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Gleiches Quartier, eine Straße weiter: Die Froschhäuser Straße

Frankfurt-Griesheim

Angriff auf Polizisten in Griesheim: Ahornstraße ist nicht die Bronx

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Polizei, Ortspolitik und soziale Institutionen verstärken die Gewaltprävention in Griesheim. Karfreitag hatten 20 junge Männer die Polizei angegriffen.

  • Coronavirus* in Hessen: Angriff auf Polizeibeamte bei Kontrolle
  • Gewalt in Griesheim: Kein Vergleich zur Situation vor 30 Jahren
  • Prävention soll Angriffen vorbeugen

Frankfurt - Schließlich hat es Birgit Puttendörfer gereicht. „Ja“, sagt sie, „es ist schlimm, was an Karfreitag vorgefallen ist.“ Das lässt sich nicht schön reden, so die Stadtverordnete und Vorsitzende der SPD-Griesheim. Eine Gruppe von etwa 20 jungen Männern hatte im Zuge einer Corona-Kontrolle Polizeibeamte attackiert. Die riefen Verstärkung, ein Polizeihubschrauber kreiste, in einer Wohnung an der Ahornstraße stellten die Beamten Schreckschusswaffen, Dolche und Ähnliches sicher.

Aber wenn nun mancher von „Gewaltexzess“ spricht oder den gerne für Griesheim bemühten Vergleich mit der Bronx hervorkramt, platzt Puttendörfer die Hutschnur. „Das Griesheim von heute ist auf keinen Fall mit dem Griesheim von vor knapp 30 Jahren zu vergleichen“, sagt sie bestimmt. Als regelmäßig Autos brannten und sich Jugendgangs auf der Straße fetzten.

Anstrengungen trotz Einschränkungen durch das Coronavirus in Griesheim

Gleichwohl ist Puttendörfer realistisch. „Wir müssen aufpassen, dass es nicht wieder so weit kommt.“ Dafür sind Anstrengungen nötig. Die unternehmen viele Kräfte bereits. Trotz Einschränkungen durch das Coronavirus. „Das politische Griesheim arbeitet“, sagt die SPD-Frau grummelig. Auch das hat sie geärgert, dass mancher glaube, die Verantwortlichen ruhten sich aus.

Das Gegenteil ist der Fall, versichert Puttendörfer. Sie und ihre Kollegen haben sich umgehört, bei der Polizei gefragt, die Jugendlichen angesprochen, das Sozial- und das Planungsdezernat rebellisch gemacht.

„Griesheim ist kein schlimmer Stadtteil“, sagt Puttendörfer. Manche der Karfreitags-Übeltäter kämen gar nicht aus der Ahornstraße, einige nicht einmal aus dem Quartier. Aber: Es ist ein Stadtteil mit Herausforderungen. Das sieht auch die Polizei so. Aus welchen Ecken der Stadt die Randalierer stammen, lassen die Kriminalisten unkommentiert. Schließlich laufen derzeit Strafverfahren.

Angriff auf die Polizei in Griesheim: „massive Form der Gewalt“

Die Vorfälle seien aber schon „eine massive Form der Gewalt“ gewesen, sagt eine Polizeisprecherin. Daher hat die Polizei ein „besonderes Augenmerk auf diesen Bereich gelegt“. Prävention sei wichtig. Das Quartier werde öfter bestreift. Allerdings sei das auch vor dem Vorfall so gewesen, der „aktuellen Corona-Lage“ geschuldet. Wenn ab Montag Mundschutzpflicht gilt, werden die Personenkontrollen sicher nicht weniger. Bislang ist es in der Ahornstraße nach Karfreitag „ruhig“ geblieben, so die Polizei.

Prävention. Puttendörfer seufzt. Es gibt eben wenig für junge Leute im Quartier, sagt sie. Der Bolzplatz fällt als Treffpunkt zur Zeit weg, weil dort eine Baustelle eingerichtet ist für die neuen Reihenhäuser an der Ahornstraße. Der dort geplante Park ist noch nicht angelegt. Die jungen Griesheimer bräuchten Treffpunkte, an denen sie Unterstützung bekommen. „Nicht Blödsinn lernen.“

Gewalt gegen Polizei in Griesheim: Gangsta-Rapper und Straftäter

Die Konkurrenz ist hart. Das Internet sendet Gangsta-Rapper in die Kinderzimmer. Und Straftäter gibt es in Griesheim durchaus. Samt jungen Leuten, die ihnen nachlaufen. „Was haben sie sonst für Idole?“, fragt Puttendörfer. „Jetzt ist auch noch alles zu“, klagt sie, also die Anlaufstellen, die sich sonst um die Jugend bemühen.

„Wir müssen die sozialen Angebote genau anschauen“, findet Puttendörfer. Es gibt viele, aber sind sie noch zeitgemäß? Gibt es Angebote nach 17 Uhr? Einen zweiten Streetworker bräuchte die Siedlung, jemanden, der auch Kontra geben kann.

Tatsächlich wollen sich die sozialen Institutionen des Stadtteils zum Thema zusammensetzen. „So gut es derzeit geht“, sagt Maximilian Förtner, Quartiersmanager des Internationalen Bundes, eingesetzt im städtischen Programm „Soziale Stadt“. Möglich wären Telefon- oder Videokonferenzen. Vielleicht sogar eine Minizusammenkunft.

Die verschiedenen Einrichtungen hatten ohnehin bereits die Arbeitsgruppe „Gemeinsam in Griesheim“ gegründet, um die Gemeinschaft zu stärken.

Von George Grodensky

*fr.de und fnp.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

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