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Zwei Spender, das Turmmodell und Frankfurts Baudezernent Jan Schneider im Stadtwald (von links).

Wiederaufbau

Neuer Goetheturm wird sicherer

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Das Frankfurter Ausflugsziel soll im Mai kommenden Jahres wieder stehen.

Großer Bahnhof für ein kleines Modell: Die Stadt Frankfurt präsentierte am Donnerstag den Entwurf für den Wiederaufbau des Goetheturms, und zahlreiche Lokalprominenz, engagierte Bürger und Journalisten versammelten sich um das etwa 60 Zentimeter hohe Abbild. Als Ausflugsziel soll der 43 Meter hohe Turm ab Mai 2020 wieder zur Verfügung stehen, versprach Frankfurts Baudezernent Jan Schneider (CDU).

Die Brandstiftung im Oktober 2017 sei „ein echter Stich ins Herz“ der Frankfurter gewesen, erinnerte Schneider. In einer spontanen Onlinebefragung der Stadt sprachen sich kurz darauf 78 Prozent der Bürger für einen möglichst originalgetreuen Wiederaufbau aus. Doch danach passierte von Amts wegen erst mal sehr viele Monate nichts. Nur die Summe, die zahlreiche Bürger, Institutionen und Firmen für den Wiederaufbau spendeten, wuchs. Das Frankfurter Planungsamt verwendete laut Schneider sehr viel Zeit für die Prüfung des Fundaments. Heraus kam: Der unterirdische Teil des Fundaments blieb vom Feuer unversehrt und kann wieder verwendet, der oberirdische Teil des Sockels aber muss erneuert werden.

Bei den Planungen für den Wiederaufbau wurde dann schnell klar, dass der Turm so ganz originalgetreu dann doch nicht mehr aufgebaut werden kann. Dafür haben sich seit 1931 zu viele Vorschriften geändert. So war der alte Turm mit Teeröl behandelt worden, was ihn widerstandsfähig gegen Nässe, aber leider zum leichteren Opfer der Flammen machte. Da Teeröl mittlerweile als schädlich gilt und verboten ist, wird das Holz des neuen Turms unbehandelt bleiben. Die Haupttragekonstruktion des Turms soll aus Edelkastanie gefertigt werden, die Treppenstufen aus Eichenholz.

Treppenstufen des Goetheturms werden genormt

Apropos Treppenstufen, der Goetheturm Jahrgang 2020 wird bei der Besteigung nicht mehr ganz so urig sein. Denn die Treppenstufen, die früher teilweise Stolperfallen boten und eine unterschiedliche Größe hatten, werden nun alle genormt. Das sei auch sicherer, so Schneider.

Um das Thema Sicherheit haben sich die verschiedenen Ämter ohnehin viele Gedanken gemacht und zwar in Bezug auf mögliche Brandstiftungen und Suizide. So wird der neue Aussichtsturm nicht mehr so leicht brennen, da in ihm Stahlelemente verbaut werden. „Man muss sich aber als Laie gezielt umschauen, um das zu bemerken“, versprach Baudezernent Schneider. Die Kombination aus Stahl und Holz hat laut Schneider noch einen weiteren positiven Effekt: Die Teile werden vorgefertigt und einzeln verbaut. So können Teile des Turms, die etwa durch Witterung beschädigt werden, ohne großen Aufwand ausgetauscht werden. „Spätere Generationen werden uns dankbar sein, dass wir uns 2019 so viele Gedanken gemacht haben“, hofft Schneider.

Um gegen Brandstiftungen geschützt zu sein, soll der neue Turm mit einer Kamera überwacht werden, auch wenn Schneider das am Donnerstag nicht verraten wollte. Zudem wird der Turm außerhalb der Öffnungszeiten nicht mehr so leicht zugänglich sein und überdies mit einem dünnen Netz vor Abstürzen schützen.

Das viel bestaunte Modell wird übrigens schon am ersten Maiwochenende einen weiteren Auftritt haben. Zum Goetheturmfest will sich der Vereinsring Sachsenhausen das Modell ausleihen. „Es wird kommen, wir müssen es nur hinter den Zaun stellen, weil es so fragil ist“, freute sich Markus Mannberger vom Vereinsring. Zum Goetheturmfest 2020 soll dort wieder ein richtiger Turm ohne Zaun stehen.

Kosten

Der neue Goetheturm soll rund 2,4 Millionen Euro kosten. Etwa zwei Millionen Euro davon übernimmt die Versicherung.

Die Spendengelder für den Wiederaufbau summieren sich auf rund 161.000 Euro. Dazu kommt aber eine nicht unerhebliche Sachspende: Die Dachdeckerei, die den Turm 2014 saniert hatte, will für den Neubau das Dach unentgeltlich rekonstruieren. Auf die Stadt Frankfurt kommen somit kaum Zusatzkosten zu.

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