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Frankfurt: Nachfrage nach Büros lässt nach

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Von: Christoph Manus

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Einer Studie zufolge ist der Markt für Wohnimmobilien in Frankfurt so überhitzt wie sonst in keiner anderen Metropolregion weltweit.
Büros im Frankfurter Bankenviertel bleiben trotz aller Krisen sehr teuer. © Boris Roessler/dpa

In Frankfurt ist im Jahr 2022 so wenig Bürofläche wie selten neu vermietet worden. Das hat mit der Krise, aber neuen Arbeitsmodellen zu tun – etwa der Abkehr von festen Arbeitsplätzen.

Im vergangenen Jahr ist in Frankfurt nach Zahlen mehrerer Maklerhäuser deutlich weniger Bürofläche neu vermietet worden als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Besonders schwach fiel das letzte Quartal aus, in dem es zu keinem einzigen Vertragsabschluss für eine mehr als 5000 Quadratmeter große Fläche kam. Für den größten Abschluss im vergangenen Jahr sorgte die Privatbank Oddo BHF, die sich 18 600 Quadratmeter Bürofläche im einstigen Vorstandsgebäude der Dresdner Bank an der Gallusanlage sicherte.

Die Flaute auf dem Büromarkt hat nach Einschätzung des Maklerhauses Blackolive zum einen mit den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, den gestiegenen Energiepreisen, der hohen Inflation und der Pandemie zu tun. Langfristige Entscheidungen würden in solch einer Situation oftmals aufgeschoben, heißt es. Viele Unternehmen versuchten, laufende Verträge mit günstigen Mieten zu verlängern oder Flächen zu verkleinern.

Der Wandel der Arbeitswelt lässt den Bedarf an Büroflächen schrumpfen

Hinzu kommt ein grundlegender Wandel der Arbeitswelt, den die Pandemie sehr verstärkt hat. Auch New-Work-Konzepte mit Homeoffice und Desk-Sharing-Möglichkeiten – also die zunehmende Abkehr von festen Arbeitsplätze für alle Beschäftigten – begünstigten die Anmietung kleinerer Flächen, sagt Blackolive-Geschäftsführer Kevin T. Nguyen. Auch das Maklerhaus Nai Apollo rechnet angesichts von flexiblen hybriden Arbeitsplatzmodellen mit einem abnehmenden Flächenbedarf pro Unternehmen. Weil viele Betriebe zudem weiterhin vorsichtig agierten und mehr neue Flächen auf den Markt kämen als zuletzt, dürfte der Leerstand von Büroflächen zunehmen, heißt es dort.

Gegen den Trend zunehmend gefragt dürften nach Beobachtung mehrerer Maklerhäuser hochwertige Büroflächen in sehr guter Lage sein. Bei JLL spricht man von einer „Flucht in die Qualität“. Für die suchenden Unternehmen spielten Nachhaltigkeitskriterien wie der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen eine immer größere Rolle, aber auch soziale Komponenten. „Büros müssen attraktiv sein, um genutzt zu werden.“ Gerade an solchen nachhaltigen und zukunftsweisenden Büroflächen gibt es aber trotz vieler Neubauten offenbar einen Mangel.

Die Mieten steigen weiter an. In der Spitze werden nach Angaben von BNP Paribas Real Estate inzwischen 48 Euro pro Quadratmeter für Büros in Frankfurt gezahlt, im Schnitt 23,20 Euro.

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