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Juliane Ranck und Laura Setzer (rechts) haben die Initiative GemüseheldInnen gegründet. 

Nordend

Frankfurt-Nordend: Grie Soß statt Wohnen

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Die Gruppe die GemüseheldInnen will Gärten auf dem Areal des geplanten Innovationsquartiers errichten. Sie sollen für alle offen sein und sich in den Bestand integrieren.

Petersilie gibt es noch, auch Kerbel wächst, doch um Pimpinelle und die restlichen vier Kräuter, die für Grie Soß nötig sind, steht es gerade schlecht. Schließlich sind die Beete nicht in beheizten Treibhäusern zu finden, sondern tief im Inneren der 16 Hektar großen Grünfläche zwischen Friedberger Landstraße, Wasserpark und Günthersburgpark. Seit Frühjahr gärtnert dort die sogenannten „GemüseheldInnen“. Dort, wo die Stadt das Innovationsquartier plant.

Frankfurt essbar machen, so lautet das Motto der Gruppe, die Julian Ranck und Laura Setzer gegründet haben. Das Paar aus dem Nordend möchte mit dem Projekt das „Urban Farming“ nach Frankfurt holen. „Angesichts des Klimawandels können wir nicht fortfahren, unsere Nahrung um die Welt zu schicken“, sagt Ranck. Obst und Gemüse müssten vielmehr dort angebaut werden, wo sie auch verzehrt werden: mitten in der Stadt. Dadurch fielen Transportwege weg, und jeder könne sich frische Nahrung selber pflücken.

Im März haben die Frauen begonnen, einen Garten zu bewirtschaften. Setzer ist Grafikdesignerin, Ranck arbeitet in einem Reformhaus im Nordend und auf einem Bauernhof in Egelsbach. Das nötige Know-how haben sie sich selbst beigebracht. Über Bücher, Videos – und viel Praxis. Inzwischen sind es 50 Frauen und Männer, die sich beteiligen. Gegärtnert wird nach dem Prinzip der Permakultur. „Wir schauen, was vorhanden ist, und gliedern uns in die bestehende Ökologie ein“, sagt Setzer.

Mehrfach ist die Gruppe los, um Müll aus dem Areal aufzulesen. „Sonst hätten wir hier gar nichts machen können“, sagt Setzer. Auch habe es anfangs Probleme mit Obdachlosen gegeben, die in Hütten übernachteten. Die erste Parzelle haben die „GemüseheldInnen“ über die Bürgerinitiative Grüne Lunge erhalten, die gegen das Innovationsquartier kämpft. Inzwischen ist die Gruppe in sieben Gärten mit insgesamt 4000 Quadratmetern aktiv. Für jede Fläche, die Namen wie Giersch-, Wiesen- oder Grüne Soße-Garten tragen, gibt es einen Zuständigen, „der weiß, wo es Platz gibt“, sagt Ranck.

Viele Beete werden gemeinschaftlich gepflegt. „Wir wollen einen niedrigschwelligen Einstieg“, sagt Setzer, „dass jeder bei uns anfangen kann.“ Egal ob jäten, gießen, ernten oder umgraben: Hilfe werde immer gebraucht. Dabei gebe es nur eine einzige Regel, sagt Ranck: „Jeder darf ernten, was er will.“ Das gelte selbst für Personen, die gar nicht zur Gruppe gehören.

Schließlich baue nicht jeder alles an und könne seinen Speiseplan dadurch aufwerten. Zudem gebe es Helfer, die nicht in den Beeten anpackten, sich aber dennoch einbrächten. „Bei uns sind auch Fertigkeiten gefragt, um etwas aus Holz zu zimmern, ein Kompost-Klo zu bauen oder Gartengeräte zu schweißen“, sagt Setzer. Andere geben Workshops.

Die Kommune unterstütze das Projekt. Die FES transportiert Müll und Grünschnitt ab. Auch kann die Gruppe kostenlos Saatgut über das Grünflächenamt bestellen. Die Stadt hat den „GemüseheldInnen“ auch einen Garten überlassen – temporär, bis das Neubaugebiet realisiert wird.

Doch Ranck und Setzer hoffen, dass das Gebiet überhaupt nicht bebaut wird. Sie möchten die Biodiversität und die Bäume in der „Grüne Lunge“ erhalten und wünschen sich dort einen Permakulturgarten, der jedem Bürger offen stehen soll. „Das ist unsere Vision“, sagt Setzer, die gezeichnet hat, wie das Areal gestaltet werden könnte (siehe unten). Das Projekt soll ein Vorzeigemodell für städtisches Miteinander in Zeiten des Klimawandels werden: Alle bauen gemeinsam biologisches Obst und Gemüse an. Es gibt Platz für Schulgärten, Gartenateliers und einen Waldkindergarten. Die Koordination übernimmt ein Trägerverein.

Auch Häuser sollen entstehen, sagt Ranck: „Nur weniger als die Stadt plant.“ Die Skizze sieht nachhaltige Wohnprojekte und gefördertes Wohnen entlang des Schlinkenwegs und der Friedberger Landstraße vor, „wo der Boden bereits versiegelt ist“.

Das Projekt kommt gut an. Eine Onlinepetition der „GemüseheldInnen“ haben fast 7000 Menschen unterschrieben.

Kontakt und Link zur Petition unter www.gemueseheldinnen-frankfurt.de.

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