Süße Brut aus Frankfurt: Die geretteten Specht-Küken an der Wärmflasche.
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Süße Brut aus Frankfurt: Die geretteten Specht-Küken an der Wärmflasche.

Wildtierhilfe

Hilflose Specht-Küken: Frankfurt hat keinen Platz für Wildtiere in Not

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Eine Familie findet drei hilflose Specht-Küken in Frankfurt – damit beginnt eine Odyssee.

  • Ein Spaziergänger findet in Frankfurt-Niederrad am Wegesrand drei Specht-Küken.
  • Die jungen Vögel sind allein hilflos: Es beginnt eine aufwendige Rettungsaktion.
  • Die Helfer sind enttäuscht, dass eine Auffangstation für Tiere in Frankfurt fehlt.

Frankfurt – Dies ist die Geschichte von Tick, Trick und Track aus Frankfurt. Wer jetzt glaubt, das seien Enten, der liegt falsch. Es handelt sich um Spechte, und erzählt wird die Geschichte übrigens von einem Hahn. Thomas Hahn. Sie geht so.

„Beim Corona-Spaziergang“ rund um den Golfplatz in Frankfurt-Niederrad findet Familie Hahn das Zuhause einer Buntspechtfamilie auf. Es befindet sich nicht dort, wo es hingehört, oben in einem Baum, sondern am Wegesrand in Kniehöhe. „Bei Forstarbeiten waren hier Bäume gefällt worden und die Wohnung von Familie Dr. Specht fiel den Sanierungsmaßnahmen zum Opfer“, bringt Hahn in Erfahrung. 

Die drei Kleinen erhalten die Namen Tick, Trick und Track. „Sie brüllten sich die kleine Lunge aus dem Leib.“ Die Bergung scheint kompliziert: „Man kann sich ja vorstellen, dass die drei Spechtchen sich nicht freiwillig ergeben würden.“

Frankfurt: Wildvogelhilfe berät bei Rettung von Spechten in Niederrad 

Bei einem Förster erfährt Familie Hahn: Der Baum fiel der Wegesicherung zum Opfer. „Mensch oder Vogel sei die Frage.“ Und es gebe aktuell (früher Abend) niemanden, der den jungen Waisen aus Frankfurt helfen könne. Anrufe bei der Feuerwehr und beim Stadttaubenprojekt bringen die taufrische Niederräder Hilfsorganisation Hahn schließlich telefonisch zur Wildvogelhilfe „Die Feder“ in Darmstadt, die rät: Bitte sofort bergen, die Specht-Eltern kümmerten sich höchstwahrscheinlich nicht mehr um Tick, Trick und Track, und deren Überleben sei sonst in Gefahr.

Mit Säge, Kiste, Tüchern und Wärmflasche (handwarm) rückt die Menschenfamilie also erneut an, „um nachdrücklich auf die Räumung der Wohnung zu bestehen“. Derweil bietet Tanja Schäfer von der Wildtierhilfe Dreieich telefonische Unterstützung und die Aufnahme der drei Heimatlosen an. Was sagen die zu dem Plan? „Verminen den Eingang und ziehen sich ganz nach hinten in ihre gefällte Höhle zurück.“

Frankfurt-Niederrad: Specht-Rettung ist robust, aber erfolgreich

Am Ende gelingt dennoch „unter erheblichem Gekreische (nicht der Säge)“ die Rettung, robust, aber erfolgreich. Tick, Trick und Track lassen sich scharf protestierend aus dem Spechtloch bergen („zum Teil Steißlage, Zangengeburt“) und von Frankfurt nach Dreieich bringen. Dort gibt es als Erstes eine Heimchen-Mahlzeit und dann ein vorübergehendes Zuhause im warmen Nest.

Auf gute drei Wochen schätzt Tamara Schäfer, die Tochter der Wildtierhilfe-Gründerin, das Alter der drei Specht-Küken. Wie stehen jetzt die Überlebenschancen? „Wir geben unser Bestes“, sagt Schäfer. Aber in drei bis vier Wochen dürfte das Trio durchaus so weit sein, wieder in die Natur entlassen zu werden.

Frankfurt fehlt eine Auffangstation für Tiere in Not

Familie Hahn ist froh über den Ausgang der Aktion, wundert sich aber über manches in Frankfurt: Etwa darüber, dass eine vergleichbare Auffangstation für Tiere in Not fehlt. Dass Bäume in der Brutzeit umgelegt und die gefiederten Bewohner sich selbst überlassen werden. Und dass die ehrenamtliche Wildtierstation in D reieich nach eigenen Angaben nicht einmal Geld aus Frankfurt erhält, obwohl sie häufig Tiere in Not von dort aufnimmt.

„So müssen Tick, Trick und Track vom Frankfurter Stadtgebiet jetzt in den Landkreis Offenbach ziehen“, resümiert Thomas Hahn. „Ich weiß nicht, wie sie das finden.“ Und dann ist da noch die Frage, wie eigentlich die Eltern von Tick, Trick und Track heißen. Donald und Daisy sind ja Onkel und Tante.

Von Thomas Stillbauer

In mehreren Stadtteilen in Frankfurt ist die Zahl der Schwalben deutlich zurückgegangen*. Nun ruft der Nabu zu einer Aktion rund um die Langstreckenzieher auf. Das einzige Storchenpaar in Frankfurt produziert derweil zuverlässig Nachwuchs*. 

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