Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Höhenstraße, Ecke Berger Straße: Im August nach Starkregen ein See.
+
Höhenstraße, Ecke Berger Straße: Im August nach Starkregen ein See.

Extremwetter

Frankfurt: Karte zeigt nächsten Starkregen an

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

Eine Karte im Internet zeigt, wo Frankfurt beim nächsten Starkregen unter Wasser steht. Ihr Nutzen weist vor allem in die Zukunft.

Frankfurt - Die Stadt von morgen muss anders aussehen als die Stadt von heute. Das wissen wir – und einen weiteren Beweis liefern die Starkregengefahrenkarten, seit Mittwoch im Internet unter geoportal.frankfurt.de/starkregen für alle zu sehen.

Dort sind sämtliche Gebiete verzeichnet, die im Falle eines seltenen, eines außergewöhnlichen oder eines extremen Regenfalles unter Wasser stehen; so heißen die drei Kategorien. Lila eingefärbt sind jene Zonen, die dann mehr als einen Meter hoch überflutet würden. Dazu zählen naturgemäß die Unterführungen, etwa der Theatertunnel, aber auch die Bahnhöfe, besonders Südbahnhof und Höchst. Aber auch viele andere Stellen in der Stadt sind hochwassergefährdet, wenn die Klimakrise ernst macht und immer mehr Starkregen verursacht.

Wo es blau ist, ist viel Wasser - wo es lila ist, sehr viel.

Frankfurt: Karte im Internet für Extremwetter

„In Zukunft werden wir uns aufgrund des Klimawandels darauf einstellen müssen, dass solche extremen Regenereignisse häufiger werden“, sagt Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) bei der Präsentation am Mittwoch. Die Starkregengefahrenkarten seien nicht die Lösung der Probleme, aber der Weg zur Lösung. „Wir haben jetzt die erste flächendeckende Übersicht, wo sich Starkregenereignisse ergeben“, sagt Umweltamtsleiter Peter Dommermuth. „Die Ämter haben händeringend auf dieses Instrument gewartet.“

Beteiligt an der Entstehung waren außer den Ämtern auch die Feuerwehr und die Stadt Offenbach. Als Grundlage für die Berechnung dienten unter anderem ein digitales Geländemodell, Oberflächennutzungspläne, Gewässerverläufe und Gebäudekonturen – aber nicht jede Bordsteinkante fand Einzug, erklärt Alexander Kehl, Leiter der Abteilung Umweltüberwachung im Umweltamt. Es gelte stets auch die aktuelle Situation vor Ort einzubeziehen.

Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) erinnert daran, dass am Südbahnhof „regelrechte Sturzfluten“ in die B-Ebene und in den U-Bahnschacht gerauscht seien, bis sogenannte Klappschotts wenigstens teilweise Abhilfe schafften. Etwa 1800 sogenannte Gefährdungsbereiche in der Stadt identifizieren die Starkregenkarten laut Majer – davon seien allein 140 Zugänge zum Öffentlichen Personennahverkehr. „Die Feuerwehr steht bereit, wenn etwas passiert“, sagt er, „aber unser Ziel muss sein, dass wir vorher eingreifen.“ Klare Priorität hätten etwa Kitas und Krankenhäuser, und die Zufahrtswege der Feuerwehr müssten unbedingt frei bleiben. Was die Nidda und besonders ihre Nebenflüsschen angeht, seien Lösungen nur gemeinsam mit den Nachbargemeinden vor allem im Vordertaunus möglich.

Wo das Hochwasser droht

Die Karten sind zu finden unter geoportal.frankfurt.de/starkregen und zeigen in Blau und Lila, wo sich Wasser staut, wenn es enorm schüttet.

Auffällig in der Innenstadt (siehe nebenstehender Kartenausschnitt) sind etwa der Theatertunnel und der westliche Teil des Rathauses. Noch doller wird es in der Dominikanergasse, die der Ausschnitt nicht zeigt.
Wer auf der Online-Karte spazieren geht, stellt fest: Es gibt viele dieser lila eingefärbten besonders starkregengefährdeten Areale. Dazu zählen, wenig überraschend, das Eschersheimer Schwimmbad und weiter nördlich der Eschbach in Nieder-Eschbach, wo die Anlieger der Straße Am Sprudel seit vielen Jahren Hochwasserkummer gewohnt sind. In Nieder-Erlenbach hat der Bereich zwischen Steinberg, Obermühle und An den Bergen einen großen lila Fleck, in Höchst der Bahnhof und im Süden Alt-Sachsenhausen mit dem Amüsierviertel. In Bergen-Enkheim schillert das Mühlbachtal in Lila.

Problem Tunnel bei Starkregen – gibt es da Handlungsbedarf beim geplanten Riederwaldtunnel? Das müsse die Autobahn-GmbH beantworten, sagt Verkehrsdezernent Stefan Majer. ill

Apropos Lösungen: Was folgt denn aus den Starkregengefahrenkarten? Was fängt die Stadt nun damit an, dass etwa der Frankfurter Berg ein gefährdeter Ort ist, oder die Schule am Hang in Bergen-Enkheim? Was tun, wenn das Umweltamt anhand der Karten festgestellt hat: die Rüsterstraße, östlich des Westendplatzes, der Bereich um die Dominikanergasse und die Kreuzung mit der Fahrgasse, die Ostendstraße – „das sind Gebiete, die wir vorher gar nicht im Fokus hatten“, wie Dommermuth sagt?

Frankfurt: In Sachen Hochwasserschutz müssen Vorsorgen getroffen werden

„Wir kennen die Stellen, an denen der Starkregen gnadenlos zuschlagen könnte – wir müssen jetzt Vorsorge treffen“, sagt Rosemarie Heilig. Auch Ämter sollten mancherorts womöglich „dringend ihre Akten rausholen“, bevor das Wasser kommt. Majer: „Die Karte zeigt: Oh – da sollten sich ein paar Leute demnächst angucken, was sie in ihren Kellern aufbewahren.“ Mit anderen Worten: Die Karten helfen als Basis für die Zukunft. Die Erschließung von Baugebieten wie der Leuchte in Bergen-Enkheim würde man mit dieser Grundlage „vermutlich heute nicht mehr so angehen“, sagt Majer.

Ansonsten: Eigenschutz heißt das Zauberwort. Die Stadt werde Retentionsflächen schaffen, wo sie kann, sagt Rosemarie Heilig, also Gebiete, in denen sich Regenwasser sammeln kann, ohne Schaden anzurichten. So zu sehen etwa in den Grünflächen am Riedberg. Aber: Private Grundstücksbesitzer müssten sich auch selbst vorbereiten und etwa Versickerungsflächen vorhalten. (Thomas Stillbauer)

Mehr zu Starkregengefahrenkarten und wie sich Bürger:innen schützen können, erklärt ein Flugblatt, das auch unter www.frankfurt.de/starkregen zu finden ist. Hilfe gibt es zudem telefonisch, 069/212-71409, sowie per E-Mail: starkregenvorsorge@stadt-frankfurt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare