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Peter Feldmann (li.) und sein Amtskollege John Tory erneuern die Städtefreundschaft mit einer Urkunde. 

Frankfurts Partnerstädte

Neustart für die Freundschaft zwischen Frankfurt und Toronto

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Frankfurt und Toronto sind sich in den vergangenen Tagen nähergekommen. Doch besonders intensiv ist die Partnerschaft noch nicht.

Auf den Bildschirmen im durchaus eindrucksvollen Foyer des Rathauses von Toronto gab es Aufnahmen des Römers zu sehen, und der Saal, in dem die Regierung von Kanadas größter Stadt ihre Empfänge abhält, war mit der Frankfurter Stadtfahne geschmückt: Am letzten Tag der Delegationsreise, die mit der Rückkehr nach Frankfurt am Mittwochvormittag endete, ging es förmlich zu.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und sein Amtskollege John Tory feierten das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft und erneuerten die Freundschaft mit einer Urkunde. Zuvor hatten beide Politiker hervorgehoben, dass Frankfurt und das 2,8 Millionen Einwohner zählende Toronto vor denselben Herausforderungen stünden (vor allem: nahezu ungebremstes Wachstum) und zugleich beide sehr internationale Städte seien, die von Vielfalt profitieren.

Doch so schön der Empfang im Rathaus auch war: Er konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es einiger Anstrengungen bedarf, die zwischenzeitlich eingeschlafene Partnerschaft zwischen den beiden Städten wieder aufzunehmen. Der 2014 gewählte John Tory bekannte dann auch freimütig, die Freundschaft habe jahrelang nur auf dem Papier gestanden. Nicht ganz so drastisch, aber inhaltlich ähnlich hatte sich in den Tagen zuvor auch Feldmann geäußert.

Fakt ist: Die Freundschaft zu Toronto ist nicht annähernd so intensiv wie die Beziehung zu anderen Partnerstädten. Im chinesischen Guangzhou etwa gibt es eine Straßenbahn mit Frankfurter Motiven im Innern der Waggons. Im türkischen Eskisehir war Oberbürgermeister Yilmaz Büyükersen nach einem Delegationsbesuch vor einigen Jahren derart angetan von der Frankfurter Reisegruppe, dass er seine Gäste zum Abschied persönlich in den Zug nach Istanbul setzte und jeden Einzelnen umarmte.

Und in Toronto? Immerhin schaffte es der enorm emsige Reiseleiter Eduard Hechler, der im International Office im Römer die Städtepartnerschaften betreut, ein paar gemeinsame Projekte (vorwiegend Besuche der Carl-Schurz-Schule) auf einen Din-A4-Zettel zu schreiben. Zum Vergleich: Hätte er sämtliche Kooperationen zwischen Einrichtungen in Frankfurt und der Partnerstadt Tel Aviv aufgeführt, hätte dafür ein ganzes Schulheft nicht ausgereicht. Noch dazu setzt die in Toronto verteilte Liste erst 2016 ein. Vorher war die Partnerschaft schlicht nicht existent.

Das hat viel mit Torys Vorgänger im Amt, Rob Ford, zu tun. Der mittlerweile verstorbene Politiker war von 2010 bis 2014 Bürgermeister von Toronto, hatte aber als Mitglied des Stadtrats seit 2000 großen Einfluss auf die Kommunalpolitik. Mit ihm wollten sich Frankfurter Politiker höchst ungern umgeben, zumal er ohnehin andere Schwerpunkte als Städtepartnerschaften hatte. Mal wollte er ein HIV-Präventionsprogramm nicht weiter unterstützen – mit der Begründung, dass sich ohnehin nur Drogensüchtige und Homosexuelle ansteckten. Dann forderte er, den Verkehrsraum für Radfahrer deutlich zu verkleinern, weil die Straßen nunmal für Autos gedacht sein. Und schließlich schlitterte Ford auch noch in eine Drogenaffäre.

Erst als der erzkonservative Hardliner 2014 krankheitsbedingt sein Amt räumte und der als liberal geltende Jurist und Radiomoderator John Tory übernahm, änderte sich das politische Klima in Toronto. Fortan war auch wieder an Städtepartnerschaften zu denken.

Davon könnte vor allem die Frankfurter Wirtschaft profitieren. „Die Städtepartnerschaft ist natürlich ein Türöffner“, sagte der sichtlich zufriedene Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung Oliver Schwebel. Er war bereits einige Tage vor Feldmann mit einer Delegation nach Toronto gereist und hatte Frankfurter Unternehmen mit kanadischen Firmen zusammengebracht. Der Markt in Toronto sei sehr interessant – gerade wegen der vielen Start-ups, von denen einige den Kontakt nach Europa suchten.

Und so endete eine erfolgreiche Delegationsreise, die für die Frankfurter Politiker auch entspannend war. Während im Römer ein Koalitionsstreit auf den anderen folgte, kümmerten sich Feldmann, Stadtverordenetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) sowie dessen Vertreter Renate Wolter-Brandecker (SPD) und Uli Baier (Grüne) nicht um den Zwist im Regierungsbündnis, sondern vertraten die Stadt Frankfurt nach außen.

Gerade Feldmann wirkte in diesen Tagen regelrecht gelöst. Während in Frankfurt Teile der CDU erklärten, er müsse wegen seiner kritischen Haltung zur Automobilindustrie vom Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Messe zurücktreten, erzählte er mehr als 6000 Kilometer entfernt nicht nur einmal eine Geschichte über seine Tochter. Die Neunjährige, die schon mehrfach in Toronto war, hatte ihrem Vater Tipps gegeben, was er sich im Südosten Kanadas anschauen müsse: etwa das Musical „Lion King“ oder die Niagara Fälle. Als Feldmann erwiderte, er werde viel Zeit in Tagungsräumen verbringen, sei sie irritiert gewesen.

Ganz am Ende des Empfangs im Rathaus hat Feldmann seinen Amtskollegen Tory eingeladen, Frankfurt im kommenden Jahr zur Buchmesse zu besuchen. Dann ist Kanada das Gastland der weltgrößten Bücherschau. Er komme gerne, erwiderte Tory – er müsse nur sicherstellen, dass zu dieser Zeit nicht gerade der Stadtrat tagt.

Womöglich wäre auch diese Antwort in Tel Aviv oder Eskisehir enthusiastischer ausgefallen.

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