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Frankfurt-Nordend: Angst vor Verdrängung durch erhöhte Mieten

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Neuer Hauseigentümer in der Spohrstraße im Frankfurter Nordend kündigt Mieterhöhungen und Modernisierungsarbeiten an.

Die Mieter der Spohrstraße 62 sind in großer Sorge. Sie befürchten, dass sie der neue Eigentümer aus dem Haus vertreiben will, in dem sie zum Teil schon seit Jahrzehnten wohnen. Im Sommer hat die Westend Projekt- und Steuerungsmanagement GmbH (WPS) die Immobilie im Nordend übernommen. Seither fühlen sich die zehn Mietparteien unter Druck gesetzt.

Noch bevor die WPS im Grundbuch eingetragen worden sei, hätten die ersten Schreiben im Briefkasten gelegen, berichtet ein Mieter, der namentlich nicht genannt werden will. Darin seien Mieterhöhungen und Modernisierungsarbeiten angekündigt worden. Der Eigentümer habe Zuschläge eingerechnet, die er gar nicht gelten machen könne.

Auch sei von Sanierungen die Rede gewesen, die gar nicht möglich sind, wie der Austausch von Boilern, „die gibt es hier gar nicht“.

Verunsichert hat die Bewohner, dass das Haus seit August eingerüstet ist. „Doch gearbeitet wurde bislang nicht.“ Seit Wochen sei das Gerüst mit einer Folie abgehängt, durch die kaum Luft und Licht komme.

Prinzipiell sei gegen eine Modernisierung nichts einzuwenden, sagt ein anderer Mieter. In manchen Wohnungen seien die Fenster undicht. Die WPS kündige aber rigorose Umbauten an. So sollen alle Bäder kernsaniert werden, „Duschen und Klos stehen dann im Hof“. Angekündigt worden sei, die Gasetagen- durch eine Zentralheizung zu ersetzen, neue Wasserleitungen zu ziehen und die Fenster auszutauschen.

Ein Leben sei in dem Haus dann nicht mehr möglich, glauben die Mieter. Sie gehen davon aus, dass ihnen die WPS Angst machen wolle. Die ersten hätten bereits aufgegeben.

Die WPS weist den Vorwurf der Verdrängung zurück. „Kein Mieter der Liegenschaft wurde gekündigt“, teilt Annie Loosen auf Anfrage mit. Das Gründerzeit-Gebäude solle modernisiert werden. Große Teile seien veraltet oder marode. Strom- und Wasserleitungen sowie Wärmedämmung entsprächen nicht den heutigen Vorgaben. Die Arbeiten sollen am Stück durchgeführt werden.

Teile der Kosten dürften auf die Mieter umgelegt werden. Angestrebt seien Mieterhöhungen von 10 bis 15 Prozent. „Das ist weiterhin deutlich unter dem Mietspiegel“, teilt Annie Loosen weiter mit. Dass die Liegenschaft in Eigentumswohnungen aufgeteilt wurde, habe auf die Mieter keine Auswirkung. Die WPS wolle das Haus nicht weiterveräußern.

Die Stabsstelle Mieterschutz kennt die WPS und ihre Vorgehensweise. Aus zwei Liegenschaften des Unternehmens hätten sich Mieter gemeldet, die Angst vor Verdrängung haben, sagt Leiter Kai Schönbach. Sie hätten das Gefühl, dass Arbeiten zu langsam umgesetzt würden, um die Belastung durch die Baustelle möglichst lange aufrechtzuerhalten. Dass in der Spohrstraße schon im August 2019 ein Gerüst gestellt wurde, aber nicht gearbeitet werde, sei ein ganz typisches Muster, um Mieter zu vertreiben.

Die für die Spohrstraße übersandten Modernisierungsankündigungen halte die Stabsstelle „für nicht haltbar“, so Schönbach. Diese seien so zu lesen, als ob eine enorme Mieterhöhung auf die Bewohner zukomme, die jedoch rechtlich nicht durchsetzbar sei. Hieraus erwachse weiterer, finanzieller Verdrängungsdruck für die Mieterinnen und Mieter. Was in der Spohrstraße gerade seinen Anfang nimmt, hat ein ehemaliger Bewohner einer Liegenschaft in der Eckenheimer Landstraße bereits hinter sich. Vor zwei Jahren habe die WPS das fünfgeschossige Haus gekauft. Unmittelbar nach dem Kauf seien massive Modernisierungen und „horrende Mieterhöhungen“ angekündigt worden, berichtet der ehemalige Mieter. Sämtliche Briefe seien in einer „Angst machenden Sprache“ verfasst gewesen.

WPS habe etwa mitgeteilt, die Leitungsrohre auszutauschen, wofür ein Dreivierteljahr veranschlagt wurde. Innerhalb dieser Zeit hätten die Mieter Toiletten im Hinterhof zu nutzen. Die meisten Mieter hätten die Flucht ergriffen. Nur noch zwei der einst 18 Parteien lebten in dem Haus. Von den großen Sanierungsarbeiten sei noch keine umgesetzt worden. Nur einzelne Wohnungen seien bislang saniert worden.

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