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Frankfurt: Neues Leben für den Industriepark Griesheim

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Von: Christoph Manus

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Der Industriepark Griesheim war ein bedeutender Chemiestandort. Nun wird im Frankfurter Westen Platz gemacht für neue Gewerbegebäude.
Der Industriepark Griesheim war ein bedeutender Chemiestandort. Nun wird im Frankfurter Westen Platz gemacht für neue Gewerbegebäude. © Oeser

Der Frankfurter Industriepark Griesheim soll ein modernes Gewerbequartier werden. Der Projektentwickler Beos will gut eine Milliarde Euro in die Neuentwicklung stecken.

Selbst für Frankfurter Verhältnisse ist es ein gigantisches Projekt: Der mehr als 70 Hektar große Industriepark Griesheim, der einmal ein wichtiger Standort für die Chemieindustrie war, soll sich in ein gemischt genutztes, modernes Gewerbequartier verwandeln. In dem seit Jahren zum allergrößten Teil brachliegenden Areal am Main könnten schon in einigen Jahren 5000 bis 8000 Menschen arbeiten, wenn die Vorstellungen des Projektentwicklers Beos, der das Gelände gemeinsam mit der Muttergesellschaft Swiss Life Asset Managers langfristig gepachtet hat, wahr werden.

Das jahrzehntelang aus Sicherheitsgründen nicht zugängliche Areal soll in drei bis fünf Jahren geöffnet werden und Angebote für den Stadtteil bieten, etwa Gastronomie und Sportmöglichkeiten wie eine Skateranlage. Das Mainufer soll neugestaltet, die Lücke im Radwegenetz endlich geschlossen werden.

Bis auf zehn Gebäude wird fast alles im Frankfurter Industriepark Griesheim abgerissen

Der Industriepark wird sich in den nächsten Jahren sehr verändern. Zehn Gebäude sollen in das neue Quartier integriert werden und nicht zuletzt identitätsstiftend wirken. Konzepte zur neuen Nutzung entwirft das Frankfurter Architekturbüro KSP Engel. Sonst wird so gut wie alles auf dem früheren Chemieareal abgerissen. Erste Rückbauarbeiten haben bereits begonnen.

Der Industriepark Griesheim

Das 77 Hektar große Gelände im Frankfurter Stadtteil Griesheim fungierte mehr als 160 Jahre als Chemiestandort. Schon seit 1856 wurden auf dem Areal am Main Kunstdünger, Schwefelsäure, Salpetersäure und Soda hergestellt.

Im Jahr 2019 wurde die letzte chemische Produktion im Industriepark stillgelegt. Inzwischen haben der Projektentwickler Beos und der Vermögensverwalter Swiss Life Asset Managers 73 Hektar der Fläche bis zum Jahr 2118 gepachtet und wollen das Areal in ein Gewerbequartier umbauen. cm

Die Neuentwicklung soll im Westen des Areal beginnen und dann sukzessive Richtung Osten – also zum Stadtteil hin – fortgeführt werden. Die Hochbauarbeiten könnten im Jahr 2025 beginnen, hieß es am Mittwoch bei der Vorstellung erster Pläne. Der Projektentwickler rechnet mit Investitionskosten von mindestens einer Milliarde Euro.

Die Abwärme von Rechenzentren soll das Gewerbegebiet „Frankfurt Westside“ beheizen

Die neuen Gebäude im Industriepark wollen Beos und Swiss Life vermieten, nicht verkaufen. Das Angebot soll sich an Unternehmen sehr unterschiedlicher Größen und Branchen richten – von Start-ups bis zu großen produzierenden Betrieben. Schon jetzt ist klar, dass Rechenzentren dort unterkommen. Sie sollen im Westen des Gebiets Platz finden und eine wichtige Rolle im Energiekonzept spielen. Ziel sei, das Quartier vollständig aus der Abwärme der Rechenzentren zu beheizen, sagte Projektmanager Mathias Strauch.

Noch laufen die Arbeiten am städtebaulichen Konzept, den das Frankfurter Büro AS+P für die Projektpartner erstellt. Diese gehen davon aus, dass der städtebauliche Rahmenplan, der in Abstimmung mit der Stadt entsteht, noch dieses Jahr beschlossen wird. Der neue Bebauungsplan für das Quartier soll ebenfalls in der zweiten Jahreshälfte auf den Weg gebracht werden.

Frankfurter Planungsdezernent Josef sieht Riesenchance für Frankfurt und Griesheim

„Lassen Sie uns Tschüss sagen zum Industriepark Griesheim“, sagte Beos-Vorstand Holger Matheis beim Pressetermin vor Industriekulisse. Und präsentierte „Frankfurt Westside“ als neuen Namen, unter dem der Projektentwickler das Quartier vermarkten wird. Bieten werde dieses moderne Flächen für Innovation, Kreativität, Technologie und Produktion.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sprach von einer Riesenchance für die Stadt und den Stadtteil. Die Pläne könnten den Frankfurter Westen stärken – wirtschaftlich wie städtebaulich. „Spannende Orte“ könnten auf dem nun fast verwaisten Areal entstehen. Das käme nicht zuletzt der Aufenthaltsqualität für die künftigen Beschäftigten zugute. Ein großer Gewinn sei es auch, dass die Zäune fallen sollen und das Areal geöffnet wird.

Neue Gewerbeflächen könnten in Griesheim relativ schnell entwickelt werden

Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) wies auf den riesigen Flächenmangel für das Gewerbe in Frankfurt hin. Die Neuentwicklung des Griesheimer Areals biete nun relativ schnell all jenen Unternehmen Möglichkeiten, die sich in Frankfurt ansiedeln oder die wachsen wollen. Interessant könne das Gebiet insbesondere für das produzierende Gewerbe, „technikaffine“ und andere innovative Unternehmen sein. „Bitte vergessen Sie unsere Frankfurter Traditionsunternehmen nicht“, warb Wüst in Richtung des Projektentwicklers. Viele von diesen wären bestimmt gerne Teil der Entwicklung.

So könnte das Gewerbeareal „Frankfurt Westside“, in das sich der Industriepark Frankfurt verwandeln soll, einmal aussehen.
So könnte das Gewerbeareal „Frankfurt Westside“, in das sich der Industriepark Frankfurt Griesheim verwandeln soll, einmal aussehen. © Bloomimages Berlin GmbH

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