Ließen sich die Stimmung nicht verderben: Winfried Schmitz (li.), Gaby Link und Christian Becker. Foto: Menzel
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Ließen sich die Stimmung nicht verderben: Winfried Schmitz (li.), Gaby Link und Christian Becker. Foto: Menzel

Verkehr

Frankfurt-Niederrad: Linie 84 wird zur Premiere gleich ausgebremst

  • vonKatja Sturm
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Falschparker blockiert Quartiersbus in Niederrad bei dessen Jungfernfahrt – Bürger sind dennoch zufrieden.

Die allererste Fahrt geriet nach nur wenigen Minuten ins Stocken. An der Stelle, wo der Bus der neuen Linie 84 bei seiner Premierentour durch Niederrad von der Kniebis- nach links in die Schwanheimer Straße hätte einbiegen müssen, stand auf der rechten Seite ein Auto im absoluten Halteverbot. Auszuscheren, um die Kurve zu kriegen, war dem Bus deshalb nicht möglich.

Die Reise der Vertreter des Stadtteilparlaments und der lokalen Verkehrsgesellschaft Traffiq sowie interessierter Bürgerinnen und Bürgern kam zum Stillstand. Dann wurde nach einiger Wartezeit laut Entertainer Engelbert Kobelun, der den Ausflug mit munteren Sprüchen begleitete, „das Gleiche getan wie 1989: die Wende eingeleitet“.

Also zurück zum Bruchfeldplatz, wo an diesem Samstagnachmittag kurz zuvor mit ein paar Reden bei Kaffee und Kuchen der Quartiersbus begrüßt worden war. Der Zwischenfall machte jedoch deutlich, worin die Schwierigkeiten der Linienführung bestehen: In den teilweise sehr schmalen Straßen, die zur Route zählen, drohen dem Bus immer wieder Engpässe. Anwohner und Fahrgäste müssen sich aber auch in anderer Hinsicht an veränderte Bedingungen gewöhnen. Dort, wo jetzt die Haltestelle Schwanheimer Straße platziert ist, wird gern Sperrmüll abgeladen. Auch am vergangenen Wochenende war dies der Fall, türmte sich direkt neben dem neuen Stationsschild ein Haufen Abfall. Nicht selten gehören dazu Dinge, die andere noch gebrauchen können, merkte Quartiersmanagerin Angela Wolf an. Aber es müsse sich dafür nun eine andere Stelle finden.

Insgesamt wird die neue Möglichkeit, innerhalb des Stadtteils herumzukommen und auch schneller und einfacher die City zu erreichen, aber überwiegend begrüßt. Jahrelang hätten die Niederräder dafür gekämpft, betonte Winfried Schmitz, Leiter der Kommunikation bei Traffiq, bei der kleinen Eröffnungsfeier. „Es ist also vor allem Ihr Produkt – jetzt haben Sie’s.“

Der Quartiersbus sorgt für eine bessere Einbindung des Mainfelds wie auch der Waldfried- und der Lyoner Straße ins Verkehrssystem. Er verfügt etwa an der Niederräder Landstraße über Anschlüsse an die Straßenbahnlinien 12, 15 und 21 sowie am Bahnhof an die S-Bahn-Linien S7, S8 und S9. Am Oberforsthaus ergänzt die Buslinie 61 das Angebot. Die Midibusse sollen täglich bis 21 Uhr zum Einsatz kommen, montags bis freitags ab 6 Uhr, samstags ab 8 Uhr sowie sonntags ab 12 Uhr, jeweils im Halb-Stunden-Takt.

„Wir werden Erfahrungen sammeln, wie die Buslinie angenommen wird“, sagte Schmitz. Dementsprechend könnte der Plan in Zukunft noch angepasst werden.

„Mobilität bedeutet Freiheit“, betonte Ortsvorsteher Christian Becker (CDU), der in entschuldigter Abwesenheit des Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) sprach. Die Menschen würden im Schnitt älter, verblieben aber gern länger in ihren Wohnungen. Öffentliche Verkehrsmittel verschafften ihnen die Möglichkeit, herumzukommen.

Hocherfreut zeigte sich Gaby Link, die sich für den Quartierbus eingesetzt hatte. „So etwas war seit den 70er Jahren geplant“, sagte die 59-Jährige, aber nie zustande gekommen. Profitieren würden nicht nur Ältere, sondern auch Familien, etwa mit Kinderwagen.

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