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Frankfurt: Musik tut gut und Gutes

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Proben für den Auftakt in der Katharinenkirche.
Proben für den Auftakt in der Katharinenkirche. © Michael Schick

Das Opern- und Museumsorchester hilft mit Konzerten mitten in Frankfurt bedürftigen Kindern.

Im siebten Stock des Opernhauses liegen die Partituren von der Probe am Vormittag noch aufgeschlagen auf den Notenständern. In wenigen Stunden geht es weiter, die neue Spielzeit hat begonnen, es steht viel auf dem Programm. Doch nicht alle Mitglieder des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters machen Pause. Am Rand des riesigen Raumes sitzen Gesine Kalbhenn-Rzepka, Vladislav Brunner, Elisabeth Friedrichs, Freya Ritts-Kirby und Sabine Krams im Halbkreis und proben Mozarts Streichquintett g-Moll KV 516. Das werden sie zum Auftakt der Konzertreihe „hellhörig@hauptwache“ spielen, die von heute an bis Mitte Oktober dienstags für etwa 45 Minuten klassische Musik in der Katharinenkirche erklingen lässt. Zur Mittagspause, bei freiem Eintritt und für eine gute Sache.

„Mit Musik Gutes tun“ lauten Ziel und Motto dieser Benefizkonzerte des Opern- und Museumsorchesters. „Wir wollen das kulturelle und gesellschaftliche Zusammenleben Frankfurts und darüber hinaus aktiv mitgestalten“, sagt die Bratschistin Elisabeth Friedrichs, die dem Orchestervorstand angehört. „Die Kraft der Musik kann viele Brücken schlagen – gern auch außerhalb der etablierten Räume.“

Im Alltag stelle es für viele eine Hürde dar, ein klassisches Konzert zu besuchen, sagt Peter Josiger, Kontrabassist und Mitglied des Organisationsteams. „Diese Schwelle wollen wir senken und das mit einem gemeinnützigen Zweck verbinden.“ Der kostenlose Zugang zu den Konzerten soll zum einen allen Menschen die Teilhabe an klassischer Musik in der Stadt ermöglichen. Zum anderen sollen Spenden gesammelt werden, um lokale Initiativen und Hilfsbedürftige zu unterstützen. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, werden die Konzerte fortan in der Katharinenkirche ertönen, kostenlos, aber nicht umsonst.

Die Konzerte

In der Reihe „hellhörig@hauptwache“ spielen Mitglieder des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters in unterschiedlichen Besetzungen immer dienstags um 13.15 Uhr 45-minütige Konzerte in der Frankfurter Katharinenkirche an der Hauptwache.

Die Konzerte sind kostenlos, am Ausgang werden Spenden gesammelt, die dem Verein MainLichtblick zugutekommen. Das Projekt kann auch über www.betterplace.org/f42415 unterstützt werden.

Auf dem Programm des Eröffnungskonzertes am heutigen Dienstag, 20. September, steht Mozarts Streichquintett g-Moll KV 516. Weitere Termine sind am 27. September und am 4., 11. und 18. Oktober. myk

www.museumsorchester.de

www.oper-frankfurt.de

Die erste Ausgabe der Reihe im Mai 2022 stand ganz unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine. Mehr als 5000 Euro kamen zusammen, „im Durchschnitt etwa 1000 Euro pro Konzert“, sagt Josiger. Das Geld ging an die muttersprachliche Samstagsschule des Ukrainischen Vereins Frankfurt. Der Erlös aus der nun beginnenden zweiten Staffel von hellhörig@hauptwache kommt dem Verein MainLichtblick zugute, der Kindern und Jugendlichen, die krank sind oder sich in einer Krise befinden, neuen Lebensmut geben und Wünsche erfüllen möchte. Ob die Fortsetzung der Lauftherapie für die zehnjährige Leonie, ein Rollstuhlfahrrad für den 17-jährigen Jan oder Spielzeug für geflüchtete Kinder: Die Wünsche werden während der Konzerte präsentiert. „Uns ist wichtig, dass die Wirkung der Spenden direkt ist“, sagt Peter Josiger. Und auch der Kontakt zum Publikum sei direkter, betont Bogdan Kisch. „Wir sitzen ja normalerweise weitgehend unsichtbar im Orchestergraben.“ Die Hellhörig-Konzerte dagegen seien mitten in der Stadt in einer Kirche. „Das strahlt Ruhe aus in der Hektik des Alltags.“ Der Cellist wirkte in der Staffel im Frühjahr mit, „das war sehr emotional“, erinnert er sich. „Wir hatten das Gefühl, wirklich etwas Sinnvolles zu tun und einen Beitrag zu leisten mit unserer Musik.“ Außerdem gehe es darum, „in den Konzerten die ganze Palette des Orchesters hörbar zu machen“. Mit verschiedenen Besetzungen, „die Lust machen auf klassische Musik“, so Josiger.

Die Initiative sei während der Pandemie aus den eigenen Reihen gekommen. „Wir haben das auf eigene Faust organisiert und gestaltet, alles ehrenamtlich.“ Und zwar neben dem ohnehin straffen Programm der Musiker:innen. Auch der Kontakt zur Katharinenkirche habe sich infolge der Lockdowns und Einschränkungen ergeben, „als es um die Frage ging, welche Bühnen überhaupt für Veranstaltungen genutzt werden können“, sagt Peter Josiger. „Für uns als Orchester war Corona eine Zäsur, ein Innehalten.“ Da seien „solche Ideen“ entstanden.

Ideen wie die „Mahnwache Musikkultur“, die ursprünglich von Christoph Gotthardt vom Staatlichen Schulamt stammte. Das Museumsorchester hat sie an der Hauptwache fortgesetzt, um für ihre freischaffenden Kolleg:innen zu sammeln, und zwar dienstags um 13.15 Uhr. Daraus sind nun die Hellhörig-Konzerte geworden. „Ohne Corona gäbe es diese Reihe wahrscheinlich nicht“, sagt Kontrabassist Josiger, der sich wünscht, „dass mehr Firmen ihre Mitarbeitenden motivieren, in der Mittagspause ins Konzert zu gehen“.

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