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Mordprozess gegen Frankfurter Szene-Gastronom: Der Angeklagte Jan N. mit seinen Anwälten.

"Entsetzlicher" Mord im Niddapark

Mord im Niddapark - Szene-Gastronom will Angst gehabt haben

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    Oliver Teutsch
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Mit 21 Messerstichen soll der Szene-Gastronom Jan M. sein Opfer Irina A. getötet haben. Der Angeklagte hat eine Erklärung für seine Blutspuren am Tatort.

Update, 27. August, 17.15 Uhr: Rund 15 Monate nach dem Fund einer blutüberströmten Frauenleiche im Frankfurter Niddapark hat der Mordprozess gegen einen Szene-Gastronom begonnen. Als mutmaßlicher Täter steht seit Dienstag der 51 Jahre alte frühere Geschäftspartner der Toten vor dem Landgericht. Der Gastronom soll hohe Schulden bei der 29-Jährigen gehabt haben. 

Die Anklage wirft dem Deutschen Mord aus Habgier vor. "Ich habe Irina nicht umgebracht", ließ der Angeklagte zu Beginn einer längeren Erklärung über seinen Verteidiger verlauten. Den Tod der jungen Geschäftsfrau bezeichnete er dabei als "entsetzlich". 

Er wisse nicht, "wer es gewesen sein könne". Er äußerte die Vermutung, "Geldwäsche" könne eine Rolle gespielt haben. Schon früher einmal sei die 29-Jährige mit dubiosen Geschäftsleuten in Kontakt gekommen. Er habe ihr das aber ausgeredet, hieß es in der Erklärung des Angeklagten.

Frankfurt: Das Opfer soll sich mit dem 51-Jährigen zum Spaziergang getroffen haben

Sein Anwalt warf der Hauptbelastungszeugin, einer Freundin der getöteten Frau, vor, die Unwahrheit gesagt, als sie behauptet habe, das spätere Opfer habe sich am Abend des Tattages zu einem Spaziergang mit dem Angeklagten im Niddapark getroffen. 

Die Anklage geht davon aus, dass dieses Treffen allein dem Zweck gedient habe, die 29-Jährige wegen der drückenden Schulden aus dem Weg zu räumen. Der Angeklagte hingegen bestritt, an jenem Abend überhaupt im Park gewesen zu sein. Die 29-Jährige habe ihm von einer Verabredung mit einem unbekannten Dritten erzählt, berichtete der Angeklagte in seiner Erklärung. 

Frankfurt: Szene-Gastronom will Opfer gesucht haben

Erst als sie sich bis in die späte Nacht nicht mehr bei ihm gemeldet habe, sei er mit dem Motorrad losgefahren und habe sie gesucht. 

In dem Park habe er schließlich die Leiche gefunden. Aus Angst davor, mit ihrem Tod in Verbindung gebracht zu werden, habe er seine Entdeckung verschwiegen und auch die Polizei nicht alarmiert. Auch habe er bei der hastigen Suche nach der Frau sein Mobiltelefon vergessen.

Prozess in Frankfurt: Blutspuren am Tatort sichergestellt

Der Gastronom geriet in das Visier der Ermittler, als Blutspuren von ihm am Tatort sichergestellt wurden. Das Blut stamme von einer Verletzung, die er beim Ausrutschen auf einer Fliese im Badezimmer erlitten habe, sagte er. 

Ein Kriminalbeamter sagte in seiner Zeugenaussage über die Vernehmung des Angeklagten, dieser habe von jährlichen Nettoeinkünften von rund 140.000 Euro als Besitzer mehrerer Lokale und Immobilien erzählt. 

Frankfurt: Es habe keine Schulden gegeben

Schulden habe es nach dem Verkauf der gemeinsamen Gaststätte in der Frankfurter Innenstadt gar nicht gegeben, habe der Gastronom erklärt. Der Angeklagte sagte vor Gericht, die 29-Jährige habe ihn immer wieder um Geld für den Kauf von Kokain und Alkohol gebeten. "Sie war ein bekanntes Partygirl", fügte er in seiner Erklärung hinzu, "und sehr unstet". Dies sei auch der Grund dafür gewesen, dass es nach dem Kennenlernen vor "sieben, acht Jahren" nur zu einer kurzen Liebesaffäre gekommen sei, hatte er bereits bei der Polizei angegeben.

Die Schwurgerichtskammer hat vorerst 17 weitere Verhandlungstage bis Anfang Januar kommenden Jahres terminiert. (tom/dpa)

Erstmeldung, 26. August, 10.22 Uhr: Frankfurt - Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-Jährigen Jan M. Mord, Raub mit Todesfolge und Betrug vor. Am Morgen des 9. Mai hatte ein Spaziergänger eine übel zugerichtete Leiche im Niddapark gefunden. 

Die 29-jährige Irina A. war mit mindestens 21 Messerstichen in Brust, Nacken und Kopf getötet worden. Mit der Uhr, einem Diamantring und den Autoschlüsseln seines Opfers soll der Täter geflohen sein.

Mord im Niddapark: Bekannter Gastronom sitzt auf der Anklagebank

Der Fall hatte großes Aufsehen erregt, weil das Opfer in der Frankfurter Szene weithin bekannt war. Einer größeren Öffentlichkeit war Irina A. nach Silvester 2017 bekannt geworden. Da nämlich hatte der nun auf der Anklagebank sitzende Jan M. versucht, seine nicht allzu gut laufende Bar "First In" auf der Freßgass' mit einem ausgedachten Sex-Mob arabischstämmiger Männer in der Silvesternacht in ihrem Lokal zu "promoten". 

Dieser Vorwurf, vor allem zuerst in einem Boulevardblatt breit getreten, stellte sich alsbald als erfunden heraus. Irina A., die in der Bar arbeitete, sprang Jan M. bei - obwohl sie zur angeblichen Tatzeit gar nicht in Deutschland gewesen war.

Beschuldigten wird Heimtücke und Habgier vorgeworfen

Wegen dieser Angelegenheit hätten sich beide einige Wochen nach dem 8. Mai 2018 vor dem Amtsgericht Frankfurt verantworten sollen. Doch dazu kam es nicht mehr. Stattdessen wurde Jan M. am 10. Mai wegen dringenden Mordverdachts festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Unweit des Tatorts hatten die Ermittler Blutspuren von ihm gefunden. 

Als Mordmotiv sieht die Staatsanwaltschaft Heimtücke und Habgier. Jan M. soll dem Opfer, das 50-prozentiger Teilhaber seiner Gastro-Group war, viel Geld geschuldet haben. In einem Fall soll A. ihrem Geschäftspartner 175.000 Euro geliehen und nie zurückbekommen haben. Die Anklage geht davon aus, dass Jan M. die 29-Jährige am Tattag in den Niddapark unter dem Vorwand bestellte, ihr das Geld zurückzuzahlen. Der abgelegene Treffpunkt sei notwendig, weil eine ungenannte dritte Person als Geldgeber fungieren würde, soll Jan M. der 29-jährigen Frau vorgegaukelt haben.

Jan M. erklärt sich für unschuldig

Im Laufe der Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft rund 80 Zeugen aus dem Umfeld des Opfers als auch des Tatverdächtigen befragt.

Mit den Befragungen wurde vor allem der Tatvorwurf des Betrugs untermauert, weil sich Jan M. mehrfach unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Geld lieh und dafür auch eine Urkunde gefälscht haben soll. Das "First In" soll Jan M. schon im Dezember des Jahres 2016 zum Verkauf angeboten und einem Interessenten mit einer gefälschten Aufstellung ein lukratives Geschäft vorgegaukelt haben.

Der 51-Jährige Angeklagte, gelernter Bankkaufmann und zweifacher Vater, hat in der Zeit seiner Untersuchungshaft mehrfach seine Verteidiger gewechselt. Seine jetzigen Anwälte, Gabriele Bender-Paukens und Hans Euler, kündigten im Vorfeld des Prozesses an, zum Auftakt eine Einlassung zu verlesen, in der ihr Mandant sich für unschuldig erklärt. Weitere Angaben zu ihrer Verteidigungsstrategie machten die Rechtsanwälte zunächst nicht.

Prozessauftakt nach Mord im Niddapark: 30 Zeugen geladen

Die 21. Strafkammer hat für den schon jetzt bis Januar 2020 terminierten Prozess bislang 30 Zeugen geladen. 20 weitere Zeugen könnten noch hinzu kommen, sagte der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan. Das Gericht hatte bei der Zulassung der Anklage darauf hingewiesen, dass möglicherweise auch eine Verurteilung wegen Totschlags oder aber eine besondere Schwere der Schuld festgestellt werden könnte. Letzteres könnte auf Jan M. zukommen, wenn die Schwurgerichtskammer nach der Beweisaufnahme mehrere Mordmerkmale als erfüllt ansieht.

VON OLIVER TEUTSCH

Dem Frankfurter Gastronom Jan M. wird vorgeworfen, seine Geschäftspartnerin Irina A. im Niddapark

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Der angeklagte Gastronom hatte nach der Silvesternacht in das Jahr 2017 behauptet, dass es wie in Köln auch in Frankfurt zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. Das war allerdings erfunden. 

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