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Der Haupteingang der Goethe Universität auf dem Campus Westend.

Frankfurt

Flugblätter in der Goethe-Uni: Neonazis rufen zum Mord und „totalen Bürgerkrieg“ auf

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„Atomwaffendivision Deutschland“ unterzeichnet Terror-Flyer und ruft darauf mit Nazi-Symbolen zur Gewalt auf.

An der Goethe-Universität sind Flugblätter einer militanten Neonazi-Gruppe ausgelegt worden. Darauf wird unter anderem zum Mord an Muslimen, Imamen und Rabbinern aufgerufen – und zum „totalen Bürgerkrieg“. Unterzeichnet sind sie mit „Atomwaffendivision“. Unter diesem Namen firmiert eine neonazistische Gruppierung aus den USA, deren Anhänger dort mit mehreren Morden in Verbindung gebracht werden.

Die deutschsprachigen Flugblätter sind in Frankfurt im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften im IG-Farben-Haus auf dem Campus Westend erstmals Anfang April entdeckt worden. Das bestätigten Polizei und Universität der FR auf Anfrage. Laut einer Polizei-Sprecherin sind Flyer verschiedenen Inhalts gefunden worden, die mit „Atomwaffendivision Deutschland“ unterzeichnet waren. Neben „Aufrufen zur Gewalt und Gewaltdarstellungen“ seien darauf auch „verfassungswidrige Symbole“ abgebildet. Der Staatsschutz ermittelt. Zur Anzahl der Flyer wollte sich die Sprecherin nicht äußern. Nach FR-Informationen sollen die Flugblätter in den Bücherregalen verteilt gewesen seien. Der FR liegen Fotos von zwei Exemplaren vor.

Dritter Hinweis auf Aktivitäten der „Atomwaffendivison Deutschland“

Der Vorfall ist auch deshalb von Bedeutung, weil er der dritte bekannte Hinweis auf Aktivitäten von Anhängern der Gruppe hierzulande ist. Die deutschen Sicherheitsbehörden haben nach Angaben der Bundesregierung Anfang Juni 2018 im Rahmen der „Koordinierten Internetauswertung-Rechts“ Hinweise auf „die Existenz einer Gruppierung mit dem Namen ‚Atomwaffen Division‘ in Deutschland erlangt“. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Die Gruppe war demnach auch Thema im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ). Zur Anzahl der Mitglieder lagen der Bundesregierung damals nach eigenen Angaben keine Informationen vor – und auch keine Anhaltspunkte, dass es sich um eine terroristische Vereinigung handle.

Im Juni 2018 war über das Internet ein Video der Gruppe verbreitet worden, in dem unter anderem ein Vermummter zu sehen ist, der vor einer Hakenkreuz-Fahne posiert. Mit einer verzerrten Computerstimme wurde etwa gedroht: „Die Messer werden schon gewetzt.“

Auf Englisch grüßte man die „wahren Kameraden“ in den USA und verkündete, sich auch in Deutschland auf den Kampf vorzubereiten. Im November des vergangenen Jahres tauchten an der Berliner Humboldt-Universität Flugblätter auf, die denen ähneln, die jetzt in Frankfurt gefunden wurden. Die Berliner Polizei hatte damals ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Auch hier wurde der Staatsschutz eingeschaltet, aber die Ermittlungen „führten nicht zur Namhaftmachung einer tatverdächtigen Person“.

„Atomwaffen Division“ in den USA seit 2015 aktiv

In den USA ist die „Atomwaffen Division“, wie sie sich dort schreibt, schon länger aktiv. Als Gründungsdatum nennt die NGO Southern Poverty Law Center (SPLC) das Jahr 2015. Entstanden ist sie in einem radikalen Online-Forum und auch für ihre besonders drastischen Gewaltdarstellungen und -aufrufe bekannt. Dieser Ästhetik folgen auch die Frankfurter Flugblätter. Die Gruppe sei als terroristisch und nationalsozialistisch einzustufen und in Zellen organisiert, schreibt das SPLC. Sie propagierten eine extrem gewaltverherrlichende, apokalyptische Ideologie, die sich an den Ideen mehrerer US-Neonazi-Autoren orientiere.

Einer davon gilt auch als Vorbild des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). In den USA soll die „Atomwaffen Division“ einem Medienbericht zufolge rund 80 Mitglieder haben. Mehrere sind in Haft. Insgesamt fünf Morde werden Anhängern in den USA zugeschrieben. 

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