Umarmen trotz Corona

Frankfurt: 30 Musiker produzieren Song zur Corona-Krise

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Den Song zur Corona-Krise singen „Anderthalbmetermenschen“ aus Frankfurt und Umgebung - etwa 30 Musikerinnen und Musiker, Schauspielerinnen und Schauspieler.

Ein sanftes Klavier, dann singt Isabel Jasse: „Nun steh’n wir verlegen und unsicher da.“ Matthias Ambré vollendet den Reim: „Niemals war ich dir so fern und so nah.“ Tobi Kämmerer mit der nächsten Zeile: „Ein Hindernis hat sich dazwischengeschlichen.“ Gefolgt von Matthias Keller: „Ich stell dir die Einkäufe hier in die Küche.“

Noch vor zwei Monaten hätte der Text wohl ein wenig skurril gewirkt. Inzwischen haben sich die Erfordernisse des täglichen Lebens verschoben – und dem trägt auch der Titel dieses spontanen Musikprojekts Rechnung: „Anderthalbmetermenschen“ nennt es sich. Matthias Keller hat es gegründet, er schrieb auch den Song: „Umarmen“, die Sache, die uns zurzeit so sehr fehlt.

Auf die Idee kam der Musiker und Sprecher, charakteristische Stimme des Radiosenders HR1, als er seinen Eltern Einkäufe brachte, wie es viele in diesen Wochen tun – und als Keller sie noch nicht einmal in den Arm nehmen konnte.

An die 30 Musiker aus dem Großraum Frankfurt beteiligt

„Ja, ich hab’s kapiert, und es bricht mir das Herz“, singt Maja Wolff. „Was wir so dringend brauchen, bringt Leiden und Schmerz“, folgt Kerstin Pfau. „Ich muss doch zu dir, ohne mich geht’s dir schlecht“, lautet die Zeile von Markus Testory. Und dann Katharina Bach: „Doch sie lassen mich nicht, und sie haben wohl recht.“

An die 30 kleine und große Menschen aus dem Großraum Frankfurt haben an dem Lied mitgewirkt, alle aus der häuslichen Quarantäne heraus, alle haben sie ihre Zeile daheim eingesungen. „Jeder allein mit Playback“, schildert Maja Wolff. Den Kontrabass gespielt wie Gregor Praml, die Querflöte beigesteuert wie Walter Dorn, die Gitarre wie Ali Neander. Kinder, Musikerinnen und Musiker, Schauspielerinnen und Schauspieler, alle für sich und doch alle zusammen, denn am Ende hat Musikproduzent Markus Löhr die Klangquellen zusammengemixt. Wer eine Vorstellung davon hat, wie anspruchsvoll das unter diesen Umständen ist, kann nur den Hut ziehen: Das klingt toll, bis in die drei-, vier-, vielstimmigen Passagen. Wie im Studio.

Alle Einnahmen sollen an „Ärzte ohne Grenzen“ gespendet werden

„,Umarmen‘“ tröstet, macht Mut und gibt Hoffnung“, beschreiben die Macher auf der Website zum Projekt ihr Ansinnen. „Das Wichtigste, was wir als soziale Wesen brauchen, ist auf ungewisse Zeit eingeschränkt: körperliche Nähe.“

Über das Mutmachen hinaus soll das Lied auch konkret helfen: Alle Einnahmen, die es erzielt, sollen an die internationale Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ gespendet werden. Weitere Aufrufe zur Unterstützung schickt das Projekt raus für die Nepalhilfe www.sathi-ev.de und für das Flüchtlingsinitiative an den Außengrenzen der EU, leavenoonebehind2020.org/de.

Wo waren wir? Ja, beim Mutmachen. Der Refrain des Songs: „Doch irgendwann ist alles vorüber, und dann werden wir uns umarmen, so lange wie niemals zuvor.“ Lied, Fotos und Namen aller Beteiligten und alles drumherum gibt es hier: www.andert halbmetermenschen.de.

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