Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Pater Bernd Günther mit der handgeschriebenen Bibel.
+
Pater Bernd Günther mit der handgeschriebenen Bibel.

Religion

Neues Testament selbst gemacht

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
    schließen

Die katholische Sankt-Ignatius-Gemeinde in Frankfurt gestaltet während des Lockdowns eine Bibel. Eine besondere Seite springt dabei sofort ins Auge.

Diese Bibel ist schon optische eine Besonderheit. Die Seiten sind nicht einheitlich, sondern mal aus Recycling-, mal aus gebleichtem Papier – sogar eine leuchtend gelbe Seite befindet sich darunter. Auch die Schrift ist unterschiedlich. Manche Blätter wurde mit Kuli beschrieben, andere mit Tinte oder einem orangefarbenen Stift. Mal sind die Buchstaben eng aneinander geschrieben, mal ausladend kringelig. Einzigartig ist dieses Werk, dessen ist sich die Katholische Gemeinde St. Ignatius im Westend sicher.

Etwa 250 Menschen haben mehr als ein Jahr lang an der Bibel gearbeitet. Sie beinhaltet das Neue Testament, geschrieben von Hand und individuell gestaltet. Mit Kinderzeichnungen und hübsch illustrierten Initialen. „Am Anfang des ersten Lockdowns haben wir nach einem Weg gesucht, die Gemeinde zusammenzuhalten“, sagt Pater Bernd Günther. Andachten im Internet hätten zwar viele erreicht, aber eben nicht die ganze Gemeinde. Deshalb brauchte es etwas Analoges.

Eigentlich sollten zunächst nur die Kinder an der Bibel arbeiten. Doch schnell wollten auch viele andere mitmachen. So teilten Günther und sein Team das Neue Testament in 375 Abschnitte und gaben eigentlich auch Regeln vor: weiße DIN-A-4-Blätter, doppelseitig beschrieben und mit Rand, damit sie anschließend gebunden werden können. Dass nun ein gelbes Blatt darunter sei, habe Charme.

Nachdem alle Textstellen fertig waren, gestaltete ein pensionierten Grafiker aus der Gemeinde Deckblatt und Kapitelstruktur mit der Hand. Danach wurde das Einzelstück in einer kleinen Buchbinderei in Nied gebunden.

Am Pfingstsonntag wurde die handgeschriebene Bibel offiziell vorgestellt. Nach dem Gottesdienst gab es auch Gelegenheit, vorsichtig in dem dicken Buch zu blättern und neben dem eigenen Beitrag auch die Kunstwerke der anderen zu bewundern. Dabei wurde den Betrachter:innen schnell klar: Die besondere Bibel ist ein neues Herzstück der Gemeinde, das dazu anrege, sich wieder intensiver mit dem Text selbst auseinanderzusetzen.

Momentan steht das Buch in der Kirche im Gärtnerweg 60. Mitten im Kirchengang auf einem Tischlein. Doch langfristig soll es einen festen Platz bekommen – zum Beispiel auf einer Stele. Wichtig ist Pater Günther, dass man die Bibel auch weiterhin in die Hand nehmen und darin blättern kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare