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Frankfurt: Nach 30 Jahren noch am Anfang

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Von: George Grodensky

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Gutachter Dirk Brehm (M.) informierte im Sommer im Grüneburgpark.
Gutachter Dirk Brehm (M.) informierte im Sommer im Grüneburgpark. © Christoph Boeckheler

Die Planung des U4-Lückenschlusses wird sich noch länger hinziehen. Noch sind drei Varianten im Rennen.

Es ist ein langer Abend, und am Ende sind nicht alle glücklich über das Ergebnis. In neunköpfiger Mannschaftsstärke sind am Donnerstag Stadt und Verkehrsgesellschaft (VGF) angetreten, um den Stand der Pläne für den Lückenschluss der U4 darzustellen. Knapp drei Stunden referieren sie und hören sich geduldig Widerspruch an. Dennoch sind die Kritiker einer Streckenführung über den Campus der Goethe-Uni hernach nicht zufrieden. Sie hätten sich mehr Raum für ihre Einwände gewünscht.

Aber um Einwände gehe es eben noch nicht, versucht das Podium zu erklären. Sondern um den Austausch von Informationen. Drei Varianten sind für den Lückenschluss noch im Rennen, sie alle gelte es ergebnisoffen zu prüfen. Eine politische Abwägung der verbliebene Varianten könne erst erfolgen, wenn alle Fakten geklärt seien. Für manche Kritiker sind sie das bereits. Ein langer Tunnelumweg über den Campus bedeute einen höheren CO2-Abdruck für das Projekt, mehr Kosten ohnehin, und dass der Grüneburgpark vom Grundwasser abgeschnitten werde und somit verdorre, scheine auch schon festzustehen.

Entsprechend verliert das Publikum im Saal drei des Hörsaalzentrums auf dem Campus Westend angesichts des etwas langatmigen Aufbaus der Veranstaltung mit Vorstellungsrunde, Referat, Interview bald die Geduld. Aus der Möglichkeit, Verständnisfragen zu stellen, machen viele gleich die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge zu erläutern. Das wiederum nervt manche, die sich informieren wollen.

Wolfgang Siefert, Referent im städtischen Mobilitätsdezernat, betont daher, dass es zunächst einmal darum gehe, endlich den Lückenschluss der U4 zwischen Bockenheim und Ginnheim voranzubringen. „Darüber reden wir schon 30 Jahre.“ Egal, ob die Strecke nun über den Campus führen werde oder am Botanischen Garten vorbei, der Lückenschluss an sich sei schon von großer Bedeutung.

Derzeit gebe es bei der Stadtbahn nur eine Nord-Süd-Verbindung, die sogenannte A-Strecke über die Eschersheimer Landstraße. Nach ersten Schätzungen könnten durch den Lückenschluss 15 000 Fahrgäste von der A- auf die neue Strecke umsteigen, eine zweite Nord-Süd-Verbindung würde das System auch insgesamt flexibler bei Störungen machen. Weitere Vorteile: Mehr Angebot mache den öffentlichen Nahverkehr interessanter, es gäbe eine Verknüpfung zur geplanten Ringstraßenbahn, eine direkte Anbindung an den Hauptbahnhof für Stadtteile im Norden, eine Anbindung für Beschäftigte der Bundesbank und eine Anbindung des Campus Westend, ob nun mit direkter Haltestelle oder einem Stopp am Botanischen Garten. 13 000 bis 17 000 zusätzliche Fahrgäste wird der Lückenschluss dem öffentlichen Nahverkehr laut Schätzung zusätzlich bringen.

Davor gelte es aber, noch einen langwierigen Planungsprozess zu überstehen, an dessen Anfang man sich gerade befinde, trotz der bereits erwähnten 30 Jahre. Zunächst müssen Gutachten Aufschluss über die Grundwasserströme geben. Gutachter Dirk Brehm erläutert, wie die 35 Messstellen funktionieren und, dass er zumindest noch bis weit in den Herbst 2023 mit messen beschäftigt sein werde, um abschätzen zu können, wie sich ein Tunnelbau auf die Botanik auswirken könnte. Außerdem, welche Baustoffe im Falle eines Tunnelbaus nötig wären. Das Datenmaterial werde reichen, um anhand von vorherigen Messungen auch zu berechnen, wie sich trockenere und nassere Jahre aufs Grundwasser auswirken könnten.

Er bedauere nur, dass ihm das Grünflächenamt zwischen Siesmayer- und August-Siebert-Straße nicht ein weiteres Bohrloch gestattet habe. Auf der Sport- und Freizeitfläche.

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