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Am Stoltze-Brunnen in der neuen Altstadt lassen sich Touristen besonders gern fotografieren. 

Tourismus

Neue Altstadt als Touristenmagnet: "Hochhäuser habe ich zu Hause genug"

Die neue Altstadt ist bei Touristen besonders beliebt. Viele Besucher sind allerdings nur für wenige Tage in der Stadt – wollen aber so viele Eindrücke und Erlebnisse wie möglich mitnehmen.

Frankfurt – Frankfurt als Stadt wird immer attraktiver für Touristen. Diese These bestätigt sich auch im Alltagsleben der Stadt. Selbst an einem kalten und diesigen Dienstag ist der Römerberg voller Menschen aus allen Ländern der Welt. An diesem Vormittag ist der Platz in weiten Teilen in Grün getaucht - viele Fußballfans von der "grünen Insel" sind gekommen, um sich das Spiel der Nordiren gegen die deutsche Nationalmannschaft am Abend im Stadion anzusehen. 

Die meisten Iren bleiben nicht lange in Frankfurt. Justin zum Beispiel ist nur für das Spiel in der Stadt. "Morgen fliege ich schon wieder", sagt der Nordire. Wie viele der anderen irischen Fans nutzt er die Zeit vor dem großen Spiel für einen Rundgang durch die Stadt.

"Die Altstadt ist wirklich schön und die Leute hier sehr nett." Trevor Simpson und sein Sohn Ryan sind ebenfalls nur ein paar Tage in der Stadt. Auch sie sehen sich das Fußballspiel an, in Begleitung ihrer deutschen Bekannten. Bereits gestern haben sie das Bankenviertel besichtigt, heute ist die Innenstadt dran. "Wir wollen die deutsche Kultur kennenlernen, so gut das in der kurzen Zeit eben geht", sagt Trevor. Mit dem Kauf zweier bayerischer Trachtenhüte haben sie da auch schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Neue Altstadt in Frankfurt: Gäste aus Neuseeland

Auch wenn die Iren in erster Linie als Fußballfans und nicht als Touristen in der Stadt sind, stehen sie doch exemplarisch für viele Besucher der Mainmetropole. Viele Touristen sind nur kurz in der Stadt, auf Geschäfts- oder Durchreise. Jade und Fergus aus Neuseeland zum Beispiel wollen eigentlich nach Wien. "Unser Flug geht aber erst heute Abend. Daher dachten wir, dass wir uns noch mal die Stadt anschauen", sagt die Studentin. Das junge Paar würde gerne den Dom besichtigen, ist sich aber nicht sicher, ob man Eintritt zahlen muss. "Solche historischen Bauwerke haben wir nicht in Neuseeland", erzählt Fergus. "Das ist schon beeindruckend."

Auch Besucher aus Deutschland kommen oft für einen Tagestrip in die Stadt. "Wir wollten uns das Städel-Museum und die neugebaute Innenstadt anschauen", sagt Erich Kandler aus Wiesbaden. Seine Frau ergänzt: "Wir waren seit dem Neubau nicht mehr in Frankfurt. Wir dachten, wir lassen erst mal die anderen gucken, wie es geworden ist, und wenn die dann fertig sind, kommen wir." Länger in Frankfurt bleibt eine Schulklasse aus Brüssel. Die Achtklässler sind für zehn Tage in Deutschland, fünf Tage davon in Frankfurt. Gerade absolvieren sie eine Goethe-Rallye durch die Innenstadt. Am besten gefallen hat den Schülern in Frankfurt aber bisher die Currywurst.

Reisegruppen aus Asien tummeln sich in der Neuen Altstadt in Frankfurt 

Neben Iren und einheimischen Touristen sind es hauptsächlich Reisegruppen aus Asien, die in der Innenstadt unterwegs sind. Koreanische, chinesische und japanische Gruppen tummeln sich rund um Sehenswürdigkeiten wie den Römer, den Dom oder am Eisernen Steg. Viele der Touristen sind zum ersten Mal in Europa. Sie sprechen kaum Englisch und reisen in großen Gruppen quer durch den Kontinent. "Für viele ist das die Reise ihres Lebens, dafür haben sie lange gespart", sagt Yiming Li aus Jinan in China. Er ist mit seiner Frau auf Rundreise durch Deutschland.

"Es ist etwas völlig anderes als China. Die Städte sind viel kleiner, aber schön mit vielen alten Gebäuden", sagt Yiming Li. Am besten gefallen ihm Kirchen wie der Dom oder die Paulskirche. Auch das Essen und die Leute mag er.

Enge Gassen, alte Häuser – dafür steht Frankfurts Neue Altstadt

Verlässt man die Innenstadt, versiegen auch die Touristentrauben. Zwar haben einige Iren ihren Weg in die Kneipen und Pubs an der Kaiserstraße im Bahnhofsviertel gefunden, aber der Großteil der Touristen beschränkt sich auf die Altstadt. "Hochhäuser habe ich zu Hause genug", sagt der irischstämmige Londoner Michael, der ebenfalls zum Spiel angereist ist. "Warum sollte ich sie mir dann auch im Urlaub anschauen?" Die Gassen der Altstadt würden wesentlich mehr Flair versprühen. "Hier hat man eher das Gefühl, dass man die deutsche Kultur kennenlernt."

Die Zahl der Gäste und Übernachtungen in den Frankfurter Beherbergungsbetrieben ist neun Jahre in Folge gestiegen. Und alles spricht dafür, dass das Jahr 2019 mit dem zehnten Tourismusrekord in Folge endet. Tourismuschef Thomas Feda rechnet damit, dass die Hoteliers in diesem Jahr 10,6 bis 10,7 Millionen Übernachtungen verkaufen könnten. Allein im September wurden mehr als 960 000 Übernachtungen gezählt. Noch im Jahr 2008 wurden lediglich 7,5 Millionen Übernachtungen verkauft. Nur Berlin, München und Hamburg ziehen noch mehr Übernachtungsgäste an als Frankfurt. 

Neue Altstadt in Frankfurt: Plus für den Tourismus

In keiner deutschen Großstadt ist das Übernachtungsaufkommen pro Einwohner so hoch wie in Frankfurt. Kleinere Großstädte wie Fürth, Recklinghausen, Wolfsburg und Kiel haben die Übernachtungszahlen zuletzt aber noch stärker steigern können als Frankfurt. Frankfurt profitiert vom starken Messe- und Tagungsgeschäft, aber auch vom stark gestiegenen Städtetourismus. Sehr gut läuft das Geschäft mit Reisenden aus dem Inland. Wichtigster Auslandsmarkt sind die USA. 

Die Bettenzahl ist zuletzt stärker gestiegen als die Zahl der Übernachtungen. Entsprechend sinkt die Auslastung leicht. Ende August gab es bereits 308 Beherbergungsbetriebe in Frankfurt mit zusammen mehr als 59 314 Betten. Und viele große Häuser sind im Bau oder geplant. 

Von Janis Berling

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