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Auch die Gebäude wirken mit Licht bestrahlt plötzlich ganz anders
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Auch die Gebäude wirken mit Licht bestrahlt plötzlich ganz anders.

Palmengarten

Frankfurt: Neue Winterlichter im Palmengarten

  • VonSebastian Theuner
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  • Thomas Stillbauer
    Thomas Stillbauer
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Eine Therapie der Farben. Die Winterlichter im Palmengarten sorgen einmal mehr für zauberhaftes Flair.

Die Schweinchen gefallen Henriette Solas, sechs Jahre alt, am besten. Klein und rund und mit Schlappohren leuchtet eines nach dem anderen an der Palmenhaus-Galerie auf, bevor sie nacheinander wieder verschwinden. „Die gibt es zum ersten Mal“, sagt Mutter Tanja. Sie muss es wissen: Mit ihrer Tochter und Mann Steffen besucht sie die „Winterlichter“-Ausstellung im Palmengarten zum dritten Mal. Jahr für Jahr gebe es Neues zu entdecken, findet die Familie aus Hofheim.

Es ist Samstagabend, die Stadt grau und verregnet; von den Blättern der Bäume fallen dicke Tropfen. Im Palmengarten aber überstrahlt ein Farbspektakel die winterliche Tristesse. Erleuchtete Baumkronen, Videoinstallationen, melodische Klänge: Nach einem Jahr coronabedingter Pause sind die „Winterlichter“ zurück. Um 17 Uhr verwandelt sich der Palmengarten in eine „world of lights“, eine Welt der Lichter. Konzipiert hat sie der Künstler Wolfgang Flammersfeld.

Karnickeldraht. Abflussrohre. Pappbecher. Trocknerabluftschläuche. Man kann nicht behaupten, dass Wolfgang Flammersfeld Ressourcen vergeudet. Im Gegenteil, er nutzt, was schon da ist, um daraus etwas so Schönes zu machen, wie man es noch nie gesehen hat. Aber es ist vergänglich. Wenn der Morgen kommt, ist es weg. Die Winterlichter lieben die Nacht.

Dazu zählen fünfeinhalb Meter hohe Kristallformen aus Tuch oder „Diamanten“, wie Lichtkünstler Flammersfeld sie nennt. Bäume, die Hula-Hoop-Reifen um den Bauch tragen, weiß und türkis beleuchtet. „So einfach“, sagt Flammersfeld, „und sieht total gut aus.“ Das Haus Leonhardsbrunn ist ganz weiß angeleuchtet, damit besser wirkt, was davor steht: der Pavillon, den Studierende der Hochschule für Gestaltung im Sommer aufgestellt haben. Und Flammersfelds „Blue Moons“, blau leuchtende Halbmonde.

Selbstverständlich sind die überdimensionalen Schneeglöckchen wieder dabei, alte Bekannte, von denen jedes Jahr eins mehr entsteht. Hat der Lichtmann auch Schnee bestellt? Flammersfeld: „Über Weihnachten auf jeden Fall.“ Zwei riesige Köpfe am Wegesrand. Einer von beiden verfolgt dich mit den Augen. Ein bisschen unheimlich ist es. Und soll es ja auch sein. Psychedelisch. Dazu trägt die Musik bei und dazu tragen hängende Objekte bei, die man zur Seite schubsen muss, um vorbeizukommen. Wer weiß, dass es Abflussrohre sind, gruselt sich eventuell nicht mehr so doll.

Am Karpfenteich mit der Grotte und dem Wasserfall würde man wohl für immer stehen bleiben, wenn es nicht so kalt wäre und irgendwann wieder hell. Es ist so ein fantastischer Ort mit all den Farben, den Klängen – „chilligen Klängen“, sagt Flammersfeld, ganz entspannte Musik. Im Hintergrund die Skyline und der Fernsehturm in Magenta, wie für die Winterlichter erbaut.

Die Osterinsel-Figur mit beleuchteten Bäumen.

Wer in diese Welt eintauchen will, muss geimpft oder genesen sein – und sich die Tickets vorher im Internet besorgen. Die Regeln haben auch ihr Gutes: „Es ist schön, dass nicht so viel los ist“, sagt Sandra Jahn aus Schwalbach. Zum Gewusel auf dem Weihnachtsmarkt sei das hier eine gute und sichere Alternative.

Mit Gatte Alexander und den beiden Kindern sitzt sie auf einer Bank am Staudengarten, nippt am mitgebrachten Glühwein und blickt auf hell erstrahlte, überdimensionale Schneeglöckchen. Ein Stück weiter ruhen weiße Vollmonde in blauen Mondsicheln – „Blue Moon“. Dazu sanfte Klänge, die dem inneren Auge neue Welten erschließen. Entspannungstherapie im Palmengarten.

Familie Jahn gehört zu den Stammgästen, es ist ihr vierter Besuch. Beim Wasserspiel habe man immer um einen guten Platz kämpfen müssen, sagen sie. Jetzt stehen um den Oktogonbrunnen nur vereinzelt Besucherinnen und Besucher. Rätselraten, was die projizierten Silhouetten auf der gesprühten Wasserwand zeigen: „Ist das ein Augapfel?“, fragt sie. „Ist das ein Coronavirus?“, fragt er. Am Ende dreht sich ein formschönes Herz auf dem Wasserschild. Freddie Mercury und Queen singen „Somebody To Love“. Diese Botschaft ist eindeutig.

Der Fernsehturm verschwindet hinter Nebelschwaden; auf den Wegen stehen die Pfützen, und wer durch den Steingarten hinab zur Grote steigt, verpasst ganz schnell mal eine Stufe. Trotz „Winterlichter“. Wie gut, dass der Herr in der orangenen Warnweste die passenden Hilfsmittel parat hat. An seinem Stand zwischen Palmenhaus und kleinem Weiher verkauft er Brillen, Kugeln und Blumenkränze in kunterbunten Farben. Es ist ein bisschen wie auf dem Jahrmarkt.

Nur Scherzartikel also? Mitnichten. „Die hängen wir uns über die Terrasse“, sagt Markus Meierfeldt, öffnet seine Jacke und präsentiert gleich vier Leuchtkugeln. Mit Gattin Alexandra verbringt er ein verlängertes Wochenende in Frankfurt. Er arbeitet hier; eigentlich lebt das Paar in Hamburg. Im Palmengarten sind sie zum ersten Mal. Tipp einer Kollegin.

„Sehr schön, sehr vielseitig“, findet Alexandra Meierfeldt die „Winterlichter“. An mancher Stelle würde sie sich noch mehr Musik wünschen. Ihrem Mann gefallen die Spiegelungen auf dem Bootsweiher, erzeugt durch Lichteffekte, besonders gut. Er wischt über den Bildschirm seines Handys, zeigt die schönsten Motive. „Eigentlich fehlen nur noch Frost und Schnee.“

Vertrautes sieht in anderem Licht ganz fremd aus.

Kalt genug ist es auch so, drei Grad Celsius zeigt die Wetter-App. Im Winterlichter Café im Palmenhaus und in der Villa Leonhardi tauen frierende Wangen und Fingerspitzen bei Glühwein, Gebäck und herzhaften Leckereien langsam wieder auf. Ein paar Schritte weiter, in der Galerie West, läuft noch die Jubiläumsausstellung „Frankfurts grünes Herz – 150 Jahre Palmengarten“.

Ein Geräusch nahe der Villa passt so gar nicht zu den romantisch-entspannten Klängen an anderer Stelle. Es summt, es brummt – ein Bienenschwarm etwa? Richtig! Die fleißigen Tierchen, gefertigt aus bemalten Getränkebechern, strahlen schwarz-gelb-gestreift über dem Wegabschnitt in Richtung Weiher.

Den Schülerinnen aus der Bienenklasse gefällt das besonders gut. Acht Mädchen, drei Mütter, ein Bollerwagen – der Kindergeburtstag wird in Zeiten von Corona einfach nach draußen verlegt. Beeindruckt sind die Mädchen vom Wasserfall: „Da konnte man reingehen und sehen, wie das Wasser runterfällt“, berichten sie. Wenn man dann selbst in der Grotte steht und umgeben von den Blautönen der Scheinwerfer den herabstürzenden Wasservorhang betrachtet – dann passt irgendwie auch das Wetter wieder.

Die Winterlichter leuchten bis 9. Januar täglich von 17 bis 21 Uhr, letzter Einlass 20 Uhr. Tickets ausschließlich online bei www.frankfurtticket.de – Freischaltung der Ticketkontingente wochenweise, jeweils montags für die Folgewoche. Im gesamtem Palmengarten gilt 2G. Maximal 2000 Personen pro Tag dürfen hinein, in drei Zeitfenstern.

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