Noch liegt der neue Goetheturm in Einzelteilen da.
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Noch liegt der neue Goetheturm in Einzelteilen da.

Denkmal

Neuer Goetheturm kommt Anfang Juli

  • vonUte Vetter
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Im Südschwarzwald zimmern derzeit Holzbauexperten Teile des Frankfurter Wahrzeichens zusammen.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… Hesse bemühen, obwohl es um den Goetheturm geht? Es sei gestattet, schrieb Hesse doch einst: „Aber mein großer Dichter war Goethe“. Viele Frankfurter, vor allem die älteren, sehnen den Wiederauf-, nein, Neubau des von einem ruchlosen (und noch immer nicht gefassten) Brandstifter am 12. Oktober 2017 gemeuchelten Goetheturms am Spielpark im Stadtwald herbei.

Am 6. Juli geht’s los. Journalisten durften im Südschwarzwald bei der preisgekrönten, international renommierten Firma Holzbau Amann den Turm vorab beschauen. Respektive seine vormontierten Einzelteile. Soviel sei verraten: Der Neue wird schön.

Tobias Döbele, Holzbau-Ingenieur und Betriebsleiter, kennt die emotionale Bindung vieler Frankfurter zu ihrem Wahrzeichen nicht. Seine Liebe gehört dem Holz. In einer der zwei gewaltigen Hallen senkt sich kreischend ein mächtiger Bohrer (eine Sonderanfertigung) in den zuvor per Computer eingezogenen Balken.

Das Monstrum läuft für den Turm-Auftrag derzeit unter Volllast, also im Dreischichtbetrieb, erklärt der Zimmermann und CNC-Programmierer Klaus Tröndle. Und streicht zärtlich über ein furchterregend großes Sägeblatt. Baudezernent Jan Schneider (CDU), zwei Stadtverordnete und ein Fraktionsreferent sind fasziniert. Sigrid Eichler, Diplom-Ingenieurin und kommissarische Fachbereichsleiterin des Amtes für Bau und Immobilien (ABI), sowie der Goetheturm-Projektleiter, Architekt Volker Braun, zücken ihre Smartphones und knipsen.

Das Holz, Edelkastanie, stammt aus Nordspanien. Es wurde fristgerecht geliefert, Corona störte die Logistik goetheseidank nur kurz.

Benedikt Max, Zimmerermeister, wird mit etwa sechs Kollegen drei jeweils 13 Meter hohe Tragkonstruktionen mit Stützen, Querstreben, Treppen, Außenwänden, Holmen und Geländern von einem rund 60 Meter hohen 50-Tonnen-Kran und zwei Arbeitsbühnen aus aufeinander stapeln. Mikado in groß. „Wir erledigen das meiste von außen“ sagt Max. Obendrauf kommt die Aussichtskanzel, auch aus Eiche. Sie wird mit Kupferblech gedeckt.

Mächtig schwerer Turm

Die Stellfläche für den Kran ist bereits eingerichtet und eingeebnet. Sie liegt neben dem Turm, die Ausleger brauchen Platz. Darum muss die beliebte kleine Gastronomie im Holzpavillon nach „vorne“ zum Parkplatz hin dichtmachen, kann aber den hinteren Außenbereich nutzen.

Mächtig schwer wird das „Goethe-Trumm“: Rund 35 Tonnen Stahl werden verbaut und machen ihn damit feuersicherer. Hinzu kommen etwa 72 Tonnen Edelkastanien- und 24 Tonnen Eichenholz. Nicht gewogen wurden etliche Kilogramm innenliegender Stabdübel sowie Schrauben aus Edelstahl. Das Wichtigste an der Konstruktion sei, dass nirgendwo Holz direkt auf Holz treffe. „Denn jedes Holz fault dann irgendwann nach Jahren aufgrund von Feuchtigkeit“. Immer müsse alles durchlüftet sein. Und so liegen die Bodenbretter der Aussichtskanzel nicht direkt auf Stahlträgern, sondern auf geriffelten Kunststoffschienen. „Da kann Wasser gut ablaufen und die Luft zirkulieren.“

Etwa 43 Meter hoch wird der Turm. Der Grundriss am Boden beträgt rund neun mal neun Meter, hoch droben zwischen den Baumwipfeln sind es sieben mal sieben Meter. 175 Stufen wird der Besucher bewältigen müssen, so er den Ausblick genießen will. Der alte Turm hatte 196, dazu unterschiedlich hohe. Die Tritthöhe ist nun bei allen gleich. Warum? „Es mindert das Unfallrisiko, falls einmal Menschen den Turm in einem Notfall schnell verlassen müssen“, erklärt Volker Braun.

Apropos Sicherheit: Ab Beginn der Bauarbeiten wird das Gelände videoüberwacht und sofort nach der Fertigstellung der komplette Turm mit einem Stahlnetz ummantelt. Das soll die Aussicht aber nicht beeinträchtigen.

Und wie kommt nun das ganze „Gelersch“ an den verträumten Waldesrand? „In etwa 15 Lastwagen einer uns vertrauten Spedition“, sagt Döbele, der den engen Sachsenhäuser Landwehrweg von drei Ortsterminen her kennt. Am 6. Juli müssen etwa fünf Lastwagen durch, am nächsten Tag drei und der Rest folgt peu à peu. Aber das werden die Sachsenhäuser sicher verzeihen. Alles für den Turm!

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