Tourismus

Frankfurt: Netzwerk sucht Gemeinsamkeiten

Medizin und Tourismus locken Gäste aus aller Welt nach Frankfurt. Nun sollen diese Bereiche enger zusammengeführt werden.

Plamen Staikov ist Chefarzt der Chirurgie sowie Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Sachsenhausen und über Frankfurt hinaus bekannt als Experte für Adipositas-Chirurgie. Thomas Feda ist als Geschäftsführer der Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main einer der rührigsten Botschafter Frankfurts. Was Staikov und Feda gemeinsam haben: Sie sind Vorsitzende im Medical Network Frankfurt-Rhein-Main und wollen den Medizin-Tourismus in der Region fördern.

Sie wollen mehr zahlungskräftige Menschen anlocken, die sich in Frankfurt ärztlich behandeln lassen. Was haben Sie denen zu bieten?

Staikov:Eine ganze Menge. Wir bieten Medizin auf hohem Niveau, mit der wir keinen Vergleich scheuen müssen – auch international nicht. Und wir haben ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Feda:Hinzu kommt, dass die Patienten in Frankfurt und Umgebung auch viel touristische Qualität finden, die den Aufenthalt nach der ärztlichen Behandlung angenehm macht.

Die Patienten schauen auf den Preis?

Staikov:Dass vor allem reiche Scheichs und russische Multimillionäre zu uns in die Klinik kommen, mag vor 15 Jahren so gewesen sein. Jetzt sind es vor allem Patienten aus der Mittelschicht, die bei uns Heilung suchen. Es sind Leute, die auf die medizinische Leistungsfähigkeit schauen, aber eben auch auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Und wendig und aktiv im Internet unterwegs sind und international vergleichen. Da stehen wir in einem harten Wettbewerb.

Feda:Den wir nicht scheuen müssen. Auch touristisch nicht. Frankfurt hat viel zu bieten. Das ist ja vor allem interessant und wichtig für mitreisende Angehörige. Sie wollen was erleben und von der Umgebung sehen, während der Patient in der Klinik behandelt wird. Wir haben den Vorteil einer guten Infrastruktur nicht nur medizinisch, sondern auch hinsichtlich anspruchsvoller Hotellerie und Gastronomie, hinsichtlich Kultur und attraktiver Shoppingmöglichkeiten.

Wollen die Menschen gesund werden oder etwas erleben?

Staikov:In erster Linie wollen sie gesund werden. Das steht immer im Vordergrund. Da unterscheidet sich der Patient mit der onkologischen Diagnose nicht von dem, der sich einer Adipositas-Behandlung unterziehen will.

Feda:Erleben wollen aber die mitreisenden Begleitpersonen etwas. Da reisen oft ganze Familien an. Deshalb ist es uns wichtig, beides miteinander zu verbinden: Medizin und Tourismus. Mit der Zusammenarbeit im Medical Network Frankfurt-Rhein-Main ist uns das ganz gut gelungen.

Wie entfaltet das Netzwerk seinen Nutzen für Patienten?

Staikov:In Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet halten wir Medizin und medizinische Behandlungen der Spitzenklasse vor. Wir können voller Überzeugung sagen: Hier verbinden sich die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse mit Kompetenz für höchste Ansprüche. Wir haben ein Spektrum an medizinischen Einrichtungen mit unterschiedlichen Fachbereichen, modernsten Diagnose- und Heilverfahren, das seinesgleichen sucht.

Feda:Dazu kommt ein breites und abwechslungsreiches Freizeitangebot einerseits, aber auch attraktive Nachsorgeangebote. Wir haben in Hessen insgesamt 30 Heilbäder und Kurorte. Bad Homburg, Wiesbaden, Bad Nauheim und Königstein im Taunus liegen zentral im Rhein-Main-Gebiet. Das Kuren gehört seit jeher zum Selbstverständnis in unserer Region. Bad Homburg als einstige Sommerresidenz des deutschen Kaisers. Eine Vielzahl Adliger und Prominenter aus dem In- und Ausland suchen seit Jahrhunderten unsere Kurbäder auf, die dadurch auch international bekannt und attraktiv sind.

Wie viel Internationalität können Sie den Patienten denn in der Klinik bieten?

Staikov:Derzeit kommen die meisten der Patienten aus dem arabischsprachigen sowie dem russischsprachigen Raum und aus China. In unserer Klinik in Sachsenhausen finden die Patienten immer einen Ansprechpartner, der sich in ihrer Landessprache verständigen kann. Gerade für Ausländer ist Verständigung ein entscheidender Faktor. Wobei man sagen muss, dass viele Patienten sich sehr gut auf Englisch verständigen. Das spricht hier im Haus fast jeder, ein Vorteil einer internationalen Stadt wie Frankfurt.

Feda:So ist es auch in den anderen Kliniken des Netzwerkes. Wir haben in dem Netzwerk für jede Situation eine Lösung, Sprachbarrieren gibt es nicht. Auch die Anfertigung schriftlicher medizinischer Übersetzungen, ob aus der Heimatsprache des Patienten ins Deutsche oder umgekehrt, ist kein Problem. Dieser Service von erfahrenen und zertifizierten Medizin-Dolmetschern ermöglicht es den Patienten, falls gewünscht, auch zu den Untersuchungen und Behandlungen begleitet zu werden.

Kommen mehr richtig kranke Menschen oder mehr Lifestyle-Patienten?

Staikov:Wenn Sie anspielen auf mein Spezialgebiet Adipositas-Chirurgie, muss ich Ihnen sagen: Mit Lifestyle hat das nichts zu tun. Wir operieren hier streng nach den medizinischen Leitlinien der Fachgesellschaften. Adipositas ist eine ernste Erkrankung. Die Menschen sind nicht nur massiv übergewichtig, sie leiden auch als Folge dessen an einem aus den Fugen geratenen Stoffwechsel. Ihre inneren Organe sind oft schon geschädigt, sie haben einen Diabetes Typ II. Die Adipositas-Chirurgie ist für diese Patienten oft lebensrettend und wirkt sich schnell auf den Stoffwechsel aus. Schon nach zwei bis vier Wochen brauchen die meisten von ihnen keine Diabetes-Medikamente mehr. Die häufigsten Behandlungen erfolgen bei Krebserkrankungen. Sehr gefragt sind auch medizinische Check-ups, da geht es um Vorsorge und Früherkennung.

Feda:Der Medizintourismus hat ein hervorragendes Potenzial. Er ist Wachstumsmotor für die Wirtschaft. Viele touristische Quellmärkte sind in diesem Bereich noch nicht voll erschlossen. Mit allgemein wachsender Beliebtheit der Stadt Frankfurt als Reise-Destination und steigendem Bekanntheitsgrad können wir auch den medizinisch motivierten Tourismus besser positionieren.

Was treibt Sie an, sich zu vernetzen und um Medizintouristen aus aller Welt zu werben?

Staikov:Die Medizin, die wir hier bieten können. Es kommt jemand vom anderen Ende der Welt und hat ein ernstes Gesundheitsproblem – und wir können helfen. Und im internationalen Vergleich bestehen.

Feda:Nicht zu vergessen: Wir haben das ideale Klima, um gesund zu werden.

Staikov:Stimmt. Da, wo es heiß und feucht ist, gibt es 40 Prozent mehr Komplikationen bei der Wundheilung als in unseren klimatisch gemäßigten Breiten.

Und wer ist alles drin im Netz?

Staikov:Krankenhäuser wie unseres in Sachsenhausen, aber auch Facharztpraxen und Kureinrichtungen.

Feda:Neben Frankfurt sind auch der Kurort Bad Homburg sowie weitere touristische Dienstleister im Netzwerk. Wir wollen gemeinsam Frankfurt und die Rhein-Main-Region bekannter, und auf unsere Vorzüge aufmerksam machen.

Ihre Konkurrenz schläft also nicht?

Feda:München, Berlin und Hamburg liegen in diesem Bereich noch vor Frankfurt. Dort hat man das Thema Medizintourismus viel früher erkannt und mehr investiert. Wir sehen uns aber auch im internationalen Wettbewerb. Da wird Frankfurt aufholen. Neben der Spitzenmedizin haben wir mit dem Flughafen eine erstklassige internationale Verkehrsanbindung.

Staikov:In den kommenden Jahren wird der Wettbewerb um China entscheidend. Wenn es uns gelingt, die chinesischen Patienten von unserer medizinischen Qualität zu überzeugen, haben alle Frankfurter etwas davon. 20 000 Patienten generieren gut 100 Millionen Euro an Bruttowertschöpfung. Von solchen Mehreinnahmen profitieren die Kliniken, die mehr Geräte anschaffen und mehr Personal einstellen können – und davon profitiert auch jeder Bürger.

Interview: Sylvia A. Menzdorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare