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Schmeißt mal was rein, wir sind hier doch nicht in Stuttgart“, ruft Paul Kissel zwischen zwei Songs.
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Schmeißt mal was rein, wir sind hier doch nicht in Stuttgart“, ruft Paul Kissel zwischen zwei Songs.

Spende

Frankfurt: Musiker sammelt Geld für Bedürftige

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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An sonnigen Abenden spielt Paul Kissel mit seiner Gitarre am Mainufer. Die Einnahmen spendet er an die Drogenhilfseinrichtung La Strada und der Obdachloseninitiative 1000 Nachbarn.

In wenigen Sekunden ertönt aus Paul Kissels Kehle das eingängige „Aaaaaaaah aaaaaaah aaaah aaaaaaah“ des Pop-Songs „Little Lion Man“ der britischen Band Mumford and Sons. Kissel setzt zum ersten „Aaaaaaah“ an. Auf vielen Konzerten der Briten würden es ihnen jetzt Tausende gleichtun.

Doch weder ist Paul Kissel der Sänger von Mumford and Sons, noch steht er vor 20 000 Menschen in einer Arena. Kissel steht in der brütenden Abendsonne am südlichen Mainufer zwischen Holbeinsteg und Untermainbrücke vor einem mal lauschenden, mal desinteressierten Publikum auf der Wiese und dem angrenzenden Maincafé. Paul Kissel verfolgt an diesem Abend nur ein Ziel: So viel Geld wie möglich einzunehmen und dieses an die Drogenhilfseinrichtung La Strada und der Obdachloseninitiative 1000 Nachbarn zu spenden.

Spendenhinweis auf Pappschild: „Urlaub ist nicht. Lasst uns denen helfen, denen es am Nötigsten fehlt.“

Damit die Leute auf der Mainwiese das auch wissen, stellt Kissel ein Pappschild vor sich auf. Darauf steht: „Urlaub ist nicht. Lasst uns denen helfen, denen es am Nötigsten fehlt.“ Oder er sagt nach einem gespielten Stück solche Sprüche: „Schmeißt mal was rein, wir sind hier doch nicht in Stuttgart.“

Es ist Kissels dritter Auftritt in diesem Jahr. Angefangen hat der 25-Jährige aus der Pfalz im letzten Jahr während des ersten Lockdowns. Wie so viele andere wurde auch Kissel in Kurzarbeit geschickt und hatte daraufhin viel Zeit zum Gitarrespielen. „Ich wollte eigentlich in Kneipen spielen oder Straßenmusik machen. Im ersten Lockdown sah ich dann das Elend im Bahnhofsviertel“, erklärt Kissel.

In diesem Jahr nahm Kissel bisher 500 Euro ein

Also entschied er sich, seine Leidenschaft zur Musik mit der guten Sache zu verbinden. Das La Strada und 1000 Nachbarn wählte er aus, weil zwei Freundinnen dort arbeiten beziehungsweise aktiv sind. Rund 500 Euro konnte Kissel in diesem Jahr bereits einnehmen. „Dazu muss ich ehrlicherweise zugeben, dass an einem Abend eine Person allein 250 Euro gespendet hat“, sagt Kissel. Nicht immer läuft es so gut.

Ein paar Tage zuvor spielte der Hobbymusiker an einem Samstagabend an derselben Stelle. Es war so viel Trubel, dass er kaum zu hören war. Also entschied er sich, eine kleine Anlage zu kaufen. „Das ist auch viel entspannter. Ich kann meine Stimme schonen und locker zwei Stunden spielen“, sagt er und grinst. Kissel lächelt generell sehr oft. Er sei sehr authentisch und selbstlos, sagt ein befreundeter Musiker, der vor dem Maincafé sitzt. Seine Partnerin ergänzt: „Ich finde es toll, dass er sich in seiner Freizeit hier für eine gute Sache hinstellt.“ Darüber hinaus gebe es in Frankfurt nur sehr wenige wie Kissel, die eigene und deutsche Lieder interpretierten. „Dafür ist die Stadt zu sehr geprägt von Techno und Rap“, sagt Kissels Freund.

Spende für La Strada und 1000 Nachbarn

Link zum Spendenaufruf: https://www.paypal.com/pools/c/8yaCfQxn7d

Zurück zum jungen Pfälzer. Angefangen hat er mit dem Gitarrespielen erst im Alter von 19. Durch Zufall kam er zur Musik. „Wir sollten im Musikunterricht einen eigenen Blues schreiben. Ich kaufte mir daraufhin eine Mundharmonika“, erzählt er.

Die Mainwiese füllt sich langsam. Kissel ist in bester Stimmung. „Wollt ihr mal was zum Mitsingen?“, fragt er in die große Runde. Keine Reaktion. Doch Kissel nimmt es mit Humor. „Begeisterung pur. Dann singe ich einfach ein eigenes Stück.“

Lockere Pop-Balladen bei hochsommerlichen Wetter

Es folgt eine lockere deutschsprachige Popballade, die herrlich gut zu dem hochsommerlichen Wetter passt, der lockeren Atmosphäre und den glitzernden Sonnenstrahlen auf dem Main. „Lass uns mal wieder Fahrrad fahren, raus aus der Stadt“, singt Kissel und erntet seine ersten Einnahmen. Frage an den Spender in Radfahrerkleidung: „Warum haben Sie ihm Geld gegeben?“ Antwort: „Er macht die Stimmung besser. Ich glaube, seine Musik tut den Menschen in dieser schwierigen Zeit einfach gut.“

Ein Pärchen, das gegenüber von Kissel auf der Wiese sitzt, applaudiert dem 25-Jährigen nach beinahe jedem Lied. „Er spielt und singt so schön. Wir sitzen hier am Main und können der Musik lauschen. Das hatten wir ja schon lange nicht mehr“, sagt Christa Lenzen. Ihr Partner, Mauricio Mendivil, nickt zustimmend und ergänzt: „Es fühlt sich wie eine neue Normalität an.“

Erfolgreicher Abend: Jetzt schon mehr Einnahmen als im letzten Jahr

Im vergangenen Jahr konnte Paul Kissel für La Strada und 1000 Nachbarn insgesamt 1000 Euro einnehmen und zusätzlich 500 Euro über einen Online-Spendenaufruf. Dazu stellte er ein Video in die sozialen Medien.

Einen Tag später erzählt Kissel, dass er an dem Abend 214,11 Euro eingenommen hat. „Das wurde noch richtig gut. Es kamen andere Musiker hinzu und wir spielten so lange, bis sich die Anwohner beschwerten.“

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