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Roger Mielke wird neuer Leiter der Evangelischen Akademie Frankfurt am Römerberg.
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Roger Mielke wird neuer Leiter der Evangelischen Akademie Frankfurt am Römerberg.

Evangelische Akademie Frankfurt

Frankfurt: Neuer Akademie-Chef ist aktuell noch Militärdekan

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Roger Mielke, promovierter Theologe und augenblicklich bei der Bundeswehr in Koblenz tätig, wird neuer Leiter der Evangelischen Akademie Frankfurt

Die Leitung der Evangelischen Akademie am Frankfurter Römerberg dürfte selbst deutschlandweit gesehen eine der interessantesten Tätigkeiten im kirchlichen Bereich sein. Die Weiterbildungseinrichtung mit ihrem breiten Angebot, die in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiern kann, bietet prominente Referentinnen und Referenten, spannende und hochaktuelle Themen und hat einen festen Platz in der Stadtgesellschaft.

Als Akademieleiter Thorsten Latzel im Januar zum neuen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland gewählt wurde, übernahm er zwar den sehr prestigeträchtigen Vorsitz einer der größten evangelischen Landeskirchen, aber er ging nach acht Jahren im Amt trotzdem mit einem gewissen Bedauern. Zum 1. Oktober wird nun Roger Mielke sein Nachfolger.

Das Bewerbungsverfahren sei sehr aufwendig gewesen, sagt Sabine Bertram-Schäfer, Pröpstin für Nord-Nassau und Vorsitzende des Akademievorstands. Für ihn erfülle sich ein Lebenstraum, sagt Mielke im Gespräch mit der FR. „Mit 57 freue ich mich auf eine neue Herausforderung.“ Mielke ist nicht nur promovierter Theologe, er besitzt auch Abschlüsse in den Fächern Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie, ist ausgebildeter Systemischer Berater und hat eine sicherheitspolitische Ausbildung an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik gemacht.

Derzeit arbeitet Mielke, Vater dreier erwachsener Kinder, noch als Militärdekan am Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz und unterrichtet auch Ethik. Da geht es um das „scharfe Ende des Berufs“, wie er sagt, um das Handeln in schwierigen Situationen, tatsächlich um Leben und Tod. „Das ist eine sehr harte Wirklichkeit.“

Gerade erst erschütterte ein schwerer Terroranschlag in Mali die Bundeswehr, viele schwerverletzte Soldaten sind zur medizinischen Behandlung nach Koblenz gebracht worden. Mielke kümmerte sich als Seelsorger um die Verletzten und ihre Angehörigen. Trost spenden, nach Antworten suchen, „das waren auch für mich bewegende Erfahrungen“. Fast 20 Jahre lang hat Mielke in Neuwied und Bendorf als Gemeindepfarrer gearbeitet, die Familie hat immer noch gute Kontakte zu der alten Pfarrei und fühlt sich der Gemeinde weiterhin sehr verbunden.

800 Menschen habe er in diesen 20 Jahren beerdigt, schätzt er. Am Bett eines sterbenden Menschen spüre man die große Kraft eines pastoralen Lebens. „Das bringt eine große Vertrautheit mit sich, die man so in keinem anderen Arbeitskontext hat. Die Faszination am Amt eines Gemeindepfarrers ist für mich, dass man doch eine Kultur prägen kann.“ Seinen Akademievorgänger Latzel kennt er gut, hat ihn gerade erst wieder getroffen, als der einmal quer durch sein neues riesiges rheinisches Kirchengebiet radelte.

Mielke will nur eine kleine Wohnung in Frankfurt mieten. Das dürfte genügen, denn Koblenz soll sein Lebensmittelpunkt bleiben. Der Wechsel ins neue Amt war rein verwaltungsrechtlich gar nicht so unkompliziert, denn die beiden Landeskirchen und das Bundesverteidigungsministerium mussten sich auf Fristen und Bedingungen einigen.

Symbol der Geschichte

Frankfurt mit seiner vielfältigen Kultur war aber für seine Frau und ihn in den vergangenen Jahren ein häufiges Ziel, und darauf freue er sich natürlich ebenfalls. „Für mich ist das ein Ort, an dem sich Identitäten sammeln, ein Zentrum der Macht, ein Symbol der deutschen Geschichte, und ein Ort, um das Evangelium zum Leuchten zu bringen.“

Über seine neue Tätigkeit sagt er: Glaube dürfe sich nicht einmauern. Die Akademie soll Raum für Streit und Konsens öffnen. Gleichzeitig stellten sich, ausgelöst von der Covid-Krise, viele Fragen zu Distanz und Nähe und zur Stellung und Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen. „Meine Themen-Trias in der Evangelischen Akademie soll sein: Ethik, Digitalisierung und Spiritualität“, sagt Mielke. Und auch wenn noch unsicher ist, wie viel Nähe künftig wieder möglich sein wird, so ist er doch überzeugt: „Wir müssen zurück zur leibhaftigen Begegnung.“

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