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Frankfurt: Neue Plätze gegen die Klimakrise

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Von: Thomas Stillbauer

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Der Paul-Arnsberg-Platz im Frankfurter Ostend hat gestalterisch noch viel Luft nach oben. Die Stadt macht sich an die Arbeit.
Der Paul-Arnsberg-Platz im Frankfurter Ostend hat gestalterisch noch viel Luft nach oben. Die Stadt macht sich an die Arbeit. © ROLF OESER

Die Stadt arbeitet am Konzept gegen die Überhitzung. Als erste sollen der Paul-Arnsberg-Platz und der Riedbergplatz grün werden - und blau.

Es wird zu heiß im Sommer auf vielen unserer Plätze, der Klimawandel ist schuld, also der Mensch. Die Stadt will die Folgen lindern: Ein Leitfaden für „klimaangepasste Stadtplatzgestaltung“ ist in Arbeit. Wie die Plätze künftig aussehen und funktionieren könnten, hat die Leiterin des Grünflächenamts, Heike Appel, am Donnerstagabend im Klima- und Umweltausschuss des Stadtparlaments erläutert.

„Einige sehr steinerne Plätze sind in die Diskussion geraten“, sagt Appel und nennt als prominentes Beispiel das große Innenstadtareal Roßmarkt/Goethe-/Rathenauplatz. Da wird viel gemeckert – anderswo sind die Menschen schon einige Schritte weiter: Am Paul-Arnsberg-Platz im Ostend steht die Umgestaltung bevor. Und zwar, weil die Anwohnerinnen und Anwohner nicht locker gelassen haben.

Schon früh war den Leuten dort klar, dass der dreieckige Platz nahe der Europäischen Zentralbank nicht so bleiben kann, wie er 2004 gebaut wurde: 3000 Quadratmeter Betonboden, 16 bedauernswerte Bäumchen. Die Leute gründeten die Paul-Arnsberg-Platz-Initiative, kurz „Papi“, und bekamen im ersten Schritt Hilfe von der Stadt zum Bewässern der Trompetenbäume. „Es hat sich dann gezeigt, dass das Engagement kein Strohfeuer war“, lobt die Amtsleiterin, „da bestand echtes Interesse.“

Das ging so weit, dass die „Papi“ den Ortsbeirat ins Boot holte. Bald folgte ein Vorstoß, die Stadt möge ein Programm auflegen, um überhitzte Plätze für die Bevölkerung aufzuwerten. Das klappte, zwei Millionen Euro für vier Jahre wurden zunächst bewilligt. Es ging aber noch weiter. Die Leute von der „Papi“ schafften es, einen Volkshochschulkurs anzukurbeln: Wie gestalte ich einen klimaangepassten Platz? Das Grünflächenamt begleitete den Prozess, es entstanden Vorentwürfe. Gewünscht waren mehr Grün, mehr Bäume, mehr Schatten, mehr Aufenthaltsqualität, Entsiegelung des Bodens, bessere Sitzgelegenheiten, eine Pergola – kurz: ein den klimatischen Verhältnissen angepasster Platz. Daraus wurde eine Vorlage, die die Stadt nun umsetzt.

Der Paul-Arnsberg-Platz soll 30 zukunftsfähige Baumstandorte statt der 16 todgeweihten Trompetenbäume bekommen, etwa 500 Quadratmeter Stauden-Gräser-Beete, 440 Quadratmeter Blumenwiese für Insekten, eine berankte Pergola, schattige Sitzmöglichkeiten und große, tiefe Baumgruben, damit das Niederschlagswasser sie erreicht. Der Platz hat den Vorteil, dass er nicht komplett auf einer Tiefgarage sitzt. Eine solche Problematik sorgt etwa in der Innenstadt dafür, dass dort keine großen Bäume wurzeln können.

Eine Fläche für Veranstaltungen bleibt auch bestehen. Es wird viel Arbeit sein, die gesamte Fläche zu entsiegeln und dann neu zu gestalten. Kostenpunkt: 1,4 Millionen Euro. Bauzeit: bis Ende des Jahres, Bepflanzung im Frühjahr 2023.

„Aber eins ist klar“, sagt Heike Appel: „Die Stadt kann ja nicht einfach denen folgen, die am lautesten ,hier!‘ schreien.“ Ein Leitfaden soll her, und die Behörden, fünf an der Zahl, arbeiten an einer Liste der Plätze, die am dringendsten Klimaerleichterung brauchen. Da geht es auch um sogenannte blau-grüne Infrastruktur: Nicht nur Pflanzen sind gefragt, auch Wasser hilft, zum Gießen und zum Plantschen.

Noch ist die Liste der dringendsten fünf bis sieben Plätze nicht öffentlich, aber der Riedbergplatz wird der nächste sein. Auch dort herrscht bisher Steinboden vor, auch dort half eine engagierte Bewegung – die Klimaschutz-Initiative Riedberg –, die Steine ins Rollen zu bringen.

Vorgesehen sind am Riedberg 965 Quadratmeter neue Vegetationsflächen, 400 Quadratmeter wassergebundene Platzdecke, 24 weitere Bäume zu den zehn, die erhalten bleiben, drei Schattendächer, zusätzliche Sitzmöglichkeiten, Fenster für die abschreckenden Wandelemente am Spielplatz, Kletterpflanzen und schönere Spielmöglichkeiten. Kosten dort: etwa 1,1 Millionen Euro, ein Fördermittelantrag wurde im Januar bereits gestellt.

Die Goethe-Uni ermittelte im Juni 2021 auf dem Riedberg-Betonplatz eine im Durchschnitt um acht Grad höhere Temperatur als auf dem nicht weit entfernten Ewald-Heinrich-von-Kleist-Platz. Dort gibt es eine wasserdurchlässige Oberfläche, und der Kleist-Platz ist von Bäumen umstanden. Deutliche Hinweise, was zu tun ist.

„Wir wollen mit diesen ersten beiden Projekten zeigen, was möglich ist“, sagt Heike Appel. Der Leitfaden soll dann in Kürze noch mehr ins Detail gehen. Bis einst auch der Goetheplatz in der City davon profitieren kann, wird es noch ein steiniger Weg sein. Appel: „Das ist das größte Projekt.“ Die Ämter arbeiteten an einem Beschattungskonzept.

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