eine andere rechtliche Möglichkeit gebe es nicht. Auch gebe es keinen Veranstalter, der in die Pflicht genommen werden könne. Die Plätze könnten nicht einfach gesperrt werden. Beamt:innen könnten nur einschreiten, wenn jemand direkt erwischt werde, der etwa gegen eine Haustüre uriniere – „aber wir können nicht alle Hauseingänge sichern“. Zudem sind nach Heinrichs Beobachtungen die meisten auf den Plätzen friedlich, es gebe keinen Anlass einzuschreiten. So komme etwa der Lärm vor allem dadurch zustande, dass so viele Menschen gleichzeitig redeten, aber „das ist keine Eingriffsgrundlage“. Gegen Personen, die mit Musikboxen unterwegs seien, gehe die Stadtpolizei vor, sie habe bereits Geräte sichergestellt. Im vorigen Jahr habe die Landespolizei helfen müssen, da die Lage etwa am Luisenplatz eskaliert sei. Dazu sei es 2022 noch nicht gekommen. Der Leiter der Stadtpolizei bezweifelt zudem, dass sich die Situation immer mehr zuspitze. So komme es nicht ständig zu Handgreiflichkeiten unter den Besucher:innen, auch würden Anwohnende nicht körperlich attackiert. (bos) © Renate Hoyer

Merianplatz in Frankfurt: Gastronom:innen müssen morgens Dreck wegräumen

Ausgeschlossen fühlten sich auch Anwohner:innen am Merianplatz, sagte Anlieger Kaweh Nemati. Viele Gewerbetreibende und Gastronomen müssten morgens erst den Dreck nach den Party im Nordend wegräumen: „Es riecht nach Urin und Alkohol, das schreckt Leute ab.“

Die Stadt sei seit Jahren aktiv, die Plätze im Nordend vom Müll der Feiernden zu befreien, sagt Claudia Gabriel, die Leiterin der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ in der Anhörung des Ortsbeirats. Freitags ab 21.45 Uhr beginne die Frankfurter Fußweg-Reinigung (FFR) damit, den Friedberger Platz zu säubern. Dazu setzten die Mitarbeiter:innen laute Blasgeräte ein, „um es ungemütlich zu machen und die Stadtpolizei zu unterstützen“. Anschließend folge der Wechsel zum Luisenplatz. Im vorigen Jahr sei die FFR auch am Merianplatz aktiv gewesen, als dort mehr gefeiert worden sei. Zusätzlich würden große Müllgaragen aufgestellt, diese stießen jedoch aufgrund der Menge der Besucher:innen schnell an ihre Grenzen. Wünschenswert sei, dass mehr Feiernde ihre Flaschen nicht einfach stehenließen. Denn eines der Hauptprobleme des Reinigungspersonals stellten die Scherben dar, mit denen die Plätze übersät seien. Die Stadt prüfe deshalb, ob sich sogenannte Pfandregale oder Pfandringe an Abfalltonnen, in denen Pfandflaschen deponiert werden können, bewährten. Bei der Masse an Menschen am Friedberger Platz brächten diese Hilfsmittel jedoch weniger, vermutet Gabriel, „da braucht man andere Ideen“. Damit die Besucher:innen nicht ihre Notdurft in Vorgärten, Hinterhöfen oder in Hauseingängen hinterlassen, stellt die Stadt Urinale und Dixi-Klos auf den Plätzen auf. Über die Standorte am Friedberger Platz habe es bereits viele Debatten gegeben, „wir haben schon alle ausprobiert“. Am Matthias-Beltz-Platz müsse zudem die Toilette des Gudes-Wasserhäuschens zugänglich sein. (bos)
Die Stadt sei seit Jahren aktiv, die Plätze im Nordend vom Müll der Feiernden zu befreien, sagt Claudia Gabriel, die Leiterin der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ in der Anhörung des Ortsbeirats. Freitags ab 21.45 Uhr beginne die Frankfurter Fußweg-Reinigung (FFR) damit, den Friedberger Platz zu säubern. Dazu setzten die Mitarbeiter:innen laute Blasgeräte ein, „um es ungemütlich zu machen und die Stadtpolizei zu unterstützen“. Anschließend folge der Wechsel zum Luisenplatz. Im vorigen Jahr sei die FFR auch am Merianplatz aktiv gewesen, als dort mehr gefeiert worden sei. Zusätzlich würden große Müllgaragen aufgestellt, diese stießen jedoch aufgrund der Menge der Besucher:innen schnell an ihre Grenzen. Wünschenswert sei, dass mehr Feiernde ihre Flaschen nicht einfach stehenließen. Denn eines der Hauptprobleme des Reinigungspersonals stellten die Scherben dar, mit denen die Plätze übersät seien. Die Stadt prüfe deshalb, ob sich sogenannte Pfandregale oder Pfandringe an Abfalltonnen, in denen Pfandflaschen deponiert werden können, bewährten. Bei der Masse an Menschen am Friedberger Platz brächten diese Hilfsmittel jedoch weniger, vermutet Gabriel, „da braucht man andere Ideen“. Damit die Besucher:innen nicht ihre Notdurft in Vorgärten, Hinterhöfen oder in Hauseingängen hinterlassen, stellt die Stadt Urinale und Dixi-Klos auf den Plätzen auf. Über die Standorte am Friedberger Platz habe es bereits viele Debatten gegeben, „wir haben schon alle ausprobiert“. Am Matthias-Beltz-Platz müsse zudem die Toilette des Gudes-Wasserhäuschens zugänglich sein. (bos) © Renate Hoyer

Dabei sind 80 oder gar 90 Prozent der Menschen, die sich nächtens auf den Plätzen breitmachen, „sympathische Leute“, wie Willi Preßmar sagt, Stadtbezirksvorsteher im Nordend. Er wandelt regelmäßig zwischen ihnen, versucht zu vermitteln. Einen Hoffnungsschimmer glaubt er entdeckt zu haben: Das Problem werde nicht mehr kleingeredet. Das ist auch schwer möglich angesichts der Massen, die sommers unterwegs sind. Und es sich sogar mit der Picknickdecke auf der Straße gemütlich machten, wie ein fassungsloser Anwohner berichtet. (Boris Schlepper, George Grodensky)

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