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270 Kinder und Eltern protestieren am Freitag gegen den Bunkerabriss.  

Frankfurt-Nordend

Glauburgbunker soll abgerissen werden - Schülern drohen „erhebliche Nachteile“

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Das Kollegium befürchtet massive Beeinträchtigungen durch den geplanten Abriss des Glauburgbunkers. Denkbar ist es, die Kinder während der Bauzeit auszulagern.

Die Schwarzburgschule schlägt Alarm. Das Kollegium der Grundschule befürchtet, dass durch den Abriss des benachbarten Glauburgbunkers für Monate kein Unterricht mehr möglich sein wird. Die Lehrer fordern, dass der Abbruch zugunsten der Kinder verhindert oder die Stadt die Einrichtung für die Zeit der Bauarbeiten auslagert.

Die Konsequenzen durch den Abriss des Bunkers, den ein Gebäude mit 35 Wohnungen ersetzen soll, seien derzeit nicht abzuschätzen, sagte der kommissarische Rektor Christian Wolf in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 3. „Ab einem gewissen Lärmpegel ist kein Betrieb mehr zu leisten.“

Frankfurt-Nordend: Schülern der Schwarzburgschule drohen erhebliche Nachteile 

Außer dem Krach sei mit Erschütterungen durch Sprengungen sowie einer erheblichen Staubbelastung zu rechnen. Es sei „sehr wahrscheinlich“, dass die Schüler durch den Abriss „erhebliche Nachteile auf ihrem Bildungsweg erführen.

Etwa 300 Kinder zwischen sechs und elf Jahren besuchten die Einrichtung an der Schwarzburgstraße. Nachmittags gebe es Betreuungsangebote, zusätzlich steht auf dem Schulgelände die Kindertagesstätte 103. Viele Kinder seien bis 17 Uhr vor Ort, sagte Wolf. Der permanente Einfluss von Lärm sei ein ganz anderer als ein punktueller. Die Schule hat der Stadt dazu auch einen Brief geschrieben. 

„Die Schüler können sich bei erhöhter Lautstärke weniger gut konzentrieren und haben häufig Schwierigkeiten, Sinnzusammenhänge zu erfassen“, heißt es darin. Und weiter: An der Schwarzburgschule befänden sich zudem von Krieg und Flucht traumatisierte Kinder. „Wir rechnen deshalb mit massiven Beeinträchtigungen des Unterrichts, des Lernerfolgs und der Psyche unserer Schulkinder.“

Frankfurt-Nordend: Schwarzburgschule bekommt Unterstützung vom Ortsbeirat

Der Ortsbeirat sicherte der Schwarzburgschule Unterstützung zu. Die Bauarbeiten dürften nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden, sagte Rüdiger Koch (SPD). Es müsse alles getan werden, damit der Abriss verträglich werde. So müssten etwa sämtliche technische Möglichkeiten ausgenutzt werden, sagte Koch. Auch sei eine „kontinuierliche Überwachung“ in Abstimmung mit der Schule nötig.

Die Grundschule müsse beim Thema Schutz einen besonderen Stellenwert genießen, sagte Claudia Erhardt (CDU). Hans-Joachim Habermann von die Linke sagte, die Stadt müsse einräumen, dass der Abriss nicht genehmigt werden könne. Müsse die Schule ausgelagert werden, habe das der Investor zu zahlen, sagt Michael Mirsch (Grüne).

Eine temporäre Auslagerung sei denkbar, sagte Günter Murr vom Baudezernat auf Anfrage. Es müsse aber zunächst geprüft werden, „ob es notwendig ist“. Derzeit gehe die Stadt davon aus, dass die Grundschule am Standort bleiben kann. Die Containeranlage am Günthersburgpark, die voraussichtlich bis März von der Merianschule belegt ist, biete sich als temporäre Ausweichfläche an. Allerdings sei die Fläche als Erweiterung des Parks vorgesehen.

Glauburgbunker: Nordend-Politiker fordern geförderten Wohnungsbau für 30 Jahre

Der Ortsbeirat brachte in seiner Sitzung mehrere Anträge zum Glauburgbunker auf den Weg. Die Stadtteilpolitiker fordern mehrheitlich, dass der im Neubau geplante geförderte Wohnungsbau für 30 Jahren, und nicht wie üblich zehn Jahre, gebunden ist, heißt es in einer Grünen-Vorlage. Bei der im Erdgeschoss geplanten kulturellen und sozialen Nutzung sollen die Bürger und der Ortsbeirat am Konzept mitwirken, auch soll sie dauerhaft festgeschrieben werden – abgesichert durch einen Grundbucheintrag oder den Kauf des Bereichs durch die Stadt.

Die Miete für das Erdgeschoss möchte der Ortsbeirat so gestalten, dass die Nutzung durch Bürger, Vereine und Institutionen dauerhaft gewährleistet ist. Der Glauburgplatz und der Spielplatz sollen während der Bauarbeiten nicht beeinträchtigt werden.

Am Donnerstag beraten die Stadtverordneten darüber, wie es mit dem Bunker weitergehen soll. Die Bürgerinitiative zum Erhalt des Bauwerks hat am Freitag gegen den Abriss demonstriert. Etwa 270 Eltern und Kinder sind „zwei Runden ums Viertel marschiert“, wie Organisatorin Andrea Teuscher sagt.

Mehr als 3100 Bürger haben sich in einer Online-Petition bislang dafür ausgesprochen, dass der Glauburgbunker nicht abgerissen werden soll.*

Nicht nur die Schwarzburgschule hat Ärger. Über 500 Schüler in Frankfurt dürfen nicht auf ihre Wunschschule wechseln. 

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