Corona-Krise in Frankfurt bedeutet auch mehr Müll. Grüne Werbeplakate für Mülleimer hängen nicht nur am Opernplatz.
+
Corona-Krise in Frankfurt bedeutet auch mehr Müll. Grüne Werbeplakate für Mülleimer hängen nicht nur am Opernplatz.

Müll im Park

Frankfurt versinkt im Müll: „Die Corona-Krise hat uns zurückgeworfen“

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
    schließen

Mehr Müll wegen Corona: Die Frankfurter Stabsstellenleiterin Claudia Gabriel spricht im FR-Interview über Pizza im Park, Wegwerfbecher und steigende Kosten.

  • Frankfurt versinkt im Müll
  • Stabstellenleiterin macht auch Corona verantwortlich
  • Besucher in Frankfurt müssen für das Problem sensibilisiert werden

Frau Gabriel, täuscht der Eindruck oder liegt seit Ausbruch der Corona-Pandemie noch mehr Müll in den Frankfurter Parks und Grünanlagen als sonst?

Der Eindruck täuscht nicht. Es befindet sich deutlich mehr Müll in den Grünanlagen und im öffentlichen Verkehrsraum.

Wie viel mehr Müll ist das?

Im Schnitt gut 30 Prozent. An einigen Punkten in der Stadt ist das Müllaufkommen derzeit sogar doppelt so hoch wie sonst oder noch höher.

Wo ist es besonders schlimm?

Überall, wo im Umfeld Speisen und Getränke zum Mitnehmen verkauft werden.

Direkt nach Corona-Shutdown: Frankfurt versinkt im Müll

Leute treffen sich abends im Park und bringen sich Pizza mit?

Nicht nur abends. Gerade in den Mittagspausen ist viel los. Wir haben direkt nach dem Shutdown gemerkt, dass viele Menschen versuchen, sich vermehrt draußen aufzuhalten, und sich Essen und Getränke mitbringen. Man könnte den Eindruck gewinnen, die Frankfurter ernähren sich überwiegend von Pizzen, wenn man die Berge sieht, die teilweise in den Grünanlagen landen. Auch Einwegbecher liegen wieder vermehrt herum. Dabei waren wir beim Thema Mehrwegbecher für Kaffee vor der Krise auf einem guten Weg.

Corona in Frankfurt: Mehr Papierkörbe, mehr Leerungen

Gibt es so viel Müll, dass die Behälter nicht ausreichen, oder sind viele Leute zu faul, ihren Abfall in den Eimer zu werfen?

Es gibt beides. In bestimmten Bereichen haben wir bereits mehr Papierkörbe als bisher aufgestellt, etwa am Mainufer. Und wir haben die Leerungsintervalle noch einmal deutlich erhöht, insbesondere an den Wochenenden. Trotzdem ist es vielen Leuten leider offenkundig zu viel Aufwand, wenn ein Papierkorb voll ist, zum nächsten Behälter zu laufen.

Wie viel mehr Zeit und Geld kostet es in diesen Tagen, die Grünanlagen vom Müll zu befreien?

Bisher wurden für Corona bedingte Zusatzreinigungen durch die Stabsstelle 60 000 Euro aufgewendet. Auch das Grünflächenamt hat noch mehr Aufwand betreiben müssen als sonst.

Frankfurt: Müllproblem auch schon vor Corona 

Die Stadt versucht schon lange, die Besucher der Grünanlagen für das Müllproblem zu sensibilisieren. Bringt das überhaupt nichts?

Ein Umdenken und eine Verhaltensänderung zu erreichen, ist eine langwierige Angelegenheit. Wir haben aber durchaus Erfolge erzielt. Das spüren wir auch in Gesprächen. Leider hat die Corona-Krise uns in unseren Bemühungen zurückgeworfen. Zurzeit nutzen etwa wieder Menschen auch aus Gesundheitsgründen Einwegbecher, die auf Mehrweg umgestiegen waren. Wir sind dennoch optimistisch, dass wir wieder an unsere Erfolge anknüpfen können.

Frankfurt hofft auf Abklingen der Corona-Krise

Weil sie hoffen, dass sich die Situation mit Abklingen der Corona-Krise und den erfolgten Öffnungen der Cafés und Restaurants wieder etwas entspannt?

Ja, da setzen wir sehr drauf. Wir hoffen sehr, dass die Bevölkerung sich nun wieder anders verhält.

Und wenn das nicht passiert? Würde es helfen, stärker zu kontrollieren? Müllsünder härter zu bestrafen?

Wir setzen erst einmal auf Aufklärung. Das verspricht den meisten Erfolg. Es gibt aber Leute, die sie damit nicht erreichen. Dafür wäre es wünschenswert, wenn die Stadtpolizei noch stärker kontrollieren könnte.

Das Dezernent für Umwelt und Ordnung ist wegen der Vermüllung in Frankfurt verzweifelt. Sie flehen die Bürger um mehr Rücksicht an.

Interview: Christoph Manus

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare