Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Obdachlosen aus dem EU-Ausland bleibt in Frankfurt oft nur die Straße als Schlafplatz. Peter Jülich
+
Obdachlosen aus dem EU-Ausland bleibt in Frankfurt oft nur die Straße als Schlafplatz. Peter Jülich

Obdachlosigkeit

Neue Unterkunft für Obdachlose in Frankfurt vor dem Aus

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
    schließen

Die 20 zusätzlichen Schlafplätze für obdachlose EU-Bürger:innen in Frankfurt werden nicht mehr neu besetzt, wenn sie aufgegeben werden.

Frankfurt - Es war nicht weniger als eine kleine sozialpolitische Sensation. Mitte Februar verkündete die Stadt Frankfurt, dass sie angesichts eines Kälteeinbruchs und der Corona-Pandemie eine weitere Notunterkunft für Obdachlose schaffe. Im Henriette-Fürth-Haus, einer Unterkunft für Geflüchtete im Gutleutviertel, entstanden 20 zusätzliche Schlafplätze für obdachlose Männer, die als EU-Bürger keinen Rechtsanspruch auf Sozialleistungen und damit auf eine dauerhafte städtische Unterbringung haben.

Doch nun steht das neue Projekt offenbar schon wieder vor dem Aus. Wie Miriam Bandar, die Sprecherin der neuen Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne), der Frankfurter Rundschau bestätigte, gibt es die 20 Schlafplätze zwar noch bis Ende März kommenden Jahres, sie werden aber nicht mehr neu belegt, wenn sie von ihren Nutzern aufgegeben werden. Obdachlose EU-Bürger müssten sich daher ab sofort wieder an „alle offenen Anlaufstellen der Obdachlosenhilfe“ wenden, so Bandar.

Frankfurt: Stadt bot lange nur Notschlafstelle oder Rückfahrkarte an

Das Thema obdachloser EU-Bürger:innen vor allem aus Rumänien und Bulgarien, darunter auch Roma, treibt die Stadtpolitik schon seit Jahren um. Wenn sie auf Jobsuche nach Frankfurt kommen, haben EU-Bürger:innen in der Regel keinen Anspruch auf Sozialleistungen, so dass die Kosten einer Unterbringung nicht ohne weiteres gedeckt sind.

Lange Jahre bot die Stadt diesen Menschen nur die Notschlafstelle im U-Bahnhof Eschenheimer Tor oder eine Rückfahrkarte in ihre Heimat an. Der Förderverein Roma, der sich für Angehörige der Roma-Minderheit starkmacht, aber auch die Linkspartei kritisieren diese Praxis. Das Integrationsdezernat hatte sogar eigens eine Studie in Auftrag gegeben, die an dieser Stelle eine Lücke im Hilfesystem ergab.

Die 20 Plätze im Henriette-Fürth-Haus deuteten daher im vergangenen Winter eine Abkehr von der bisherigen politischen Linie der Stadt an und wurden von der damaligen Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD), Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) und Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) mit einigem Stolz verkündet.

Frankfurt: Förderverein Roma befürchtet Rückfall in alte Zeiten

Der Frankfurter Förderverein Roma, der seit Mitte Februar die Nutzer der 20 zusätzlichen Plätze mit bestimmt hatte, befürchtet nun einen Rückfall in alte Zeiten. Anstatt obdachlose EU-Bürger:innen aus humanitären Gründen endlich in alle regulären Notunterkünfte zu lassen, wie es auch im Koalitionsvertrag von Grünen, SPD, FDP und Volt angedeutet wird, gebe es nun eine „ordnungspolitische Entscheidung gegen die Betroffenen“, sagte Joachim Brenner vom Förderverein zur FR. Wenn die 20 Plätze nicht mehr nachbelegt würden, bedeute das „einen schrittweisen Abbau dieser Unterbringung“. Das sei besonders angesichts des nahenden Winters verheerend, so Brenner. Allein aus der Sozialberatung seines Vereins wisse er aktuell von 25 obdachlosen Männern aus dem EU-Ausland, die sofort eine menschenwürdige Unterbringung bräuchten.

Voitls Sprecherin Bandar betonte, alle obdachlosen Menschen in Frankfurt würden „innerhalb des gültigen Rechts bestmöglich versorgt“. Was das politisch konkret heißt, dürfte auch den neuen Magistrat weiter umtreiben. (Hanning Voigts)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare