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Frankfurt: Noch einmal große Kunst

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Von: Andreas Hartmann

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Galerist Timm Gierig vor einem Gemälde des Künstlers Dieter Krieg.
Galerist Timm Gierig vor einem Gemälde des Künstlers Dieter Krieg. Foto: Renate Hoyer © Renate Hoyer

Kunsthändler, Galerist, Sammler, Mäzen: Der Frankfurter Timm Gierig kuratiert seine wohl letzte Ausstellung über den Künstler Jürgen Brodwolf – als doppeltes Geburtstagsgeschenk

Wie die Ausstellung des Künstlers Jürgen Brodwolf zu dessen 90. Geburtstag, die am kommenden Samstag in der Frankfurter Galerie Schwind eröffnet, aussehen wird, das hat Kurator Timm Gierig längst ausgetüftelt. Als Pappmodell hat er die Räume des befreundeten Galeristen in der Fahrgasse detailliert nachgebaut und die auf Miniaturformat verkleinerten Bilder darin verteilt.

Wenn einer Routine mit dem Konzept von Ausstellungen, der richtigen Hängung und Auswahl von Kunstwerken aller Art hat, dann ist es der gebürtige Frankfurter Gierig, der im Februar 80 Jahre alt geworden ist und der sich die Ausstellung seines Freundes Brodwolf sozusagen selbst zum Geburtstag schenkt. „Es ist wohl die letzte, die ich noch kuratieren werde“, sagt er.

Timm Gierig kann eine stolze Bilanz vorweisen: Jahrzehntelang war der Frankfurter Galerist, Kunsthändler und Ausstellungskurator einer der großen Namen in der Branche, nicht nur in Deutschland. Er begann vor 60 Jahren mit dem Druck und dem deutschlandweiten Direktvertrieb von Künstlergrafik über den Buchhandel, bekam dann eine Galerie samt Rahmenhandlung in der Innenstadt geschenkt (!), war stets neugierig und ein begnadeter Netzwerker. Die Liste seiner Kundinnen und Kunden ist illuster, große Sammler gehören dazu, internationale Museen und Institutionen.

Die Ausstellung

Die von Timm Gierig kuratierte Ausstellung seines langjährigen Freundes Jürgen Brodwolf in der Frankfurter Galerie Schwind, Fahrgasse 17, öffnet am 30. Juli um 19 Uhr und ist bis zum 20. August zu sehen. aph

Wer erfolgreich ist, hat Neider. Auch Gierig kann unschöne Dinge erzählen. Tiefschlag war wohl, wie ihm die Stadt Frankfurt seine bekannte Galerie im Leinwandhaus 2002 kündigte, weil der neue Kulturdezernent ein Auge auf die Räume geworfen hatte.

Dass er manche Kunstschaffende allein schon mit so einem Nachnamen provoziert hat, ist heute eher eine Anekdote. „Da gibt es ganze Serien über den Begriff, aber ich war eigentlich immer nur gierig auf Kunst“, sagt er heute lachend. Der Galerist steht längst drüber. Und ihn verbinden zu „seinen“ Künstlern wie Brodwolf lange Freundschaften.

In seiner Heimatstadt, wo er 1942 „in einer Bombennacht“, wie er selbst erzählt, in eine künstlerisch sehr interessierte Familie hineingeboren wurde, hat er die Entwicklung der Braubachstraße, auch einmal ein Standort seiner Galerie, zur Kunstmeile maßgeblich mit angestoßen, hat das Kulturleben und Debatten mit interessanten Ausstellungen (und legendären Vernissagefeiern) geprägt.

„Ich war aber immer auch selbst Sammler und Mäzen, das war mir ganz wichtig“, sagt der 80-Jährige, der viel jünger wirkt. Bilder und Plastiken gehören heute seiner Frau Lieselotte, jahrzehntelang auch seine Partnerin in der Galerie. Beide träumen von einem Skulpturenweg an der Saalach in Lofer bei Salzburg – oder gar von einem eigenen Museum.

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