Die Ortsvorsteherin des Nordend, Karin Guder am Merianplatz. In dem ehemaligen Bad öffnet Ende Januar nach jahrelangen Verhandlungen ein Stadtteiltreff.

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Frankfurt-Nordend: „Besonderen Schutz brauchen Schwarzburgschule und Kita 103“

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Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) über den geplanten Abriss des Glauburgbunkers und den Ausbau des Radwegenetzes. 

Karin Guder (66) ist seit 2003 Vorsteherin im Ortsbeirat 3, der für das Nordend zuständig ist. In den 80ern war sie Landesgeschäftsführerin der Grünen, in den 90ern Stadtverordnete in Frankfurt. Guder, geboren in Bad Freienwalde in Brandenburg, floh als Kind mit ihren Eltern aus der DDR und lebt seitdem in Frankfurt. Bis August 2019 arbeitet sie als Lehrerin für Mathematik, Deutsch und Ethik an der IGS Eschersheim. 

Frau Guder, im Zuge des Radentscheids sollen in den kommenden Jahren unter anderem auf einem Abschnitt der Friedberger Landstraße zwei Fahrspuren den Fahrradfahrern zugeschlagen werden – zunächst temporär. Sie sind selbst viel mit dem Rad unterwegs: Ist das eine gute Nachricht fürs Nordend?
Das ist eine alte Forderung des Ortsbeirats, die eine große Entlastung darstellen wird und ein wichtiger Schritt für die Verkehrswende darstellt. Ein Drittel der Verkehrsteilnehmer sind auf der Friedberger mit dem Rad unterwegs, und es werden immer mehr. Die haben einen Anspruch.

Geplant ist eine Strecke vom Friedberger Tor bis zum Friedberger Platz. Von dort an werde die Landstraße zu eng für eine Spur für Radfahrer, und sie müssen über die Rotlintstraße weiter.
Damit bin ich nicht zufrieden, auch wenn ich die Gründe nachvollziehen kann. Wichtig ist es deshalb, die Radwege gut zu markieren und auszuschildern, dass man dort schneller fahren kann. Schwierig wird es am Friedberger Platz – dass das schöne Pflaster nicht weichen muss und auch während des Wochenmarkts gefahren werden kann.

Im Anlagenring wird vorerst keine Spur für Radfahrer abgetrennt. Müsste das noch kommen?
Auf jeden Fall. Und es ist auch geplant. Das wäre eine große Entlastung für Menschen, die Lärmbelastung und die Fußgänger, die im Anlagenring spazieren. Sie müssten sich die Wege dann mit weniger Radfahrer teilen. Das würde einen Konflikt entschärfen.

Einen Konflikt gibt es auch um den geplanten Abriss des Glauburgbunkers. Viele Anwohner wehren sich dagegen, doch für die Stadt scheint das Thema erledigt zu sein. Was kann hier der Ortsbeirat tun?
Wir stehen in der Pflicht, darauf zu achten, dass die Belastung für die Menschen im Quartier möglichst gering bleibt. Besonderen Schutz brauchen Schwarzburgschule und Kita 103. Sehr laute Arbeiten dürfen nicht während des Unterrichts stattfinden. Es ist gut, dass die Bauaufsicht angekündigt hat, die Einhaltung der Immissionen selbst zu messen. Das ist ein Verdienst der Bürgerinitiative.

Die jedoch den Abriss ablehnt…
Ich wünschte, dass die BI akzeptieren kann, dass der Bunker weichen muss. Das ist ein hässlicher Klotz, den man nicht nutzen kann. Durch den geplanten Neubau werden wir einen Gewinn haben.

Im Erdgeschoss des Neubaus soll es Platz für eine kulturelle und soziale Nutzung geben.
Wir sind froh, dass etwas entsteht, was dem Stadtteil zugutekommt – dafür hat sich der Ortsbeirat eingesetzt. Die Nachfrage ist schon jetzt groß. Es haben sich mehrere Interessenten gemeldet. Ich wünsche mir eine Nutzung, die mit dem Glauburgplatz zu tun hat – etwa eine Kinder- oder Senioreneinrichtung. Es könnte auch Raum für Kreative und Künstler geben. Eine Entscheidung wird es 2021 geben.

Eine kritische Öffentlichkeit gibt es auch, was die Planung des Innovationsquartiers betrifft.
Die BI Grüne Lunge hat erreicht, dass die Stadtverordneten in dem Neubaugebiet einen größeren Grünstreifen eingeplant haben.

Der Ortsbeirat 3 hat 19 Sitze. Stärkste kraft sind die Grünen mit fünf Mandaten. CDU und SPD haben jeweils vier Sitze. Linke und FDP sind mit je zwei Personen vertreten, jeweils ein Mandat haben Ökolinx und die Bürger für Frankfurt (BFF). 

Die nächste Sitzung findet am 23. Januar, 19.30 Uhr, im Haus der Volksarbeit, Walter-Dirks-Saal (dritter Stock), 

Eschenheimer Anlage 21 statt. (bos)

Eine Mehrheit im Ortsbeirat hat dem Entwurf des Bebauungsplans zugestimmt.
Er schützt Grünflächen und erhält den Abenteuerspielplatz. Angesichts des Klimawandels müssen wir aber schauen, ob wir nicht noch mehr unbebaut lassen können. Auch hätten wir uns ein autofreies Quartier gewünscht. Wir brauchen da einen guten Kompromiss. Der Ortsbeirat hat sich dafür ausgesprochen, dass das Innovationsquartier nur mit der Einhausung der A661 kommt. Das ist eine Chance auf mehr Grün. Es muss den Menschen stärker vermittelt werden, dass dort auch Parks und Sportanlagen entstehen.

Könnte man denn nicht im Umland stärker bauen?
Das ist keine Alternative. Dort fehlt es an Infrastruktur und Anbindungen an den ÖPNV. In Frankfurt ist das vorhanden. Aber trotz der großen Wohnungsnot müssen wir darauf achten, dass nicht zu viel versiegelt wird. Man muss dichter bauen und dadurch Grünflächen schützen.

Auf dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Friedrich an der Dortelweiler Straße hätten sich viele im Ortsbeirat lieber weniger Wohnungen gewünscht?
Ursprünglich waren dort nur 35 Wohneinheiten geplant. Das waren zu wenige für so eine wertvolle Fläche. Jetzt sollen dort 100 gebaut werden, zum Teil in 18 Meter hohen Häusern. Das ist wiederum zu massiv und wir müssen schauen, dass die Frischluftschneise aus der Wetterau nicht zugebaut wird. Wichtig ist es deshalb, dass die Erweiterung des Günthersburgparks endlich kommt. Wir brauchen die Fläche für die Neubürger, die dort hinziehen werden.

Dass die Menschen ins Freie drängen sieht man auch auf den öffentlichen Plätzen. Wie ist es in diesem Jahr am Friedberger Platz gelaufen?
Chaotisch war es nur im April. Da hat keiner damit gerechnet, dass plötzlich so viele Menschen kommen – deshalb gab es keine Kontrollen und es fehlten Toiletten. Da müssen wir beim nächsten Saisonstart besser vorbereitet sein. Ansonsten hat die Zusammenarbeit der Steuerungsgruppe mit der Stadt und der FES gut geklappt.

Ganz ohne Kontrollen geht es nicht?
Nein. Auch am Matthias-Beltz-Platz müssen wir zwischen den Leuten vermitteln, die sich dort treffen wollen, und den Anwohnern, die sich gestört fühlen. Im März besprechen wir uns mit den Kioskbetreibern, wie viele Stühle es dort geben soll. Damit nicht wieder jemand seine eigenen Sitzgelegenheiten mitbringt und stehenlässt – und diese dann im Müll landen.

Um die Müllbeseitigung geht es unter anderem auch beim Streit um das Straßenfest auf der unteren Berger. Immer weniger Gastronomen möchten sich an den Kosten für die Party beteiligen. Der Veranstalter will deshalb die Hoheit über die Straße für die Zeit der Feier, was die Stadt ablehnt.
Wer eine Gaststätte auf der Berger hat, sollte sich an dem Fest beteiligen oder zumindest so fair sein, und nicht noch durch seinen Biergarten Stände auf dem Fest blockieren. Die Veranstaltung ist wichtig für die Gewerbetreibenden und das Nordend. Die Stadt müsste sie unterstützen und nicht Auflagen erteilen, die sich Vereine nicht leisten können.

Können sich Vereine künftig im neuen Stadtteiltreff treffen, der am 27. Januar im Merianbad eröffnet werden soll?
Geplant ist, dass der Raum zunächst von den Kinder- und Seniorenbeauftragten, den Sozial- und Stadtbezirksvorstehern, den Fraktionen aus dem Ortsbeirat und der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße genutzt werden kann. Wir planen aber eine einjährige Probezeit, in der wir schauen wollen, wie die Nachfrage im Stadtteil ist. Es gibt schon Anfragen für einen Mutter-Kind-Treff, auch eine Gruppe von Architekten hat Interesse bekundet. In der Ecke gibt es sonst nichts.

Interview: Boris Schlepper

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