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Alexandra Brückmann verkauft ihre Mode im Geschäft Oständ Store in der Sonnemannstraße.

Frankfurter Fashion Week

Nachhaltige Mode aus dem Ostend

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Alexandra Brückmann designt stylishe Oberteile für Frauen und Männer, die Frankfurt und Ebbelwoi lieben. Zudem fertigt die gelernte Floristin hübschen Modeschmuck.

Alexandra Brückmann war früher selbst der Typ Fast-Fashion-Konsumentin. „Ich kaufte viel Mode für wenig Geld. Ich hatte selbst nicht so viel Geld, aber vor allem fehlte mir das Bewusstsein: Woher kommt das T-Shirt? Und unter welchen Bedingungen wird es hergestellt?“ Heute verkauft die 42-Jährige unter ihrem Modelabel Alma faire Fashion und selbst kreierten Schmuck. „Erst als ich anfing, mich mit Mode beruflich zu beschäftigen, setzte ich mich mit Nachhaltigkeit auseinander.“ Schräg gegenüber der EZB bietet sie ihre Produkte unter eigenem Label seit Anfang des Jahres im von viel Tageslicht durchfluteten Concept Store „Oständ Store“ (deutsch-englische Version von Ostend-Laden) an.

An den Kleiderbügeln hängt hauptsächlich Oberbekleidung. Die Aufschriften der T-Shirts oder Sweatshirts für Frauen und Männer haben oft einen lokalen Bezug. Schließlich sei sie, so die gelernte Floristin, durch und durch Hessin. Gestickt liest man oben links auf einigen Shirts: „Musik, Liebe, Ebbelwoi“. Wer es auffälliger mag, wird hier auch glücklich, etwa mit dem großen Aufdruck „Gerippt“ oder der Baseball-Jacke, auf deren Rückseite handschriftlich mit weißer Farbe „Bembel City“ steht – neben einem gezeichneten Ebbelwoi-Glas.

„Mein Lieblingsmotiv sind die Lippen“, sagt Brückmann. Diese sind auf dem Rückenteil von Shirt und Sweatshirt zu sehen, auf der Vorderseite ist Kuss Klub aufgedruckt. „Ich hatte lange diese Lippen im Kopf, die ich zeichnen wollte. Ich malte anfangs das Design eigentlich immer frei Hand mit einem Pinsel. Meistens klappte das, und wenn es in seltenen Fällen mal nicht klappte, behielt ich das Shirt“, sagt sie und lacht.

Mittlerweile lässt sie die Shirts und Sweatshirts entweder bedrucken oder von einer befreundeten Designerin besticken. Ganz neu sind ihre Shirts in angesagter Fliederfarbe oder in Mintgrün, auf denen vorne „FFM Approved“ (engl. Frankfurt tauglich) gedruckt ist. „Der Druck ist auf Wasserbasis und umweltfreundlich“, sagt Brückmann.

„Viele, die hier reinkommen, finden erstmal die Designs gut. Dann sind sie oft erstaunt wegen des Preises. Ich erkläre ihnen, dass eben alles fair produziert und aus 100 Prozent Biobaumwolle ist. Dann verstehen sie den Preis.“ Ein T-Shirt kostet 40 Euro, ein Sweatshirt 60 Euro. Die Shirts selbst werden – noch ohne Aufdruck – in Bangladesch produziert. „Aber ich kaufe bei einem Großhändler, der darauf achtet, dass die Bekleidung immer mit dem Fair Wear Foundation Siegel ausgezeichnet ist. Also es gibt keine Kinderarbeit, und die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter sind fair.“ Auch sehr wichtig sei ihr, das Global Orga-nic Textile Standard (GOTS)-Siegel, ein weltweit angewendeter Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern.

Mode Serie

Vom 6. bis 8. Juli 2021 soll die erste Frankfurt Fashion Week stattfinden. Ab 2022 ist geplant, sie sogar zweimal im Jahr auszurichten. Auch die Berlin Fashion Week wird weiterhin saisonal organisiert. Aber kann Frankfurt überhaupt Mode? In unserer neuen Serie stellen wir wöchentlich lokale Designerinnen, Modemacher und Ladenbesitzerinnen vor. Sportmarken-Gründer über Handtaschen-Designerinnen bis zum Schuhmacher sind ebenso dabei wie auch Fashion-Influencerinnen.

Angefangen hat Brückmann, die immer schon kreativ unterwegs gewesen sei, wie sie sagt, mit bunten Broschen unter ihrem ersten Label by Shandy. „Diese habe ich dann an die Gäste im Restaurant in Rodgau, wo ich arbeitete, verkauft.“ Das sei sehr bunt, sehr „Hippie“ gewesen. 2013 gründete sie ihr Label Alma. Sie fing mit Schmuck aus Messing an, dann erst kam die Oberbekleidung dazu. „Alma heißt meine Oma. Und es ist auch das spanische Wort für Seele.“ Ihr Atelier hatte sie früher in den Offenbacher Zollamt Studios. „Eine meiner Haupteinnahmequellen sind Design-Märkte und jetzt, wo ich auch genug Kunden aufgebaut habe, kommt der Laden hinzu.“

Den Concept Store betreibt Brückmann zusammen mit zwölf Kollegen. „Ich hatte Angst, dass ein paar meiner Kollegen in der Corona-Krise abspringen würden, und ich die Miete alleine zahlen müsste. Aber zum Glück waren alle abgesichert genug und sind weiter dabei.“ Sie selbst habe Soforthilfe bekommen. „Und auch der Verkauf durch meinen Online-Shop hat mich gerettet.“

Im Oständ Store gibt es auch viele regionale Produkte: So hängen hier beispielsweise zum Verkauf Bühnenscheinwerfer, die zuvor viele Jahre in einem Musikklub hingen und die der Frankfurter Philipp Gempe schließlich upgecycelt hat.

Aber genauso gibt es „Bonsai Babo“-Biotope im Glas. Ganz neu dabei ist, gleich wenn man eintritt, ein Stand von Flat Berry, einer Kaffeerösterei aus Oberursel. „Man muss sich aber eine eigene Kaffeetasse mitbringen oder einen Mehrwegbecher hier kaufen. Wir wollen keine Pappbecher“, sagt Brückmann. Auch neu dabei sind Haarbänder und Scrunchies (Stoff-Haargummis) des Frankfurter Labels „Blaurein“. „Die Designerin färbt alles mit Indigo.“ Brückmann selbst designt auch Bodychain-Ketten, die man über dem Shirt trägt. „Man kann sie über Kreuz tragen, aber auch locker hängen lassen.“ Sie kosten zwischen 65 und 80 Euro.

Aber Brückmann designt auch hübsche Ohrringe. „Jetzt in der Corona-Krise haben die Frauen besonders viele Ohrringe gekauft. Ich bin voll zum Ohrring-Label geworden“, sagt sie und lacht. Sie selbst fertigt den Modeschmuck aus Elementen wie Acetat und Messing. Glittä heißt ein Ohrring-Paar: ein Zwei-in-Ein-Ohrring. Wenn man mal weniger Lust auf Glitter hat, kann man die bunten Glitter-Dreiecke abmachen und trägt dann nur die Kreolen aus Messing. Brückmann betont: „Wenn einer Kundin mal Schmuck kaputt geht, repariere ich diesen kostenlos. Das ist nachhaltig.“

Alma im Oständ Store , Sonnemannstraße 73, Öffnungszeiten: von Mittwoch bis Samstag von 11 Uhr bis 18 Uhr, Online-Shop unter: www.almastore.de

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