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Im Frankfurter Bahnhofsviertel findet der Angeklagte so Allerlei.
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Im Frankfurter Bahnhofsviertel findet der Angeklagte so Allerlei.

Gericht

Frankfurt: Mutmaßlicher Messerstecher aus dem Bahnhofsviertel muss sich verantworten

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Abdulla L. muss sich vor Gericht dafür verantworten, einen Bekannten niedergestochen zu haben. Es ist nicht das erste mal, dass er mit der Justiz in Konflikt gerät.

Frankfurt am Main - Laut Anklage war Abdulla L. am Heiligen Abend 2019 nicht vom Geist der Weihnacht beseelt, aber mit einem Küchenmesser bewaffnet unterwegs im Kiez und auf der Suche nach Kollege S., mit dem er sich zuvor in einer Unterkunft in Praunheim zerstritten hatte. Stattdessen traf er auf M., einen gemeinsamen Bekannten, und fragte diesen nach dem Verbleib von S., den er zu töten gedenke. Als M. daraufhin die Auskunft verweigerte, rammte L. ihm das Messer bis auf den Knochen in den Oberarm, mit einer solchen Wucht, dass die Klinge abbrach und operativ entfernt werden musste. So sagt die Anklage.

Frankfurt: Mutmaßlicher Messerstecher betont seine Unschuld

„Ich sitze zu Unrecht in Haft! Ich bin unschuldig! Ich habe nichts getan!“ So sagt Abdulla L. Für den 32-Jährigen ist das nach eigener Aussage nichts Neues. Seit er 2005 nach Deutschland gekommen sei, griffen ihn fast täglich Menschen an, schlügen und beleidigten ihn, sprühten ihn mit Pfefferspray nieder und beschuldigten ihn der ungeheuerlichsten Straftaten. Oft arbeiteten diese Menschen für die Polizei.

So kommt es, dass er einen Großteil seiner Zeit in Preungesheim verbringt. Wenn er nicht inhaftiert ist, hängt er im Bahnhofsviertel ab. „Ich kann sonst nirgendwo sein“, sagt L., ohne das näher zu erörtern. Im Kiez verdiene er sich sein täglich Brot als Sammler und Jäger von dem, was die Natur dort so gedeihen lasse. „Manchmal finde ich Alkohol. Den trinke ich. Manchmal finde ich Drogen. Die nehme ich. Manchmal finde ich Geld.“ Manchmal bekomme er als geduldeter Flüchtling auch „Taschengeld“ vom Staat. Das investiere er dann in Alkohol und Drogen. Dabei sei er nicht wählerisch, er nehme eigentlich alles. Nur manchmal kaufe er sich ein Bier, zur Feier des Tages.

Frankfurt: Angeklagter leistet Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung

Ob er bei Bier auch alles trinke, will der Vorsitzende Richter wissen. Da macht sich Abdulla A, erstmals gerade auf der Anklagebank, und mit Stolz in der Stimme ruft er etwas in den Saal, was der Dolmetscher mit „Ich trinke Becks!“ übersetzt. Und ganz kurz hat man das Gefühl, durch den Saal wehe eine friesisch-herbe Patriotismusbrise. Dann aber herrscht schon wieder Windstille.

Nun ist es so, dass L. sich durchaus auch nationalmiefig äußern kann. Etwa im November 2019. Damals hatte er auf seiner Pirsch durch den Kiez Kautabak gefunden, das passiere öfter mal, und die Polizei kontrolliere ihn dann immer, verwechsele den Priem mit Haschisch und hänge ihm fälschlicherweise Drogenhandel an. So auch an jenem Novembertag, an dem er sich vehement gegen seine Kontrolle und anschließende Festnahme zur Wehr setzte.

Frankfurt: Streit setzt sich auf der Polizeiwache fort

Auf der Wache habe ihm die Polizei dann eröffnet, dass sie sehr wohl wisse, dass er nur Kautabak dabei gehabt habe, aber nichtsdestotrotz werde man ihn wie immer „einfach ohne Grund ins Gefängnis einsperren“. Da habe er in einer Beamtin vermeint, eine Landsfrau aus Eritrea zu erkennen, und sie in Wut angeschrien: „Du Kanakin! So ein Land wie Deutschland braucht Menschen wie dich nicht!“ Tatsächlich verstand die in Eritrea geborene Beamtin die Brüllerei. Auch das ist mitangeklagt: als Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung.

Da Abdulla L. sonst aber sämtliche Vorwürfe vehement bestreitet, hat die 22. Große Strafkammer vier weitere Verhandlungstage bis Mitte dieses Monats angesetzt. Mindestens bis dahin bleibt er in U-Haft. Nun könnte man meinen, wenigstens im Gefängnis habe L. so etwas wie einen VIP-Status und werde nicht so oft belästigt. Aber von wegen: ein Mitgefangener behauptet, L. habe ihn in der Knastküche verprügelt. Auch diese Handlung ist mitangeklagt, als Körperverletzung. (Stefan Behr)

In Frankfurt müssen sich der Gastgeber und eine Besucherin einer WG-Feier wegen Gewalt gegen Vollstreckungsbeamte verantworten: „Wichser“, „Bastarde“, „Hurensohn“ 

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